Schwesig for chancellor

Kick-off / Projekt ORANGE

 

Mein gestriger Artikel „Update / Projekt ORANGE“ basiert auf den aktuellen SPON-Wahltrend-Zahlen („Sonntagsfrage“). Nach dieser Prognose

  • w√ľrden CDU/CSU von 33% auf 29,2% sinken
  • m√ľsste die CSU (5,5%) um den Einzug in den Bundestag bangen
  • w√ľrden FDP und Gr√ľne sich auf 13,2 bzw. 11,9% verbessern
  • die SPD auf 19,5% absinken.

Wer es gut meint mit der SPD, kann ihr jetzt, in der Stunde der Konzept- und Ratlosigkeit, nur den Rat geben:

  • Sofort raus aus der Defensive und der Verlierermentalit√§t.
  • Merkel frontal angreifen; denn sie wurde abgew√§hlt, nicht Schulz.
  • Deutliche Zeichen setzen: Initiative, F√ľhrungskompetenz, Wille zur Macht.
  • Schulterschluss mit den Gr√ľnen (–> Projekt ORANGE).
  • Kontinuit√§t: Schulz bleibt SPD-Vorsitzender, Nahles Fraktionsvorsitzende.
  • Neue SPD-Kanzlerkandidatin: Manuela Schwesig.

 

 

  • Frau Schwesig stellt sich zur Kanzlerwahl im Bundestag.
  • Falls sie nicht zur Kanzlerin gew√§hlt wird und Neuwahlen angesetzt werden, gehen SPD und Gr√ľne mit der Kanzlerkandidatin Schwesig in den Wahlkampf 2018.

Der Effekt: F√ľr die W√§hlerinnen und W√§hler w√§ren die Fronten endlich klar. Jeder w√ľsste: Wer SPD oder Gr√ľne w√§hlt, hat eine echte Chance, zu den Siegern zu geh√∂ren.

M√∂gliches Szenario: Ende der √Ąra Merkel / statt vier Jamaika-Crashpiloten maximal drei Koalitionsparteien / im Fr√ľhjahr ’18¬†Start der neuen Mitte-Links-Regierung.

Schwesig – die deutsche Antwort auf Macron.


Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Manuela_Schwesig_in_2015?uselang=de#/media/File:201512_Manuela_Schwesig_SPD_Bundesparteitag_by_Olaf_Kosinsky-14.jpg¬†–> Olaf Kosinsky/Skillshare.eu
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Update / Projekt ORANGE

Aus den Zahlen vom neuesten SPON-Wahltrend/SPIEGEL ONLINE (21.11.2017, 18:01) ergibt sich folgendes Bild:

 

Machen Sie sich Ihr Bild.

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Projekt ORANGE

Fraktionsgemeinschaft SPD-Gr√ľne
als Grundlage f√ľr klare Verh√§ltnisse in der deutschen Politik

 

Dies ist das Ergebnis der Bundestagswahl vom 24.09.2017:

 

Wie schon in meinem Artikel „Wahlkampfmathematik 2017“ habe ich auch diesmal eine Art der Darstellung gew√§hlt, wie Sie sie vermutlich noch nie gesehen haben:

  • Die Reihenfolge der S√§ulen entspricht dem politischen Spektrum Links-Mitte-Rechts.
  • CDU und CSU erscheinen nicht als „schwarzer Block“.
  • Es gibt eine neue S√§ule „SPD-Gr√ľne“.

Das ist meine Idee f√ľr ein Vermeiden von Neuwahlen und Unsicherheit:

  • SPD und Gr√ľne bilden eine Fraktionsgemeinschaft im Bundestag.¬†Die beiden Parteien erkl√§ren, dass sie dieses B√ľndnis in Zukunft beibehalten werden – wie in der Vergangenheit CDU und CSU.
  • SPD und Gr√ľne laden die CDU (ohne CSU, ohne Merkel, Altmeier und Kauder) zu Sondierungsgespr√§chen ein. Ziel: Bildung einer neuen Regierung Orange-Schwarz, also SPD-Gr√ľne/CDU, unter einem Kanzler der Orange-Fraktion.
  • Falls diese Regierung nicht zustande kommt, gehen SPD und Gr√ľne mit einem gemeinsamen Programm in den n√§chsten Bundestagswahlkampf.
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KAIZEN im Rosendorf

L√∂hndorf ist ein malerischer Ort in Rheinland-Pfalz und einer von wenigen in Deutschland, die den Titel ‚ÄěRosendorf‚Äú tragen. Diesen Titel wie auch verschiedene andere Auszeichnungen haben die B√ľrgerinnen und B√ľrger von L√∂hndorf sich im Laufe der letzten Jahrzehnte durch Ideenreichtum, Flei√ü und Freude am Restaurieren alter Fachwerkh√§user erworben.

Highlights sind neben den zahlreichen Roseng√§rten die Skulpturen des Bildhauers Titus Reinarz, der hier im Ort lebt und arbeitet. Das alles ist ein echter¬†kontinuierlicher Verbesserungsprozess einer besonderen Dorfgemeinschaft. Die Japaner nennen es Kaizen ‚Äď Wandel zum Besseren.

Zum Rosendorf und seinen Projektmenschen passt sehr gut der Kalenderspruch dieser Woche, eine Sentenz von Mahatma Gandhi:

Sei du selbst die Ver√§nderung, die du dir w√ľnschst f√ľr diese Welt.

Beim B√ľrgerempfang zum diesj√§hrigen traditionellen Martinsmarkt durfte ich die Festrede halten. Hier sehen Sie ein paar Streiflichter aus der fr√∂hlich-bodenst√§ndigen Veranstaltung:

 

 

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Marie Curie – ein Leben f√ľr den Kampf gegen alte Gewohnheiten

Ein begnadeter Pianist spielt im Hause seines M√§zens vor erlauchtem Publikum. Nach seinem Auftritt geht eine der √§lteren Damen, ein Glas Champagner in der Hand, auf ihn zu: „Maestro, ich w√ľrde mein Leben daf√ľr geben, um so spielen zu k√∂nnen wie Sie‚ÄĚ. Darauf der K√ľnstler: „Madame, ich habe mein Leben daf√ľr gegeben‚ÄĚ.

 

Marie SkŇāodowska¬†Curie, die vor 150 Jahren in Warschau geboren wurde, hat ihr Leben lang gek√§mpft – f√ľr Erkenntnis und Kooperation in der Wissenschaft, f√ľr Gleichberechtigung und gegen Jahrtausende alte Vorurteile.

