Weg mit dem Azubimangel! Her mit der Pflicht zum Sozial- oder Wehrdienst!

„Weg mit …“. Den ungek√ľrzten p√∂belhaften Titel der neuesten SPIEGEL-Kolumne von Margarete Stokowski („Wir m√ľssen √ľber Penisse reden …“) haben Sie vielleicht schon gesehen. Jedenfalls fand ich die Kolumne anregend, auch im Hinblick auf den vorliegenden Artikel.

Aber statt Sie mit Scherzen √ľbers Rohrverlegen zu langweilen, frage ich Sie: Was machen Frau Stokowski und all die anderen Sozial- und Geisteswissenschaftler, wenn nach einem Wasserrohrbruch die Wohnung √ľberflutet ist¬†und tats√§chlich ein neues Rohr verlegt werden muss? Und¬†wenn wochenlang kein Handwerker, ob mit oder ohne Penis, verf√ľgbar ist, der den Schaden beheben kann?¬†Wir m√ľssen √ľber Azubimangel reden.

Beim diesj√§hrigen¬†Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK)¬†in D√ľsseldorf werde ich in den Ring steigen. Schwerpunkt wird dort eines¬†meiner Lieblingsthemen sein,¬†der¬†Azubi- und Fachkr√§ftemangel mit seinem siamesischen Zwilling¬†Akademisierungswahn. Nicht zuletzt deshalb verfolge ich nach wie vor die Neuigkeiten zu diesem Thema.¬†In einem aktuellen SPIEGEL-Artikel wird der 24-j√§hrige Max Geithner zitiert:

Viele wissen nach dem Abi nicht, was sie beruflich machen wollen, deswegen gehen sie erst einmal studieren.

Wie kann das sein? Unsere Jugendlichen werden zum Abi geschoben und zur Uni getragen. Sie¬†werden geh√§tschelt, alle Steine werden aus dem Weg ger√§umt, die T√§ler gef√ľllt und die Berge geebnet (Lukas 3,1-18), als sei jeder von ihnen ein Messias, auf den die Welt gewartet hat.

Sie fliegen nach Australien, langweilen sich und wissen nicht, was sie wollen. Deshalb „gehen sie erst einmal studieren“ – inzwischen sind es mehr als¬†500.000 jedes Jahr.¬†Und die Eltern von circa 200.000 dieser Hoffnungstr√§ger wundern sich etliche Jahre sp√§ter, dass der Sohn oder die Tochter das Studium abbricht und mit 23 Jahren als Azubi anheuert – wie etwa der oben erw√§hnte Max Geithner.

Was soll diese gigantische Zeit- und Geldverschwendung? Wenn 200.000 junge Leute pro Jahr nach durchschnittlich zwei Jahren ihr Studium abbrechen, werden dadurch j√§hrlich Steuergelder in H√∂he von circa 4 Milliarden Euro verballert. K√∂nnte man das Geld nicht besser in marode Schulen und √ľberlastete Kitas investieren?

Auf der anderen Seite lesen wir, z. B. im oben zitierten SPIEGEL-Artikel, auf welch lächerliche Weise sich mittlerweile Handwerksbetriebe jungen Leuten anbiedern, damit diese endlich Interesse an einer Berufsausbildung zeigen. Ich schlage vor, den Spieß umzudrehen. Oder nennen wir es

Umkehr der Beweislast.

Nicht die Hochschulen und Betriebe m√ľssen den Beweis erbringen, dass sie gut genug sind f√ľr die Schulabg√§nger, sondern diese m√ľssen beweisen, dass sie es wert sind,¬†Milliarden in ihre akademische Laufbahn zu investieren.

Konkret könnte das so aussehen:

  • Wiedereinf√ľhrung der Wehrpflicht, die immer noch im Grundgesetz verankert ist (siehe:¬†Statement von Helmut Schmidt, ZEIT, 15.12.2010)
  • jeder junge Mensch kann statt in der Bundeswehr auch im Sozial- oder Gesundheitswesen diese Pflicht erf√ľllen
  • in jedem Fall wird am Ende der Pflichtzeit ein Arbeitszeugnis ausgeh√§ndigt, in dem die gezeigten Kompetenzen und Leistungen beschrieben sind
  • der Staat sorgt in den genannten Bereichen f√ľr ein ausreichendes Angebot an Azubi-Stellen, d. h. durch zeitliche Verl√§ngerung des Wehr- oder Sozialdienstes ist ein Berufsabschluss m√∂glich
  • umgekehrt wird die Pflichtzeit verk√ľrzt, wenn der junge Mensch eine Berufsausbildung in einem IHK- oder Handwerksbetrieb durchl√§uft
  • Zulassungsvoraussetzung f√ľrs Studium ist neben dem Hochschulreifezeugnis ein Arbeitszeugnis.
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Nachtrag zu „GroKo IV – hier denkt und lenkt der √∂ffentliche Dienst“

Der prominente Gr√ľnen-Politiker¬†Boris Palmer¬†hat gestern bei einer Diskussion in K√∂ln den Inhalt meiner Thesen vom vorgestrigen lap-land-Artikel¬†unmissverst√§ndlich untermauert.

Palmer ist selbst Staatsbediensteter. Aber anders als seine zahlreichen Parteifreunde im Staatsdienst – es sind knapp 30.000 von gut 60.000 GR√úNEN-Mitgliedern – kritisiert er offen die v√∂llig √ľberzogenen Privilegien der deutschen Beamten. Er nennt unter anderem zwei Punkte, die auf der Tagesordnung der aktuellen GroKo-Gespr√§che stehen: Krankenversicherung („Beihilfe“) und Altersversorgung (Pension eines Bundesbeamten: 3030 Euro im Durchschnitt, gegen√ľber 1096 Euro bei der¬†gesetzliche Altersrente; bei Frauen sind es 665 Euro (!)).

Weitere Details zu den Palmer-Statements finden Sie auf BILD-Online.

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GroKo IV Рhier denkt und lenkt der öffentliche Dienst

Die WELT bringt heute einen kritischen Kommentar von Robin Alexander, der mich regelrecht elektrisiert hat. Gleich zu Beginn liest man:

Die GroKo ist die neue Norm geworden. In ihr finden keine unterschiedlichen Milieus und Weltanschauungen zusammen ‚Äď sondern konkurrierende Funktion√§rsgruppen, welche die Perspektive des √∂ffentlichen Dienstes teilen.

Wir alle glauben, in einer¬†repr√§sentativen Demokratie¬†zu leben.¬†Dass aber im Bundesparlament die Berufsgruppen unseres Volkes keineswegs angemessen repr√§sentiert sind, fasste schon vor circa drei√üig Jahren der damalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff so zusammen: „Der Bundestag ist mal voller, mal leerer – aber immer voller Lehrer.“

2013 saßen im Deutschen Bundestag
– 2 Arbeiter, das entspricht 0,3% aller Abgeordneten, und
– 150 Staatsbedienstete (Beamte bzw. Angestellte im √Ėffentlichen Dienst), das sind fast 25% der Abgeordneten.

Zum Vergleich die entsprechenden Bevölkerungsanteile:
– 26,2% Arbeiter (Stand 2011)
– 13,6% Staatsbedienstete (aktueller Stand).

Noch aufschlussreicher ist die Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften (Stand 31.12.2016, AfD-Zahlen liegen nicht vor):
– Arbeiter: CDU 7%, CSU 9%, SPD 16%, FDP 3%, DIE LINKE 19%, GR√úNE 4%
– Staatsbedienstete: CDU 31%, CSU 30%, SPD 42% (!), FDP 27%, DIE LINKE 34% (!), GR√úNE 45% (!!).

Fazit:

  • Das Handeln eines Gro√üteils der heutigen Politiker basiert auf Beamtendenken. Arbeitslosigkeit, Unterbezahlung oder Altersarmut kennen diese Frauen und M√§nner, wenn √ľberhaupt, nur vom H√∂rensagen.
  • Wenn Sie Arbeiter, Angestellter oder Freiberufler sind, sollten Sie nicht nur w√§hlen gehen. Sie sollten in eine politische Partei eintreten und den Laden aufmischen. Bringen Sie ruhig noch ein paar Bekannte mit, die ebenfalls keine Staatsbediensteten sind.
  • Eine „√úberwindung des¬†Eltern in den Wahnsinn treibenden Bildungsf√∂deralismus“ ¬†(Zitat aus dem oben erw√§hnten WELT-Kommentar) ist auch von der n√§chsten GroKo nicht zu erwarten. Denn warum sollten beamtete Politiker sich f√ľr die Abschaffung s√§mtlicher Landes-Schulministerien einsetzen?

Meine Einstellung zum letzten Punkt ist Ihnen ja bestens bekannt …

… Im √úbrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien f√ľr Schule abgeschafft werden m√ľssen.

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Sollen wir sie wirklich retten?

Wie lange wird es Frau Merkel noch machen? Eine ziemlich langweilige Frage zu Beginn des neuen Jahres, verglichen mit einer, die selten gestellt wird:

Wie lange wird es die Gattung Mensch noch machen?

Dieses Auslaufmodell, das sich selbst den Titel „sapiens“ verliehen hat, obwohl eine wachsende Anzahl der jetzt existierenden Exemplare immer schneller und bekloppter an dem Ast s√§gt, auf dem alle sitzen. Selbst „erectus“ w√§re in den meisten F√§llen gelogen.

Noch seltener stellt irgendjemand die Frage: W√§re es denn schlimm¬†f√ľr die Erde, wenn es auf ihr keine Menschen mehr g√§be? Diese Sch√§dlingsart, die den Planeten innerhalb k√ľrzester Zeit zugrunde gerichtet hat?¬†Sollen wir sie wirklich retten?

Was meinen Sie, wie viel Zeit und Geld sollte Ihr Nachbar investieren, um eine rasant wachsende Population von Kakerlaken in seiner Wohnung am Leben zu halten? Das Problem ist, Sie und ich sehen uns stets in der Rolle des Wohnungseigent√ľmers bzw. des Nachbarn. Aber wir sind die Kakerlaken. Der Eigent√ľmer ist eine¬†Schildkr√∂te namens Gaia.

Die folgende Geschichte macht den globalen Schla­mas­sel etwas deutlicher und Ihre innere Einstellung dazu hoffentlich etwas lockerer.

Ein Mann erscheint auf der Polizeiwache. ‚ÄěMeine Frau ist seit Tagen verschwunden. Ich m√∂chte sie als vermisst melden‚Äú. Darauf der diensthabende Polizist: ‚ÄěHaben Sie ein Foto?‚Äú Der Mann gibt ihm ein Foto. Der Polizist schaut auf das Bild, er schaut seinen Kollegen an, der sieht sich auch das Bild an, sie schauen sich beide an. Die Dame auf dem Foto ist abgrundtief h√§sslich. Schlie√ülich wendet sich der zweite Polizist an den Besitzer des Fotos:¬†‚ÄěSollen wir sie wirklich suchen?‚ÄĚ

Allen Gender-Expert(inn)en mit nur bedingt lockerer Einstellung empfehle ich die glutenfreie, humorreduzierte Version:¬†Ein menschliches Wesen erscheint auf der/dem Polizeiwach(e). ‚ÄěMein(e) Lebenspartner(in) ist …“¬†

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Lappland, Rentier, Weihnachtsmann

Zu wenig Kohle, Schotter, Knete? Zu wenig Schnee?