In einem Gastbeitrag f√ľr die FAZ w√ľrdigt Emmanuelle Brun-Neckebrock, die¬†Finanzchefin von SAP Frankreich, die Lebensleistung dieser Frau, die in jungen Jahren darum k√§mpfen musste, √ľberhaupt Mathematik und Physik studieren zu d√ľrfen. Zum Gl√ľck wurde die hochbegabte Marie schon als Kind von ihren Eltern unterst√ľtzt und gef√∂rdert; ihr Vater war Mathematiklehrer, ihre Mutter Schulleiterin.

In dem FAZ-Artikel geht es vor allem um Inspiration und unkonventionelles Denken als Voraussetzung f√ľr Innovation:

150 Jahre sp√§ter (…) kann uns diese Geschichte an den Kern von Innovation erinnern: den Bruch mit traditionellen Denkweisen. (…) Alte Gewohnheiten und Denkmuster sind schwer abzulegen, aber sie f√ľhren zu einer genauso hartn√§ckigen Voreingenommenheit.

Geradezu erschreckend sind die Statistik-Zahlen der Gegenwart, die von der SAP-Managerin genannt werden:

In den 1980er Jahren waren 40 Prozent der Absolventen von Informatik-Studiengängen Frauen. Heute sind es nur noch 18 Prozent.

Lesen Sie den FAZ-Beitrag, werfen Sie einen Blick in den Wikipedia-Artikel √ľber Marie Curie und vergessen Sie nie die Worte des „Kampfschweins‚ÄĚ Bertolt Brecht:

Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich.

 

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marie_Sklodowska_16_years_old.jpg?uselang=de
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Projektf√§higkeit – ein Fremdwort f√ľr Gewohnheitstiere

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier‚ÄĚ – der Satz¬†ist nicht ungef√§hrlich. Er best√§tigt uns in unserer Bequemlichkeit und dem Festhalten an schlechten (!) Gewohnheiten.¬†Best√§tigt f√ľhlen sich beispielsweise die Pseudo-Konservativen, die nicht nur „das Gute‚ÄĚ bewahren wollen, sondern all das, woran sie gew√∂hnt sind oder sich haben gew√∂hnen lassen.

Eine spie√üige Einstellung findet man in Deutschland √ľbrigens nicht nur bei traditionellen Unionsw√§hlern (so viele gibt es ja inzwischen nicht mehr) oder AfD-Anh√§ngern, sondern ebenso¬†bei bekennenden „Progressiven‚ÄĚ.¬†Aber diese Leute sind¬†nicht progressiv. Sie bewegen sich nicht nach vorn.¬†Das Wort „Projekt‚ÄĚ (von lat. proiectum¬†– das nach vorn Geworfene) wird von ihnen st√§ndig benutzt, aber sie haben seine Bedeutung nicht verstanden (siehe „Idee und Wunsch, Ziel, Plan, Projekt‚ÄĚ).

Die tiefere Ursache f√ľr die Antriebsschw√§che, oft gepaart mit Maulheldentum, ist die¬†Angst vor der¬†eigenen Courage. Diese Angst hat keiner von Geburt an. Jeder B√ľrokrat, jeder Bedenkentr√§ger hat ja schon als Einj√§hriger Mut zum Ausprobieren von etwas Neuem gehabt. Sonst h√§tte er nie gelernt, aufrecht zu gehen. Nur, den aufrechten Gang hat er irgendwann wieder verlernt.¬†Und weil er das alles insgeheim wei√ü und folglich die Ver√§nderer, die „Projektmenschen‚ÄĚ beneidet, denunziert er sie.

Ein aktuelles Beispiel sind die Jamaika-Sondierungsgespr√§che. Da wird endlich einmal nicht ruck, zuck eine neue Regierung gebildet, sondern intensiv und nach den Regeln der Projekt-Kunst¬†√ľber Wochen und Monate ein¬†Basisplan¬†erarbeitet, bevor das neue Vierjahres-Projekt gestartet wird.¬†Und was liest und h√∂rt man? √úberwiegend lamentierende Kommentare. Wenigstens Friederike Haupt sieht das anders, in ihrem Artikel „Sondieren geht √ľber lamentieren‚ÄĚ (FAS, 5.11.2017).

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In eigener Sache: Das Kommentieren in lap-land wird einfacher.

Ab sofort ist das Eingeben von Kommentaren weniger aufw√§ndig.¬†Au√üer dem Kommentartext m√ľssen nur noch Benutzername und Passwort eingegeben werden (–> Login).

Allerdings muss man einmal (!) unter „Registrieren“ seine Daten eingeben: Vorname, Name etc.. Dabei w√§hlt man einen Benutzernamen, z. B. ein K√ľrzel von drei Buchstaben, und ein Passwort von mindestens sieben Zeichen.

In der √úbergangsphase kann es noch Unebenheiten geben. Falls Sie also Fragen oder Anregungen haben, nehmen Sie bitte Mail-Kontakt zu uns auf.

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Idee und Wunsch, Ziel, Plan, Projekt

Ein Crashkurs

 

Kurz nachdem mein¬†Hofreiter-Artikel¬†erschienen war, kam ich mit einem guten Freund ins Gespr√§ch. Er meinte, ich sei zu streng gegen√ľber Leuten, die das Wort¬†Projekt¬†etwas lockerer handhabten und sich nicht exakt an „meine‚ÄĚ Begriffsdefinition hielten. „Hey, Junge‚ÄĚ, versuchte ich klarzustellen, „es ist nicht ‚meine‚Äô, es ist ‚die‚Äô Definition‚ÄĚ.

Der besagte Freund ist √ľbrigens Mathematiklehrer. Und er nimmt es sehr genau, wenn es um Begriffe wie etwa¬†Maximum¬†oder Schnittmenge geht.

Mir ist klar, dass jeden Tag Millionen Menschen „Projekt‚ÄĚ sagen und „Idee‚ÄĚ oder „Wunsch‚ÄĚ meinen. Aber ich muss das nicht akzeptieren. Ich w√ľnsche mir mehr Pr√§zision, mehr¬†Achtsamkeit. Und ich halte es mit Konfuzius:

 

 

Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen auch die Worte nicht, und stimmen die Worte nicht, so kommen auch die Werke nicht zustande.

 

 

Als Hilfe zur Selbsthilfe biete ich den folgenden Crashkurs an – kompakt, praxisnah (gleich das erste Beispiel ist frisch vom Fass) und vor allem: kostenlos 😎. Am Ende dieses Mini-Lehrgangs wird Ihnen klar sein:

 

Den f√ľnften Schritt vor dem dritten zu tun,
ist immer falsch und manchmal lebensgefährlich.

 

(1) Idee

Angenommen, Herr X hat die Idee, in eine Kneipe zu gehen. Dann ist das noch kein Projekt. Vor allem dann nicht, wenn Herr X zweimal pro Woche in seine Stammkneipe geht. Denn ein Projekt ist ein einmaliges Vorhaben.

Merke: Ideen sind wichtig. Manche sind brillant, andere nur Schnapsideen.

 

(2) Wunsch

Im obigen Beispiel ist m√∂glicherweise der Wunsch der Vater des Gedankens, sprich: Herr X m√∂chte einfach den √Ąrger √ľber seinen Chef runtersp√ľlen. Also, ein Wunsch.¬†Kein Ziel, kein Plan, kein Projekt.

 

(3) Ziel

Nehmen wir einmal an, es geht nicht um Alltags√§rger und kleine Bed√ľrfnisse, sondern um ein gro√ües Thema, z. B. den Frieden in Europa. Hierzu gab und gibt es immer noch viele Ideen und W√ľnsche. Aber

„Frieden in Europa‚ÄĚ ist kein Ziel, geschweige denn ein Projekt.

In diesem Blog habe ich mehr als ein halbes Dutzend Europa-Artikel ver√∂ffentlicht; in einem davon (18.9.2011) habe ich geschrieben:¬†Europa ist ein Kontinent, kein Projekt.¬†In demselben Artikel habe ich die Gr√ľndung einer „Bundesrepublik Mitteleuropa‚ÄĚ ins Spiel gebracht. Ich finde, dieses Ziel ist heute fast noch wichtiger und lohnenswerter als vor sechs Jahren, w√ľrde allerdings die Bezeichnung „Konf√∂deration‚ÄĚ vorziehen, in Anlehnung an die Confoederatio Helvetica (CH).

Und was ist nun ein Ziel? Die Antwort gibt uns die

SMART-Regel,
wonach beim Definieren eines Ziels f√ľnf Kriterien erf√ľllt sein m√ľssen:

  • Spezifisch / schriftlich fixiert
  • Messbar
  • Attraktiv
  • Realistisch
  • Terminiert.

Diese einfache, aber harte Regel sollte jeder junge Mensch bis zum Abschluss der 10. Klasse gelernt und einge√ľbt haben. Denn sie wird ihm sein Leben lang helfen – im Beruf und im Studium, beim Hausbau und bei der Urlaubsplanung.

Mit einem SMARTen Ziel sind wir schon sehr weit. Aber wir wollen Ziele ja nicht nur formulieren,¬†sondern auch erreichen. Dazu m√ľssen wir Projekte machen. Und damit wir ein Projekt starten, es fortlaufend steuern und erfolgreich abschlie√üen k√∂nnen, brauchen wie einen

 

(4) Plan

Der „Plan der Pl√§ne‚ÄĚ in jedem Projekt ist der Projektstrukturplan – ein Baumdiagramm, welches die Verteilung der Aufgaben und Rollen veranschaulicht. Darauf aufbauend m√ľssen¬†Kosten, Ressourcen, Qualit√§t und Termine geplant werden. Die herausragenden Termine nennt man Meilensteine. Mehr Informationen an dieser Stelle w√ľrden den Crashkurs-Rahmen sprengen.

Ein Tipp: Nehmen Sie Ihr Projekt ernst.¬†Der Teufel steckt im Detail. Planen Sie fr√ľhzeitig. Planen Sie sorgf√§ltig und realistisch – nicht allein an Ihrem Schreibtisch, sondern gemeinsam mit Ihren Mitstreitern. Wenn die Kiste einmal rollt, ist es f√ľr all diese Dinge zu sp√§t. Und Albtr√§ume dauern bekanntlich immer eine Idee zu lang,¬†siehe¬†BER.

 

(5) Projekt

Von einem Projekt¬†sollte man nur reden, wenn es hierf√ľr klar definierte Ziele und brauchbare Pl√§ne gibt (s. o.). Weitere Kernkriterien sind

  • Einmaligkeit (vgl. Abschnitt 1)
  • Begrenzung des Budgets / der Ressourcen
  • klar definiertes Projektende¬† (–> Deadline).

 

Schlussbemerkung

Wenn Sie sich noch einmal den¬†Hofreiter-Text¬†anschauen, stellen Sie fest: Dem Gr√ľnen-Politiker wurde offenbar nie erkl√§rt, was ein Projekt ist. Und das hat er mit Millionen anderen Akademikern gemeinsam 😎.

„Jamaika‚ÄĚ ist ein Projekt. Keine Herzensangelegenheit. Ein Projekt. Zur Zeit l√§uft die Projektvorstufe, an deren Ende der Basisplan fertig sein muss (vgl. „Projektherz‚ÄĚ, Kap. 16, „Projektfahrplan‚ÄĚ). Anschlie√üend erfolgt die Projektpr√ľfung (im Fall Jamaika m√ľssen alle vier Parteien den Basisplan genehmigen);¬†erst danach kann das Projekt offiziell gestartet werden.

Und wie in jedem Projekt gibt es stets das Risiko des Scheiterns.

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Bertolt Brecht, Dreigroschenoper

 

Bildquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Confucio_(Master_Kong_Qiu).jpg?uselang=de
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Ist die Grundschule noch zu retten?

Immer mehr √úberfrachtung und Theorie – die Kinder lernen kaum noch, richtig zu schreiben und zu rechnen.

 

K√ľrzlich wurden¬†die Ergebnisse des „IQB-Bildungstrends 2016‚ÄĚ ver√∂ffentlicht.¬†Laut ZEIT-Bericht sagte¬†KMK-Pr√§sidentin¬†Susanne Eisenmann (CDU) anschlie√üend: „Die Ergebnisse sind ern√ľchternd‚ÄĚ. Aber nur wer vorher high war, kann durch vorhersehbare Fakten ern√ľchtert werden.

Petra Stanat, die Leiterin der Studie, erkl√§rt in einem SPIEGEL-Interview zu den niederschmetternden Daten allen Ernstes: „Nicht die Kinder sind das Problem, sondern das Bildungssystem‚ÄĚ.¬†Ich glaube, zu einer solch messerscharfen Schlussfolgerung sind schon vor vierzig Jahren Millionen Eltern gelangt, ohne eine Menge Geld in x Forschungsstudien zu investieren, durch die nichts besser geworden ist.

Ich sage Ihnen, was das Problem ist. Alle f√ľnf Herausgeber der besagten Studie haben nie ein Lehramtsstudium absolviert und nie an einer Grundschule unterrichtet; es sei denn, sie sch√§men sich dessen und machen es nicht publik. Jedenfalls haben meine Internet-Recherchen ergeben, dass Studienabschluss und Promotion¬†in allen f√ľnf F√§llen im Bereich Psychologie bzw. Erziehungswissenschaft erfolgten.