Auf nach Lappland.

 

 

 

 

 

Rentiere können sehr schnell sein.

 

 

 

 

 

 

 

Aber ein Roller tut’s auch.

 

 

Allen lap-land-Fans und ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest.
Und guten Rutsch!
😎

 

 

 

Fotos:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abisko_Nationalpark_3.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spitsbergen_reindeer01.jpg?uselang=de
Frank Schwichtenberg,
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Santa_Claus_BMW_01.jpg?uselang=de
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Gefeuerte Trainer, verblödete Spieler

Fußball. Es fängt fast immer ganz harmlos an. Ein paar Jungs und Mädels, sechs oder sieben Jahre alt, laufen auf einer Wiese einem Ball hinterher. Sie rennen, rangeln, kämpfen um den Ball und haben einen Heidenspaß dabei.

Aber wehe, es ist einer dabei, der hundertmal besser ist als die anderen. Besser beim Dribbeln, P√§sse schlagen, Tore schie√üen. Dann h√∂rt der Spa√ü sehr bald auf. Die gro√üe GeldMachtGier-Maschine streckt ihre F√ľhler aus, die ersten „Dealer“ tauchen auf und der Teufelskreis beginnt: Ego statt Kameradschaft, brutale Fouls statt Fairness, Vermarktung und Menschenhandel statt Freiheit und Autonomie.

 

Bildung, Charakter, Sportsgeist – wen interessiert das noch?

Im Sportsgeist vereinen sich K√∂rper, Geist und Seele des Menschen, es geht um die Wahrheit und Echtheit der Aus√ľbung des Sports.

Diese Definition findet man bei¬†netzathleten.de; dahinter steckt MairDumont Netletix, ein Joint Venture von¬†RTL Deutschland und der Verlagsgruppe MairDumont.¬†Alles klar? W√§hrend Naivlinge wie ich bei „K√∂rper, Geist & Seele“ an Charakterbildung im Sinne der Projektphilosophie-Uhr denken, haben diese Experten f√ľr Sportsgeist schlicht „Profit, Profit & Profit“ im Sinn.

Nils Petersen, St√ľrmer beim SC Freiburg, hat k√ľrzlich in einem FOCUS-Interview¬†das Elend der Fu√üballgladiatoren sehr treffend beschrieben:

Manchmal sch√§me ich mich, weil ich so wenig Wissen von der Welt besitze. (…)¬†Ich habe nichts gelernt, keine Ausbildung gemacht (…) Salopp gesprochen, verbl√∂de ich seit zehn Jahren, halte mich aber √ľber Wasser, weil ich ganz gut kicken kann.

Profifu√üball-Trainer werden inzwischen in immer k√ľrzeren Abst√§nden entlassen. Wieso eigentlich? So unf√§hig k√∂nnen all die gefeuerten Ancelottis, St√∂gers und Bosz’s doch nicht sein. Der Spieler Petersen gibt uns den entscheidenden Hinweis.¬†Die jungen Stars sind in Sachen

Bildung

und Charakter schlicht unterbelichtet. Sie werden gehätschelt, manipuliert, korrumpiert. Sie kommen mit ihren Protz-Schlitten verspätet zum Training und glotzen auf ihre Smartphones, statt dem Chefcoach zuzuhören, denn sie wissen: Der kassiert nicht halb so viel Kohle im Monat wie sie.

 

Tipp eines alten Philosophen: Sapere aude

Was macht ein junger, reicher Sportprofi, wenn er eines Tages f√ľnfzig ist? Ist er dann immer noch reich? Und ungebildet? Der f√ľnfzigj√§hrige, hoch verschuldete Boris Becker kennt inzwischen die Antwort. Nils Petersen kennt sie heute schon – ein junger Fu√üballer, der den Mut hat, nachzudenken.¬†Ihm sollte man ein Denkmal setzen, nicht Ronaldo oder Maradona.

 

Foto: Derek Jensen; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Youth-soccer-indiana.jpg?uselang=de
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Schach – die ideale Spielkonsole f√ľr Kinder

Haben Sie schon einmal mit einem F√ľnfj√§hrigen Schach gespielt?¬†Genau das habe ich am vergangenen Samstag gemacht, und ich war wirklich von den Socken. So viel Spielfreude, Begeisterung und Ausdauer hatte ich bei meinem kleinen „Gegner“ nicht erwartet.

Nat√ľrlich hatte ich mich ein wenig vorbereitet auf diese spezielle Schach-Session. Bei meinen Internet-Recherchen fand ich zun√§chst einen Text, den ich hier gern weitergebe als

Buchtipp:
Jörg Sommer, Bernd Rosen: Hilfe, mein Kind spielt Schach!
Verlag: Chessgate, 142 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2005
ISBN-13: 978-3-935-74812-4

Auf der Verlagsseite des Buchs findet man eine Leseprobe. Darin hei√üt es im Abschnitt „Schach als Reifungsprozess“ (S. 27 f.):

Denn Schach ist kein Gl√ľcksspiel (…) Es gibt keine W√ľrfel, keine Zuf√§lle im Spiel. (…) Es gibt keine Entschuldigung. Hat man verloren, war der Gegner eben besser. Das zu akzeptieren f√§llt schwer. Kindern besonders.
Doch nun die gute Nachricht: Verlieren kann man genauso lernen wie Gewinnen. Und das macht Schach so wertvoll gerade f√ľr Kinder.