Und genau aus dieser praxisfremden Ecke kommen Ideen wie „Schreiben nach Geh√∂r“ (siehe „Liber Papa ich w√∂sche dir …‚ÄĚ vom 7.8.2017) oder „Inklusion“, die letztlich dazu gef√ľhrt haben, dass unsere Grundsch√ľler im Durchschnitt immer schlechter schreiben und rechnen k√∂nnen. Im Klartext: Die Umsetzung derartiger Utopien in der Schulpraxis war ein absoluter Irrweg. Und die betroffenen Kinder und Lehrkr√§fte haben seit Jahren darunter zu leiden.

Aber wer ein wenig schlicht und subaltern ist, dem fehlt wom√∂glich die Cleverness, zu merken, dass er sich selbst ins Knie geschossen hat. Oder er hat’s l√§ngst gemerkt, will es aber nicht zugeben. Ganz im Sinne der CDU-Vorsitzenden nach der verlorenen Bundestagswahl 2017: „Ich sehe nicht, was wir¬†anders machen sollten‚ÄĚ.

Wie kann das sein? Diese provozierende Selbstgefälligkeit, das hartnäckige Leugnen eigener Fehler, nachdem die immensen Folgen dieser Fehler längst offenkundig sind. Wesentlich sinn- und ehrenvoller wäre es, in einer solchen Situation Georg Christoph Lichtenberg zu zitieren:

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.

Damit es wirklich gut wird an unseren Grundschulen, muss insbesondere folgendes anders werden:

  • Bei jeder Studie, die sich mit dem Thema Schule besch√§ftigt, m√ľssen neben den Theoretikern die Praktiker angemessen beteiligt sein, also Lehrkr√§fte und Schulleiter mit jahrelanger Unterrichtserfahrung.
  • Um endlich ausreichend viele und dabei hochqualifizierte Lehrkr√§fte in unsere Grundschulen zu bekommen, muss erstens die Ausbildung der Nachwuchslehrer drastisch verbessert werden; und zweitens m√ľssen diese Leute f√ľr ihren Job mindestens so gut bezahlt werden wie Gymnasial- und Berufsschullehrer.
  • Statt in 16 verschiedenen Schulsystemen st√§ndig auf 16 verschiedene Arten herumzuexperimentieren, brauchen wir endlich ein deutsches Schulsystem aus einem Guss.

Spontan f√§llt mir zu den charmanten Studien-Ergebnissen Frank McCourts Buchtitel „Ein rundherum tolles Land‚ÄĚ ein. Ja, ist es nicht toll, unser deutsches Bildungsland? Ein richtiges Tollhaus.

Im √úbrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien f√ľr Schule abgeschafft werden m√ľssen.

 

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Christoph_Lichtenberg_Big.jpg?uselang=de
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Was ist f√ľr Sie ein Projekt, Herr Hofreiter?

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Gr√ľnen im Bundestag, hat SPIEGEL ONLINE ein Interview gegeben, das soeben erschienen ist. Darin gibt es die folgende Passage:

SPIEGEL ONLINE: (…) Kann Jamaika f√ľr Sie im Erfolgsfalle mehr werden, etwa ein neub√ľrgerliches Projekt?

Hofreiter: Nein, Jamaika ist kein Projekt. Es w√§re ein B√ľndnis auf Zeit, das sich keiner ausgesucht hat. Und die Gr√ľnen sind keine b√ľrgerliche Partei. Wir sehen uns als Stimme der progressiven Kr√§fte unserer Gesellschaft.

Zum einen f√§llt auf, wie scharf sich Herr Hofreiter von dem Begriff „b√ľrgerlich“ distanziert. Immerhin fordern die Gr√ľnen in ihrem „Programm 2017“ eine B√ľrgerversicherung¬†– das Wort wird sogar im Interview seitens Hofreiter erw√§hnt – und nicht eine Progressiven-Versicherung.

Noch interessanter finde ich, wie der gr√ľne Spitzenpolitiker mit dem Projekt-Begriff umgeht. F√ľr ihn ist ein Vorhaben, das man sich nicht selbst „ausgesucht“ hat, kein Projekt. Aber wer von uns kann sich sein Leben lang immer aussuchen, mit wem zusammen er auf ein Ziel hin arbeitet?

Und dann das „B√ľndnis auf Zeit“ – nach Hofreiters Auffassung das Gegenteil eines Projekts. Aber genau das sind K.-o.-Kriterien eines Projekts: die Einmaligkeit und die Deadline. Wer w√ľnscht sich schon eine Jamaika-Regierung bis in alle Ewigkeit?

Mir scheint, bei den Gr√ľnen gibt es Nachholbedarf bez√ľglich Projektkompetenz und Projektf√§higkeit. Im Projektgesch√§ft, auch im politischen, sind nicht nur Begeisterung und Idealismus gefragt, sondern eine gute Balance von Spirit und Pragma. Anders gesagt, zu viele „Hasen“ und „G√§nse“ im Projekt sind gef√§hrlich, du brauchst auch „F√ľchse“. Und vor allem: „Adler“. Ich denke, das wei√ü auch Anton „Toni“ Hofreiter.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anton_Toni_Hofreiter_3504.jpg?uselang=de
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Projekt – Deadline – Demokratie

„Die Friedh√∂fe sind voll von unentbehrlichen M√§nnern‚ÄĚ, hat Charles de Gaulle einmal gesagt. Die Pointe: Er selbst hielt sich f√ľr so unentbehrlich, dass man ihn nur mit M√ľhe dazu brachte,¬†nach mehr als zehn Jahren Amtszeit endlich die Macht in Frankreich abzugeben.

√Ąhnlich schwer mit der Stab√ľbergabe beim demokratischen Staffellauf taten sich Adenauer, Kohl und Schr√∂der. Und die Gef√§hrdung unserer Demokratie durch √ľbertriebene „Muttivation‚ÄĚ war das Thema meines letzten Artikels.

Kurzer Einschub: Dass es auch anders geht, wurde der Welt durch Papst Benedikt XVI. demonstriert, dessen freiwilliger Machtverzicht ihm selbst und allen Katholiken offensichtlich gut bekommen ist. Auch hier war die Ironie des Schicksals im Spiel: Die katholische Kirche ist alles andere als ein demokratisches Gebilde; ein Stabwechsel zu Lebzeiten ist bei Päpsten gar nicht vorgesehen.

Und nun zur Sache, zur Idee der Demokratie.

Wer sich ein wenig mit den Staatstheorien der alten Griechen besch√§ftigt, etwa mit Aristoteles‚Äô Schrift „Politik‚ÄĚ, und mit damaligen Praktiken, z. B. dem „Scherbengericht‚ÄĚ, erkennt schnell: Bez√ľglich Demokratie, Oligarchie, Monarchie etc. gab es vor √ľber zweitausend Jahren in Athen mehr Sachverstand und effiziente Ma√ünahmen als heute in Pj√∂ngjang oder Ankara, im Kreml oder im Wei√üen Haus.

Es liegt auf der Hand, dass Demokratie ohne Deadline nicht funktioniert. Ein Bundestagsmandat oder eine Kanzlerschaft ist eine befristete politische Aufgabe, keine Lebensstellung. Eine demokratische Regierung ist keine Firma, erst recht kein Trump-Familienbetrieb, sondern ein Projekt – ein einmaliges Vorhaben mit klaren Zielen und einem definierten Ende.

Immer dann, wenn wir √ľber Demokratie reden, reden wir nicht nur √ľber Politik. Es geht um das Wohl jedes einzelnen Menschen in einer Gemeinschaft, um praktische Philosophie und um Projekt-Denken – um Projektphilosophie.

Unser Volk muss in der Lage sein, in einer turnusm√§√üigen Wahl die alte Regierung abzuw√§hlen. Dass dies nicht immer zu 100% funktioniert, stellen wir im Augenblick fest. Das Gezerre um Ja-maika oder Nein-maika, das alles sind nur Symptome. Wir m√ľssen ran an die Wurzeln unseres demokratischen Systems, das hei√üt: So wie die F√ľnf-Prozent-Klausel uns vor Chaos und Unregierbarkeit sch√ľtzt, so brauchen wir auch einen verfassungsm√§√üigen Schutz gegen das zyklische Auftauchen von „ewigen Kanzlern‚ÄĚ, das hei√üt¬†eine Deadline¬†f√ľr die Kanzlerschaft, eine Befristung auf maximal acht Jahre.

Andernfalls kriegen wir die Grundidee des demokratischen Wechsels¬†nicht in die K√∂pfe aller politischen Entscheider. Die Redewendung „Arroganz der Macht‚ÄĚ ist aus meiner Sicht oft besch√∂nigend. Es geht um viel mehr als nur um Arroganz. Es geht darum, dass eine politische Partei nicht zur Staatspartei werden darf – siehe T√ľrkei, siehe Bayern. Und dass der Regierungschef eines von Hause aus demokratischen Staats nicht irgendwann zur Institution wird – siehe Putin oder Erdogan, und in abgemilderter Form: Helmut Kohl.

Fotos:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Charles_de_Gaulle-1963.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pope_Benedict_XVI_2_(cropped).jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aristotle_Altemps_Inv8575.jpg?uselang=de
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Trump und Merkel (II)

oder: Die Unvergänglichkeit von Wahrheit und Friedfertigkeit

 

Donald Trump hat am gestrigen Sonntag mithilfe seiner Repetierb√ľchse Twitter einen der einflussreichsten Republikaner¬†auf √ľbelste Weise beleidigt. Nach einem aktuellen Bericht der¬†WELT¬†reagierte der Angegriffene, Senator Bob Corker,¬†mit den Worten:

Es ist eine Schande, dass das Wei√üe Haus zu einer Kindertagesst√§tte f√ľr Erwachsene geworden ist. Heute Morgen hat offensichtlich jemand seine Schicht verpasst.

Aber Herr Corker hat noch ein paar ernstere Dinge gesagt. In einem Interview erkl√§rte er,¬†dass Trump durch sein r√ľcksichtsloses Verhalten die USA an den Rand eines ‚Äědritten Weltkriegs‚Äú bringe. Wir sollten uns dar√ľber im Klaren sein, dass es keinen vierten geben wird. Der dritte wird der letzte sein. Doomsday Clock und Schildkr√∂te Gaia lassen gr√ľ√üen.

In meinem vorangehenden Blog-Artikel habe ich √ľber √Ąhnlichkeiten in der Taktik und der Strategie von Herrn Trump und Frau Merkel geschrieben. An meiner Einsch√§tzung hat sich nichts ge√§ndert. Aber meine Ausf√ľhrungen bezogen sich auf die deutsche Innenpolitik, nicht auf die weltpolitische Lage.

Aus gegebenen Anlass (siehe oben) möchte ich klarstellen:

Es mag noch so viele Trump-Merkel-Parallelen geben, aber die amtierende Bundeskanzlerin ist weder infantil noch narzisstisch noch gr√∂√üenwahnsinnig. Sie zwitschert nicht. Sie schwadroniert nicht. Sie ist Physikerin. Und sie behandelt andere nicht herabw√ľrdigend, nur weil sie Mexikaner, Muslime oder Afroamerikaner sind. Sie verbreitet keine dreisten L√ľgen, und sie droht nicht anderen L√§ndern, sie zu vernichten.

Ich denke, Angela Merkel hat eine Menge f√ľr unser Land und Europa geleistet. Aber in den letzten Jahren sind ihr einige „fatal errors“ unterlaufen, auch wenn sie dies nicht zugeben mag. Nicht zuletzt dadurch kam es zur bisher gr√∂√üten Wahlniederlage der CDU und zum beispiellosen Siegeszug der AfD, der unsere Republik schon jetzt dramatisch ver√§ndert.

Das alles w√§re nicht passiert, wenn bei uns – wie in anderen L√§ndern – die Amtszeit des Regierungschefs auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt w√§re. Dar√ľber sollten unsere Spitzenpolitiker nachdenken, sich verst√§ndigen und zeitnah handeln.

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Trump und Merkel

oder: Die Vergänglichkeit allen Strebens

 

In der Grand Old Party brodelt es. Noch wagen die meisten es nicht, offen den R√ľcktritt der Nummer eins zu fordern. Noch nicht. Aber sie fragen sich: Wie konnte jemand Nummer eins in unserer Partei werden, der urspr√ľnglich gar nicht zu uns geh√∂rte, der in jungen Jahren auf der anderen Seite stand?¬†Wie konnte es passieren, dass dieser Mensch¬†systematisch s√§mtliche Rivalen abservierte? Vertritt diese Nummer eins √ľberhaupt die Werte, f√ľr die unsere Partei immer stand?

Ich spreche von der CDU und ihrer Vorsitzenden. Klar, auf den ersten Blick scheinen Trump und Merkel nicht viel gemeinsam zu haben.¬†Bez√ľglich Sozialisation, Bildung, Lebensweise und vermutlich auch IQ gibt es gro√üe Unterschiede. Dennoch, es gibt eine Menge Parallelen. Vor allem: Beide sind sehr schlau, wenn es um das Erringen und Erhalten von Macht geht.