Das Schachspiel ist also keineswegs bloßes Intelligenztraining. Die Kinder lernen, sich zu konzentrieren, sich an Regeln zu halten und vor allem: auf spielerisch-kreative Weise stets neue Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Bei meinen Recherchen stie√ü ich ebenso auf¬†das¬†Projekt „Kinderschach in Deutschland“. Die¬†Projektidee wurde auf der Basis von Forschungsstudien entwickelt und dann an etlichen Kindertagesst√§tten umgesetzt. Mein Vorschlag an Sie und an alle Eltern, Erzieher und Lehrer:

Mehr Schach in der Familie, in den Kitas und Grundschulen.

Machen Sie den ersten Schritt, an einem der Advents- oder Weihnachtstage. Mit Ihrer kleinen Tochter, Ihrem Neffen oder Enkel.

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Korrespondierender Artikel: Der gefesselte Springer

 

Foto: Alan Light, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ChessSet.jpg?uselang=de
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Der betr√ľgerische Bankrott der CSU

Markus S√∂der, der neue „starke Mann“¬†der CSU, hat 2012 zum m√∂glichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone gesagt:

Irgendwann muss jeder bei der Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.¬†(SPIEGEL-ONLINE-Spr√ľcheliste, Nr. 6)

Ich sage heute, im Jahr 2017:

Irgendwann muss die CSU erwachsen werden und aus dem Hotel Mama-CDU ausziehen. Wann sind die Bayern endlich soweit?

Die Seehofers, Dobrindts und S√∂ders geben sich gern als gestandene bayrische Mannsbilder. Aber was sind das f√ľr Kerle? Immer, wenn’s drauf ankommt, schl√ľpfen sie unter den Rock von Mutti Merkel.

Schon Franz-Josef Strau√ü, der √úbervater der CSU, hat stets nur damit gedroht, aber er hat es nie gewagt: Mit der CSU √ľberall in Deutschland anzutreten – gegen CDU, SPD und all die anderen.

Die CSU ist nur noch ein Schatten fr√ľherer Tage. Sie m√ľsste Konkurs anmelden, aber sie verschleppt den Konkurs. Wie k√ľrzlich die Schlecker-Familie versuchen jetzt die CSU-Bankrotteure zu retten, was zu retten ist. Jeder f√ľr sich.

Aber irgendwann wird es der letzte Depp in M√ľnchen, Hamburg und Berlin, in der CDU, der SPD und bei den Gr√ľnen gemerkt haben:

  • Seit Seehofer hat die CSU unserer Republik, dem Land Bayern und der CDU mehr Schaden zugef√ľgt als Nutzen gebracht.
  • Die CSU-F√ľhrungsspitze ist heillos zerstritten.
  • Nichtsdestotrotz haben diese Leute die Kanzlerin herabgew√ľrdigt, den Deutschnationalen zum Aufstieg verholfen und zuletzt bei den Jamaika-Sondierungen st√§ndig quergeschossen.
  • 1983, vor der Wiedervereinigung, holte die CSU 10,6% der Zweitstimmen bei der Bundestagswahl. Jetzt sind es nur noch 6,2% – das mit Abstand schlechteste Ergebnis von allen sieben Bundestagsparteien.
  • Das Ganze wird weiterhin kaschiert durch die „schwarze S√§ule“ der CDU/CSU-Gesamtwerte bei allen Umfrage-Diagrammen. Die miesen CSU-Werte werden systematisch unterschlagen. Au√üer in lap-land.
  • Seehofer & Co. treten weiterhin auf, als w√ľrden sie nicht eine Splitterpartei, sondern eine Volkspartei vertreten. Sie ma√üregeln die SPD, die FDP, die Gr√ľnen und ebenso die CDU.
  • In Wirklichkeit haben die Riesenzwerge in der CSU-F√ľhrung die Hosen gestrichen voll. Denn sie wissen: Viele Bayern w√ľrden sofort die CDU w√§hlen, wenn das eines Tages m√∂glich w√§re. Umgekehrt w√ľrde kaum ein vern√ľnftiger Rheinl√§nder oder Mecklenburger seine Stimme der bayrischen Provinzpartei geben, wenn sie bei ihm antr√§te. Und die Unvern√ľnftigen haben l√§ngst eine f√ľr sie bessere Alternative f. D..

Die logische Konsequenz: Kenia minus CSU.

 

Foto: Dr. Markus Söder, eigenes Werk
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2509_Markus_Söder.jpg?uselang=de
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Kenia minus CSU …

… ist der Hit in Oliver Welkes „heute-show‚ÄĚ.

 

Bei 10:58 geht’s los in der¬†neuen Ausgabe der heute-show. Oliver Welke stellt das Modell¬†„Kenia minus CSU‚ÄĚ vor, womit wir rein rechnerisch eine neue Regierung mit klarer Mehrheit im Bundestag bek√§men. Und das Publikum applaudiert begeistert.

Ich muss neidlos anerkennen, dass Herr Welke seine Idee in der Sendung vom 1.12.2017 knackiger verkauft als ich die meine am 20.11.2017 (siehe „Projekt ORANGE‚ÄĚ). Dabei sind beide v√∂llig identisch. In meinem Artikel¬†wird lediglich etwas detaillierter der Weg zum Ziel beschrieben, aber dieses Ziel ist:¬†Kenia minus CSU.