In seinem legend√§ren Werk „G√∂del, Escher, Bach“ definiert Douglas R. Hofstadter die folgenden acht Eigenschaften als Voraussetzungen f√ľr Intelligenz:

  • sehr flexibel auf die jeweilige Situation reagieren
  • g√ľnstige Umst√§nde ausn√ľtzen
  • aus mehrdeutigen oder kontradiktorischen Botschaften klug werden
  • die relative Wichtigkeit verschiedener Elemente in einer Situation erkennen
  • trotz trennender Unterschiede √Ąhnlichkeiten zwischen Situationen finden
  • trotz √Ąhnlichkeiten, die sie zu verbinden scheinen, zwischen Situationen unterscheiden k√∂nnen
  • neue Begriffe herstellen, indem man alte Begriffe auf neuartige Weise zusammenf√ľgt
  • Ideen haben, die neuartig sind.

Und nun stellen Sie sich bitte vor, Sie h√§tten eine wichtige Position zu besetzen und auf der Liste der Bewerber st√ľnden Donald Trump und Angela Merkel. Lachen Sie nicht, denn genau das ist unser Job als W√§hlerin und W√§hler. Pr√ľfen Sie, inwieweit die beiden Kandidaten die obigen Voraussetzungen erf√ľllen. Und wenn Sie schlau im Sinne des f√ľnften Kriteriums „trotz trennender Unterschiede“ sind, stellen Sie fest: Ja, es gibt √Ąhnlichkeiten.

Beim heutigen Deutschlandtag der Jungen Union gab es f√ľr Frau Merkel¬†R√ľcktrittsforderungen und Applaus. Die Kanzlerin stellte – wen wundert es? – wieder einmal ihr Konzept als alternativlos dar. Diesmal tr√§gt es den Namen Jamaika. Ich sage, Jamaika ist ziemlich weit weg von Berlin. Und es gibt durchaus Alternativen; es k√§me auf einen Versuch an. Why not?

P. S.: Was bei Trump, Merkel und auch Hofstadter zu kurz kommt, ist die Lebensklugheit, die praktische Philosophie. Es fehlt das neunte Kriterium:

  • nicht nur wissen, dass alles verg√§nglich ist, sondern es sich jeden Tag bewusst machen: Irgendwann werde ich sterben, vielleicht schon morgen; und irgendwann wird ein anderer meinen Job machen.
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SPD++

… unter diesem Label hat sich eine neue Initiative innerhalb der SPD formiert.¬†Genaueres erf√§hrt man in dem SPIEGEL-bento-ArtikelDiese Frau will die SPD revolutionieren‚ÄĚ. Verena Hubertz ist 29 Jahre alt, Start-Up-Unternehmerin, seit 2009 Mitglied der SPD und aus meiner Sicht ein Mensch mit herausragender¬†Projektintelligenz.

In dem Artikel gibt es unter anderem ein Balkendiagramm, in welchem die Gesamtheit der SPD-Mitglieder analysiert wird – bez√ľglich Alter, Geschlecht, Schulbildung und Beruf. Die √úberschrift dazu lautet: „So alt ist die SPD‚ÄĚ. Noch treffender w√§re: „So verbeamtet ist die SPD‚ÄĚ. Denn, man glaubt es kaum, in der SPD kommen heute¬†auf zwei Arbeiter f√ľnf Beamte bzw. √∂ffentlich Bedienstete.

Wer diese Zahlen liest, dem dämmert ganz allmählich, warum es unter den organisierten Sozialdemokraten so wenig Begeisterung, Pioniergeist und Mut zur Veränderung gibt. Etwas zugespitzt gesagt: In der SPD findet man zur Zeit vorzugsweise alte, fantasielose, beamtete Männer mit Abitur.

Die Initiative SPD++ findet inzwischen immer mehr Zustimmung innerhalb der Partei, beispielsweise durch die Ministerpr√§sidentinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig. Ebenso durch die Schriftstellerin Juli Zeh, deren Analyse der Bundestagswahlergebnisse ziemlich genau dem entspricht, was ich in den lap-land-Artikeln vom 20.9., 23.9. und¬†25.9.¬†und zum Ausdruck gebracht habe. Hier ein Auszug aus Frau Zehs SPIEGEL-Online-Artikel √ľber die Zukunft der SPD, der¬†gestern erschienen ist, und zwar unter der knuffigen √úberschrift „Alte Tante, rette uns!‚ÄĚ:

Seit dem Wahlsonntag fragen sich die Talkrunden, was Martin Schulz falsch gemacht habe. Kaum jemand fragt nach Angela Merkels verlorenen Prozentpunkten. Dabei war die Bundestagswahl 2017 keine schwarze Stunde der Sozialdemokratie, sondern ein Schlag ins Gesicht aller Volksparteien.

Ich w√ľnsche den jungen, fantasiereichen, nicht beamteten Frauen von SPD++ ganz viel Erfolg. Ob mit oder ohne Abitur.

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Ausatmen

Ausatmen. Loslassen. Jeder, der einmal zu meditieren versucht hat, weiß, wie wichtig hierbei der Atem und speziell das Ausatmen ist.

Ich bin froh, dass das Bundestagswahlfieber vorbei ist. Zu viel Aufgeregtheit und Hektik bedeutet Stress, oder genauer: Distress. Irgendwann stellst du fest, du musst den Akku wieder aufladen. Du sehnst dich nach Bewegung unter freiem Himmel, nach Musik und Kontemplation.

In der vergangenen Woche habe ich sonnig-herbstliche Tage im Schwarzwald erlebt, gestern Abend dann ein großartiges Konzert in der Martin-Luther-Kirche Bad Neuenahr. Die Evangelische Kantorei hatte zur Geistlichen Abendmusik eingeladen, diesmal mit dem Leitmotiv

Verleih uns Frieden.

Jedesmal, wenn ich die Verse Martin Luthers h√∂re – „Es ist doch ja kein andrer nicht,¬†der f√ľr uns k√∂nnte streiten,¬†denn du, unser Gott, alleine“¬†-, habe ich einen Klo√ü im Hals. In den Zeiten von Trump-Kim-Erdogan ist es nicht besser geworden. Und mir kommen die Verse der Rolling Stones in den Sinn: „Well what can a poor boy do¬†except to sing for a rock ’n‘ roll band“.

Ja, es gibt ein Trio, das mir lieber ist als¬†Trump-Kim-Erdogan, drei Musikanten mit R√ľckgrat und voller Leidenschaft:

  • Martin¬†Luther, der – so hei√üt es – gesagt hat, er werde heute¬†noch ein Apfelb√§umchen pflanzen, wenn er w√ľsste, dass morgen die Welt unterginge
  • der Kabarettist und Liedermacher Hanns Dieter H√ľsch¬†und
  • Mick Jagger.

Wieso H√ľsch? Nun, von ihm stammt der Text des Liedes, mit dem gestern die Geistliche Abendmusik in Bad Neuenahr zu Ende ging:

Ich bin vergn√ľgt, erl√∂st, befreit.

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Why not?