Es freut mich sehr, dass die Leute von der heute-show dieses Modell einmal den Zuschauern um die Ohren hauen, obwohl bzw. gerade weil es nicht dem Mainstream-Denken entspricht. Denn diese Show wird zweifellos von vielen f√ľhrenden Politikern regelm√§√üig gesehen.

„Kinder, man wird doch noch tr√§umen d√ľrfen‚ÄĚ, sagt Welke zum Schluss.¬†Ich sage, besser Tr√§umer als Feigling und Verr√§ter ureigener √úberzeugungen.

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GroKo war gestern. Jetzt kommt die LoKo (Loser-Koalition).

Mein Vorschlag: Der Trainer von Holstein Kiel wird Coach in Berlin. F√ľr die Spitzenpolitiker von¬†Union und/oder SPD.

 

Quiz-Frage: Wer von den Unions-/SPD-Spitzenleuten hat k√ľrzlich gesagt:

Unsere Analyse nach einer Wahl richtet sich nicht danach, ob wir zus√§tzliche Prozentpunkte geholt haben. F√ľr uns geht es darum, ob die Vorgaben richtig umgesetzt wurden. Die Prozentpunkte kommen dann von ganz allein.

Die richtige Antwort lautet: keiner. Wenn Sie aber in dem obigen Zitat „Wahl“ durch „Spiel“ ersetzen sowie „Prozentpunkte“ durch „Punkte“, dann haben Sie ziemlich genau das, was der Fu√üballtrainer Markus Anfang in seinem heutigen SPIEGEL-Interview gesagt hat.¬†Der Coach schaffte vor einem halben Jahr mit Holstein Kiel den Aufstieg in die 2. Bundesliga, und ein Durchmarsch in die erste Liga ist nicht unwahrscheinlich.

Die LoKo-Verhandlungsf√ľhrer von CDU, CSU und SPD – den Verliererparteien der letzten Bundestagswahl – sollten also √ľberlegen, ob sie nicht Herrn Anfang f√ľr ein paar Wochen als Coach verpflichten. Kleiner Hinweis: Die Winterpause der 2. Bundesliga dauert vom 19. Dezember bis zum 23. Januar.

Der Mann aus Kiel k√∂nnte in Berlin das Schlimmste verh√ľten. Er br√§uchte dort sicher nur wenige Tage, um sein Erfolgsrezept zu vermitteln:

  • Ich versuche auch heute noch, meinen Spielern Spa√ü zu vermitteln. Das funktioniert am besten, indem ich nicht als Chef alles bestimme, sondern eine N√§he zu den Spielern habe und sie in meine Entscheidungen mit einbeziehe.
    (Hierbei entspricht den „Spielern“ die „Parteibasis“.)
  • Wenn man immer nur versucht, nichts kaputt zu machen, dann bringt einen das nicht ans Ziel. Das hat etwas mit Mut zu tun.
    (Ende der wörtlichen Zitate)
  • Mut ist wichtiger als das Schielen auf Prozentpunkte; ebenso wichtig ist eine klare Vorgabe, sprich: Strategie (vgl. Eingangs-Zitat)

Das vollständige SPIEGEL-Interview finden Sie hier.

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Korrespondierende Artikel:

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Der gefesselte Springer

Buchtipp: „Autonomie‚ÄĚ von Beate R√∂ssler

 

 

 

 

Beate Rössler
Autonomie – Ein Versuch √ľber das gelungene Leben
Suhrkamp, 2017, 443 Seiten
ISBN: 978-3-518-58698-3
Auch als eBook erhältlich

 

Im Schachspiel spricht man von ‚ÄěFesselung‚ÄĚ, wenn eine Figur, beispielsweise ein Springer, nicht bewegt werden kann, da sonst der dahinterstehende K√∂nig ins Schach geriete.¬†Wer sich ein wenig mit Schach auskennt, wei√ü: Solange ein gefesselter Springer nicht befreit wird, ist die Anzahl der m√∂glichen weiteren Aktionen enorm reduziert. Es kann der Anfang vom Ende sein ‚Äď vom Ende einer gelungenen Partie.

Das ‚Äěgelungene Leben‚ÄĚ im Untertitel von R√∂sslers neuem Buch hat mich neugierig gemacht. Autonomie, Selbstbestimmung, Freiheit ‚Äď das sind Themen, die man¬†auf politisch-gesellschaftlicher oder psychologischer Ebene abhandeln kann.¬†Aber Beate R√∂ssler ist Philosophin, sie setzt sich vor allem mit der Frage auseinander: Was sind die Wechselwirkungen zwischen Autonomie und Gl√ľck, Erfolg, Sinn des Lebens?

Zun√§chst einmal strebt sie eine klare Abgrenzung der Begriffe an: Wann l√§sst sich ein Leben als gl√ľcklich bezeichnen? Was ist demgegen√ľber ein gutes / sinnvolles / gelingendes Leben? Absolut √ľberzeugt hat mich R√∂sslers logische Kette (S. 96 oben):

Man kann ein sinnvolles Leben leben, ohne gl√ľcklich zu sein; aber nicht, ohne selbstbestimmt zu sein.

Wie ein roter Faden zieht sich diese Kernthese durchs ganze Buch: Autonomie ‚Äěals notwendige Bedingung des gelungenen Lebens, nicht jedoch als hinreichende‚ÄĚ.