 

Neuer Bundesminister f√ľr Schule, Hochschule und Forschung:

 

 

 

 

 

 

Im √úbrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien f√ľr Schule abgeschafft werden m√ľssen.

Bildquellen:
Gabriel: Wikimedia; Olaf Kosinsky / kosinsky.eu
Lindner: Olaf Kosinsky (wikiberatung.de) Lizenz: CC BY-SA 3.0via Wikimedia Commons
Göring-Eckardt: Wikimedia; Stephan Röhl
Bartsch: Wikimedia; Blömke/Kosinsky/Tschöpe
Habeck: Wikimedia; Robert Habeck, 14. Januar 2012, eigenes Werk
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Deserteur Schulz

In meinem Artikel „Wahlkampf-Mathematik 2017“ vom 20. September hatte ich die Werte der Forsa-Prognose vom 19.9. in der folgenden Form visualisiert (die beiden Parteien CDU und CSU als schwarzer Block, die drei Parteien SPD, die Linke und die Gr√ľnen als roter Block):

 

(Anmerkung: Im schwarzen Block lauten die korrekten Werte 29,6% bzw. 6,4% statt 27,6 bzw. 8,4; siehe Korrektur-Vermerk vom 24.9. am Ende des oben genannten Artikels.)

Anschließend hatte ich folgende Prognosen gewagt:

  • F√ľr Schwarz-Gelb wird es nicht reichen (das sagen ohnehin die meisten).
  • Die schwarze S√§ule wird kleiner sein als in dem obigen Diagramm; insbesondere wird die CDU auf weniger als 27% kommen.
  • Die blaue S√§ule wird deutlich gr√∂√üer sein, dank Altmaier & Co.. Also: 13% f√ľr die AfD, plus/minus 3%.
  • Wenn die Roten und die Gelben sich nicht allzu leicht von den Schwarzen √ľber den Tisch ziehen bzw. sich gegeneinander ausspielen lassen, wird es in K√ľrze keine Kanzlerin Merkel mehr geben.

 

Inzwischen liegt das vorläufige Ergebnis der gestrigen Bundestagswahl vor. Wenn man die Zahlen auf die gleichen Weise visualisiert wie im obigen Diagramm, dann ergibt sich das folgende Bild:

 

Wie Sie sehen, waren meine Prognosen vom 20.9. ausnahmslos richtig.

Die Bundestagswahl 2017 hat dramatische Ver√§nderungen in der Gewichtsverteilung der politischen Parteien unseres Landes gebracht. Wenn man im Endergebnis-Diagramm die gr√ľnen Werte („Prozentuale Ver√§nderungen“) betrachtet, stellt man fest, im Vergleich zu 2013

  • hat die AfD ihren Stimmenanteil fast verdreifacht und damit ihren Einzug ins Bundesparlament geschafft
  • hat die FDP ihren Wert mehr als verdoppelt und ist nun ebenfalls wieder im Bundestag vertreten
  • musste der rote Block eine Verminderung um knapp 10% hinnehmen, w√§hrend
  • der schwarze Block die mit Abstand gr√∂√üten Verluste (ein Minus von mehr als 20%) verzeichnet; die CSU erzielte den schlechtesten Wert seit Bestehen der Bundesrepublik und √ľberwand nur mit M√ľhe die F√ľnf-Prozent-H√ľrde – ein Desaster f√ľr Angela Merkel, die Chefin des schwarzen Blocks.

Und was macht Martin Schulz? Der Mann der von Februar an bis vorgestern, also f√ľnf Monate lang, gesagt hat, er wolle Bundeskanzler werden, der F√ľhrer der SPD, der √§ltesten und traditionsreichsten deutschen Partei, geht vor die Kameras und verk√ľndet: Die SPD geht in die Opposition. Um es mit den Worten von Wolfgang Kubicki zu sagen: Die SPD macht sich vom Acker.

Was ist das denn? Beschränktheit? Feigheit?

Die Kanzlerin erleidet eine vernichtende Niederlage, und der SPD-Chef, der jetzt Kanzler werden k√∂nnte (siehe oben: Rot plus Gelb), der nicht Mitglied der abgew√§hlten Regierung war und die historische Chance f√ľr einen Neuanfang in Deutschland h√§tte, sagt: Wir haben verloren. Er desertiert.

Lindner kann’s nicht glauben, Kubicki nicht, G√∂ring-Eckardt und √Ėzdemir sind verdattert. Ich auch.

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Worst Case GroKo

GroKo – das gro√üe Kotzen. Keiner sagt es so drastisch und laut, aber gef√ľhlte 95 Prozent der Deutschen sehen es so. Sie empfinden manche Wahlkampf-√Ąu√üerungen f√ľhrender GroKo-Repr√§sentanten als gro√ükotzig. Wasser auf die M√ľhlen der Parteien, die jetzt noch in der Opposition sind. Bis morgen Abend.

„Opposition ist Mist‚ÄĚ – Worte des ehemaligen SPD-Vorsitzenden M√ľntefering. Ich sage: Wenn die SPD nach dieser Wahl weder in der Lage ist, den Kanzler zu stellen, noch bereit ist, in die Opposition zu gehen, dann ist das mehr als Mist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Es w√§re die Selbstentleibung der SPD. Und bedrohlich f√ľr unsere Republik.

Fassen wir zusammen:

  • Die sogenannte „Gro√üe Koalition‚ÄĚ der vergangenen Jahre war nie gro√ü. Vielmehr ein Zweckb√ľndnis von drei (nicht zwei!) deutschen Parteien, die sich gegenseitig Budgets und P√∂stchen zugeschoben haben: CDU, CSU und SPD. Keine von ihnen ist zur Zeit eine Volkspartei, allenfalls die CSU in Bayern.
  • Im neuen Deutschen Bundestag wird es vermutlich sieben Parteien geben und wegen der √Ąchtung der AfD und der partiellen √Ąchtung der Linken nur drei M√∂glichkeiten einer Regierungsbildung:
    – Neuauflage des 3-Parteien-Arrangements mit der euphemistischen Bezeichnung „GroKo‚ÄĚ – falls die SPD sich f√ľr den Suizid entscheidet
    – eine 4-Parteien-Regierung „Jamaika‚ÄĚ (CDU, CSU, FDP, Gr√ľne) – falls die Gr√ľnen voll auf Risiko gehen
    – eine 4-Parteien-Regierung „Rot-Gelb‚ÄĚ (SPD, Linke, Gr√ľne, FDP) – vorausgesetzt, Linke und Gr√ľne kapieren endlich, dass sie die alte Tante SPD genauso brauchen wie die CSU die gro√üe Schwester CDU; d. h. sie durchschauen den Teile-und-herrsche-Trick des „Schwarzen Blocks‚ÄĚ, der seit Jahrzehnten – mit Unterst√ľtzung der Medien – verhindert, dass SPD, Gr√ľne und Linke zu ihren gemeinsamen Wurzeln stehen und sich¬†als „Roten Block“ ¬†begreifen (siehe S√§ulendiagramm in „Wahlkampf-Mathematik 2017‚ÄĚ), in dem die sachlichen Differenzen meist geringer sind als im Schwarzen Block.