Die Autorin zitiert ‚Äď das ist eine der St√§rken des Buchs ‚Äď immer wieder andere Philosophinnen, Philosophen oder auch Romanciers, um die unterschiedlichen Standpunkte zu diesen Begriffen herauszuarbeiten. Da findet man Kleinode wie etwa die Sentenz Platos √ľber Selbsterkenntnis und Selbstt√§uschung (S. 133):

Denn von sich selbst get√§uscht zu werden, ist doch das Aller√§rgste. Denn wenn der Betr√ľger nicht auf ein Weilchen sich entfernt, sondern immer bei der Hand ist, wie sollte das nicht schrecklich sein?

Hat das Buch auch Schw√§chen? Ja, eine kleine und verzeihliche. Beate R√∂ssler sagt in ihrem Vorwort, sie habe versucht, so zu schreiben, dass der Text sich auch jemandem erschlie√üt, der nicht Philosophie studiert hat. Und dann: „… dies ist mir in einigen Kapiteln (…) gewiss besser gelungen als in anderen‚ÄĚ. So ist es. Statt umst√§ndlichem Fachjargon ab und zu einfache und klare Worte – das h√§tte der Botschaft mehr Durchschlagskraft verliehen.

Insgesamt jedoch hat die Autorin zum komplexen Thema „Autonomie‚ÄĚ ein umfangreiches, ja grundlegendes Werk vorgelegt. Gleich im zweiten Kapitel besch√§ftigt sie sich mit den unvermeidlichen Ambivalenzen im Leben, danach mit Selbstbeobachtung, Blogging und Quantified Self. In den letzten Kapiteln geht es um das private Leben, um soziale Rahmenbedingungen f√ľr Autonomie und dann zusammenfassend nochmals um Moral, Verantwortung und das „gelungene Leben‚ÄĚ.

Ein besonderer Gewinn waren f√ľr mich – wen wundert’s? – die Passagen √ľber den Zusammenhang zwischen Autonomie und¬†Projekten.¬†Auf Seite 121 z. B. hei√üt es:

(…) selbstverst√§ndlicher Teil unserer Projekte wird es zumeist sein, dass wir andere Personen respektieren, sie f√ľr unsere Ziele nicht allein als Mittel gebrauchen, zumal wir die meisten unserer Projekte ohnehin (…) gemeinsam mit anderen¬†verfolgen.

Ich bin sicher, auch Ihnen wird dieses Buch neue Sichtweisen und praktischen Nutzen bringen. Als Appetizer empfehle ich das Video „Wie Freiheit gelingt‚ÄĚ aus der SRF-Reihe „Sternstunde Philosophie‚ÄĚ.

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Weitere Buchtipps finden Sie hier.

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P. S.: In den letzten Wochen habe ich √ľberwiegend politische Ereignisse kommentiert. Es wurde also h√∂chste Zeit, diesen Philosophie-Artikel zu schreiben. Allerdings kam mir dann, ohne dass ich es wollte, √ľber den gefesselten Springer die schlaue Schachspielerin Angela Merkel in den Sinn.

Und die Gegenspieler, die ihre Springer aus Versehen selbst fesseln statt mit ihnen die nur scheinbar √ľberm√§chtige Dame endlich aus dem Spiel zu nehmen. Politik ist nichts anderes als angewandte Philosophie, Logik und Strategie. Es gilt der Spruch des Politikers Perikles:

Das Geheimnis des Gl√ľcks ist die Freiheit,
deren Geheimnis aber ist der Mut.

F√ľr Nicht-Schachspieler: Der Springer ist die einzige Figur, die nicht linear ‚Äědenkt‚ÄĚ, sondern Haken schl√§gt. Deshalb kann er die Dame angreifen, ohne dass sie selbst ihn im Gegenzug schlagen kann. Als Junge habe ich all das von meinem Vater gelernt. Er war ein ausgezeichneter Schachspieler. Bei ihm standen die Pferdchen nie lange im Stall und waren selten gefesselt. Keine Brauereig√§ule, keine Dressurpferde, eher Mustangs. Immer in Bewegung.

 

Bild-Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chess_piece_-_Black_knight.JPG?uselang=de, MichaelMaggs
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Pl√§doyer f√ľr Schwarz-Rot-Gr√ľn …

… von¬†Gesine Schwan und Wolfgang Thierse¬†in einem SPIEGEL-Gastbeitrag¬†(vor wenigen Minuten erschienen)

 

Was Frau Schwan und Herr Thierse da vorschlagen in ihrem Artikel, geht schon stark in Richtung Projekt ORANGE. Freut mich.

Es ist alles wie bei meinem ORANGE-Modell, mit einem kleinen, entscheidenden Unterschied, den ich in Form einer Frage formuliere:

Wozu brauchen wir in dieser Konfiguration die CSU?

Schwan und Thierse sagen es selbst: In ihrem Modell h√§tte die Regierung eine zu gro√üe Mehrheit, die Opposition w√§re demgegen√ľber zu schwach. Und wenn schon in diesem Pl√§doyer die Inhalte in den Vordergrund gestellt werden – warum die CSU mit reinnehmen, die bei den Jamaika-Sondierungen st√§ndig die Gr√ľnen-Positionen durch den Kakao gezogen hat?

Viele werden sagen, die Union wird sich nicht auseinander dividieren lassen. Ich sage: Das ist Merkels Problem. Beziehungsweise das Problem der CDU mit ihrer ramponierten Vorsitzenden. Warum dreht Schulz nicht endlich den Spieß um und fordert von der CDU staatstragendes Verhalten РPatriotismus statt Partei-Egoismus?