Morgen Abend wissen wir mehr.¬†Schau’mer mal.

Fotos: Wikimedia
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Sch√ľlerin Gretchen an Partei XY: „Wie h√§ltst du’s mit der Bildung?“

Im gestrigen web.de-Artikel „Welche Themen entscheiden den Wahlkampf?‚Ä̬†wird von einer infratest-dimap-Umfrage berichtet:

Wenn man den Zahlen glaubt, entscheidet sich die Bundestagswahl 2017 in der Bildungspolitik. In einer Umfrage von infratest dimap haben k√ľrzlich 64 Prozent der Befragten angegeben, dieses Thema sei f√ľr sie sehr wichtig, es ist der h√∂chste Wert ‚Äď noch vor Terrorismus, Kriminalit√§t und Rente.

Ist das nicht lustig? St√§ndig versuchen uns irgendwelche Leute einzureden, Bildung sei nicht Sache des Bundes, sondern der L√§nder. Aber zwei Drittel der W√§hlerinnen und W√§hler sehen das v√∂llig anders. Sie wollen, dass Bildung endlich zur Chefsache gemacht wird (vgl. Artikel „Wen w√§hlen?“ vom 13.9.2017).¬†Damit z. B. ihre Kinder nach einem Umzug in ein anderes Bundesland nicht mit v√∂llig neuen Schultypen, Lehrpl√§nen und Abitur-Wertungen zu k√§mpfen haben.

F√ľr alle, die immer noch nicht wissen, bei welcher Partei sie am Sonntag ihr Kreuzchen machen werden: Einen guten √úberblick √ľber die Positionen der Parteien¬†bez√ľglich Bildung bietet ein SPIEGEL-Artikel von Armin Himmelrath.

Im √úbrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien f√ľr Schule abgeschafft werden m√ľssen.

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Wahlkampf-Mathematik 2017

Nehmen wir einmal an, am kommenden Sonntagabend sähe das Ergebnis der Bundestagswahl folgendermaßen aus:

 

Sie lachen? Aber das sind exakt die Zahlen der neuesten Forsa-Prognose (19.9.). Ich habe mir nur erlaubt, die Daten auf eine neue, pragmatische Weise zu visualisieren, und zwar habe ich

  • im schwarzen Block den prozentualen Anteil der CSU kenntlich gemacht¬†(denn die Union ist keine Partei, sondern eine Fraktionsgemeinschaft im Bundestag; die obigen 8,4% ergeben sich rechnerisch aus¬†dem¬†endg√ľltigen Ergebnis der Bundestagswahl 2013, wo korrekterweise CDU und CSU getrennt aufgef√ľhrt werden) und
  • die drei Mitte-Links-Parteien (SPD, die Linke, die Gr√ľnen) zu einem roten Block zusammengefasst.

Das seit Jahrzehnten „√ľbliche“ (warum eigentlich?) Verfahren – n√§mlich schwarz/Union, rot/SPD, violett/Linke usw. – halte ich f√ľr v√∂llig √ľberholt und wettbewerbsverzerrend.¬†Schon am 1.5.2016 habe ich in meinem Artikel „Der Finanzminister als M√§rchentante“ darauf hingewiesen: Die Nichtw√§hler bilden heute die einzige Volkspartei in Deutschland¬†(vgl. S√ľddeutsche, 23.9.2013).

Wenn ich Martin Schulz w√§re, w√ľrde ich noch heute Abend vor die Kameras und Mikrofone treten und erkl√§ren:

„Frau Merkel hat ja k√ľrzlich die SPD aufgefordert, klipp und klar zu sagen, mit wem sie bereit ist zu koalieren. Und mit wem nicht, wobei die CDU-Vorsitzende speziell an die Linke gedacht hat.
Allen W√§hlerinnen und W√§hlern sage ich hier und heute: Die SPD steht in der n√§chsten Legislaturperiode f√ľr eine Koalition mit der CDU und/oder der CSU nicht zur Verf√ľgung. Das Gleiche gilt f√ľr die AfD. Punkt“.

Warum eiern Herr Schulz und all die anderen Spitzenpolitiker so herum in der Frage m√∂glicher B√ľndnisse? Was glauben sie denn, wie sie √ľberhaupt eine Regierungsmehrheit zustande bringen k√∂nnen – bei mehr als 30% Nichtw√§hlern und 15-20% der Stimmen f√ľr AfD und sonstige Parteien?

Wieso finden Leute wie Herr Altmaier es so originell, die AfD und ebenso die Linke total auszugrenzen? Und das mit konstanter B√∂swilligkeit.¬†Was ist das f√ľr ein Demokratieverst√§ndnis, welche Arroganz, zu sagen: Besser nicht w√§hlen als einer dieser beiden Parteien seine Stimme zu geben? Ich vermute, daf√ľr wird es am Wahlabend eine Quittung geben, und einigen der beh√§big-selbstzufriedenen „Strategen“ wird es die Sprache verschlagen.

Hier ist meine persönliche Wahlprognose:

  • F√ľr Schwarz-Gelb wird es nicht reichen (das sagen ohnehin die meisten).
  • Die schwarze S√§ule wird kleiner sein als in dem obigen Diagramm; insbesondere wird die CDU auf weniger als 27% kommen.
  • Die blaue S√§ule wird deutlich gr√∂√üer sein, dank Altmaier & Co.. Also: 13% f√ľr die AfD, plus/minus 3%.
  • Wenn die Roten und die Gelben sich nicht allzu leicht von den Schwarzen √ľber den Tisch ziehen bzw. sich gegeneinander ausspielen lassen, wird es in K√ľrze keine Kanzlerin Merkel mehr geben.

 

24.9.2017 Korrektur:
Bei der obigen Berechnung des prozentualen Anteils der CSU am Gesamtwert des schwarzen Blocks ist mir ein Fehler unterlaufen.¬†Aus den endg√ľltigen Ergebnissen der Bundestagswahl 2013 wurde statt der Zweitstimmen-Zahl f√§lschlich die Zahl der Mandate als Grundlage genommen. Deshalb lauten die richtigen Einzel-Werte im schwarzen Block: 29,6% bzw. 6,4% statt 27,6 bzw. 8,4. Der Gesamtwert 36% bleibt dabei selbstverst√§ndlich unver√§ndert.¬†

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