Anders als Schwan und Thierse pl√§diere ich also nicht f√ľr Schwarz-Rot-Gr√ľn.
Ich pl√§diere f√ľr Rot-Gr√ľn/Schwarz, ohne CSU.
Nennen wir’s „ORANGE/Schwarz“.

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Schwesig for chancellor

Kick-off / Projekt ORANGE

 

Mein gestriger Artikel „Update / Projekt ORANGE“ basiert auf den aktuellen SPON-Wahltrend-Zahlen („Sonntagsfrage“). Nach dieser Prognose

  • w√ľrden CDU/CSU von 33% auf 29,2% sinken
  • m√ľsste die CSU (5,5%) um den Einzug in den Bundestag bangen
  • w√ľrden FDP und Gr√ľne sich auf 13,2 bzw. 11,9% verbessern
  • die SPD auf 19,5% absinken.

Wer es gut meint mit der SPD, kann ihr jetzt, in der Stunde der Konzept- und Ratlosigkeit, nur den Rat geben:

  • Sofort raus aus der Defensive und der Verlierermentalit√§t.
  • Merkel frontal angreifen; denn sie wurde abgew√§hlt, nicht Schulz.
  • Deutliche Zeichen setzen: Initiative, F√ľhrungskompetenz, Wille zur Macht.
  • Schulterschluss mit den Gr√ľnen (–> Projekt ORANGE).
  • Kontinuit√§t: Schulz bleibt SPD-Vorsitzender, Nahles Fraktionsvorsitzende.
  • Neue SPD-Kanzlerkandidatin: Manuela Schwesig.

 

 

  • Frau Schwesig stellt sich zur Kanzlerwahl im Bundestag.
  • Falls sie nicht zur Kanzlerin gew√§hlt wird und Neuwahlen angesetzt werden, gehen SPD und Gr√ľne mit der Kanzlerkandidatin Schwesig in den Wahlkampf 2018.

Der Effekt: F√ľr die W√§hlerinnen und W√§hler w√§ren die Fronten endlich klar. Jeder w√ľsste: Wer SPD oder Gr√ľne w√§hlt, hat eine echte Chance, zu den Siegern zu geh√∂ren.

M√∂gliches Szenario: Ende der √Ąra Merkel / statt vier Jamaika-Crashpiloten maximal drei Koalitionsparteien / im Fr√ľhjahr ’18¬†Start der neuen Mitte-Links-Regierung.

Schwesig – die deutsche Antwort auf Macron.


Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Manuela_Schwesig_in_2015?uselang=de#/media/File:201512_Manuela_Schwesig_SPD_Bundesparteitag_by_Olaf_Kosinsky-14.jpg¬†–> Olaf Kosinsky/Skillshare.eu
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Update / Projekt ORANGE

Aus den Zahlen vom neuesten SPON-Wahltrend/SPIEGEL ONLINE (21.11.2017, 18:01) ergibt sich folgendes Bild:

 

Machen Sie sich Ihr Bild.

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Projekt ORANGE

Fraktionsgemeinschaft SPD-Gr√ľne
als Grundlage f√ľr klare Verh√§ltnisse in der deutschen Politik

 

Dies ist das Ergebnis der Bundestagswahl vom 24.09.2017:

 

Wie schon in meinem Artikel „Wahlkampfmathematik 2017“ habe ich auch diesmal eine Art der Darstellung gew√§hlt, wie Sie sie vermutlich noch nie gesehen haben:

  • Die Reihenfolge der S√§ulen entspricht dem politischen Spektrum Links-Mitte-Rechts.
  • CDU und CSU erscheinen nicht als „schwarzer Block“.
  • Es gibt eine neue S√§ule „SPD-Gr√ľne“.

Das ist meine Idee f√ľr ein Vermeiden von Neuwahlen und Unsicherheit:

  • SPD und Gr√ľne bilden eine Fraktionsgemeinschaft im Bundestag.¬†Die beiden Parteien erkl√§ren, dass sie dieses B√ľndnis in Zukunft beibehalten werden – wie in der Vergangenheit CDU und CSU.
  • SPD und Gr√ľne laden die CDU (ohne CSU, ohne Merkel, Altmeier und Kauder) zu Sondierungsgespr√§chen ein. Ziel: Bildung einer neuen Regierung Orange-Schwarz, also SPD-Gr√ľne/CDU, unter einem Kanzler der Orange-Fraktion.
  • Falls diese Regierung nicht zustande kommt, gehen SPD und Gr√ľne mit einem gemeinsamen Programm in den n√§chsten Bundestagswahlkampf.
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KAIZEN im Rosendorf

L√∂hndorf ist ein malerischer Ort in Rheinland-Pfalz und einer von wenigen in Deutschland, die den Titel ‚ÄěRosendorf‚Äú tragen. Diesen Titel wie auch verschiedene andere Auszeichnungen haben die B√ľrgerinnen und B√ľrger von L√∂hndorf sich im Laufe der letzten Jahrzehnte durch Ideenreichtum, Flei√ü und Freude am Restaurieren alter Fachwerkh√§user erworben.

Highlights sind neben den zahlreichen Roseng√§rten die Skulpturen des Bildhauers Titus Reinarz, der hier im Ort lebt und arbeitet. Das alles ist ein echter¬†kontinuierlicher Verbesserungsprozess einer besonderen Dorfgemeinschaft. Die Japaner nennen es Kaizen ‚Äď Wandel zum Besseren.

Zum Rosendorf und seinen Projektmenschen passt sehr gut der Kalenderspruch dieser Woche, eine Sentenz von Mahatma Gandhi:

Sei du selbst die Ver√§nderung, die du dir w√ľnschst f√ľr diese Welt.

Beim B√ľrgerempfang zum diesj√§hrigen traditionellen Martinsmarkt durfte ich die Festrede halten. Hier sehen Sie ein paar Streiflichter aus der fr√∂hlich-bodenst√§ndigen Veranstaltung:

 

 

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Marie Curie – ein Leben f√ľr den Kampf gegen alte Gewohnheiten

Ein begnadeter Pianist spielt im Hause seines M√§zens vor erlauchtem Publikum. Nach seinem Auftritt geht eine der √§lteren Damen, ein Glas Champagner in der Hand, auf ihn zu: „Maestro, ich w√ľrde mein Leben daf√ľr geben, um so spielen zu k√∂nnen wie Sie‚ÄĚ. Darauf der K√ľnstler: „Madame, ich habe mein Leben daf√ľr gegeben‚ÄĚ.

 

Marie SkŇāodowska¬†Curie, die vor 150 Jahren in Warschau geboren wurde, hat ihr Leben lang gek√§mpft – f√ľr Erkenntnis und Kooperation in der Wissenschaft, f√ľr Gleichberechtigung und gegen Jahrtausende alte Vorurteile.

In einem Gastbeitrag f√ľr die FAZ w√ľrdigt Emmanuelle Brun-Neckebrock, die¬†Finanzchefin von SAP Frankreich, die Lebensleistung dieser Frau, die in jungen Jahren darum k√§mpfen musste, √ľberhaupt Mathematik und Physik studieren zu d√ľrfen. Zum Gl√ľck wurde die hochbegabte Marie schon als Kind von ihren Eltern unterst√ľtzt und gef√∂rdert; ihr Vater war Mathematiklehrer, ihre Mutter Schulleiterin.

In dem FAZ-Artikel geht es vor allem um Inspiration und unkonventionelles Denken als Voraussetzung f√ľr Innovation:

150 Jahre sp√§ter (…) kann uns diese Geschichte an den Kern von Innovation erinnern: den Bruch mit traditionellen Denkweisen. (…) Alte Gewohnheiten und Denkmuster sind schwer abzulegen, aber sie f√ľhren zu einer genauso hartn√§ckigen Voreingenommenheit.

Geradezu erschreckend sind die Statistik-Zahlen der Gegenwart, die von der SAP-Managerin genannt werden:

In den 1980er Jahren waren 40 Prozent der Absolventen von Informatik-Studiengängen Frauen. Heute sind es nur noch 18 Prozent.

Lesen Sie den FAZ-Beitrag, werfen Sie einen Blick in den Wikipedia-Artikel √ľber Marie Curie und vergessen Sie nie die Worte des „Kampfschweins‚ÄĚ Bertolt Brecht:

Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich.

 

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marie_Sklodowska_16_years_old.jpg?uselang=de
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Projektf√§higkeit – ein Fremdwort f√ľr Gewohnheitstiere

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier‚ÄĚ – der Satz¬†ist nicht ungef√§hrlich. Er best√§tigt uns in unserer Bequemlichkeit und dem Festhalten an schlechten (!) Gewohnheiten.¬†Best√§tigt f√ľhlen sich beispielsweise die Pseudo-Konservativen, die nicht nur „das Gute‚ÄĚ bewahren wollen, sondern all das, woran sie gew√∂hnt sind oder sich haben gew√∂hnen lassen.

Eine spie√üige Einstellung findet man in Deutschland √ľbrigens nicht nur bei traditionellen Unionsw√§hlern (so viele gibt es ja inzwischen nicht mehr) oder AfD-Anh√§ngern, sondern ebenso¬†bei bekennenden „Progressiven‚ÄĚ.¬†Aber diese Leute sind¬†nicht progressiv. Sie bewegen sich nicht nach vorn.¬†Das Wort „Projekt‚ÄĚ (von lat. proiectum¬†– das nach vorn Geworfene) wird von ihnen st√§ndig benutzt, aber sie haben seine Bedeutung nicht verstanden (siehe „Idee und Wunsch, Ziel, Plan, Projekt‚ÄĚ).

Die tiefere Ursache f√ľr die Antriebsschw√§che, oft gepaart mit Maulheldentum, ist die¬†Angst vor der¬†eigenen Courage. Diese Angst hat keiner von Geburt an. Jeder B√ľrokrat, jeder Bedenkentr√§ger hat ja schon als Einj√§hriger Mut zum Ausprobieren von etwas Neuem gehabt. Sonst h√§tte er nie gelernt, aufrecht zu gehen. Nur, den aufrechten Gang hat er irgendwann wieder verlernt.¬†Und weil er das alles insgeheim wei√ü und folglich die Ver√§nderer, die „Projektmenschen‚ÄĚ beneidet, denunziert er sie.

Ein aktuelles Beispiel sind die Jamaika-Sondierungsgespr√§che. Da wird endlich einmal nicht ruck, zuck eine neue Regierung gebildet, sondern intensiv und nach den Regeln der Projekt-Kunst¬†√ľber Wochen und Monate ein¬†Basisplan¬†erarbeitet, bevor das neue Vierjahres-Projekt gestartet wird.¬†Und was liest und h√∂rt man? √úberwiegend lamentierende Kommentare. Wenigstens Friederike Haupt sieht das anders, in ihrem Artikel „Sondieren geht √ľber lamentieren‚ÄĚ (FAS, 5.11.2017).

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In eigener Sache: Das Kommentieren in lap-land wird einfacher.

Ab sofort ist das Eingeben von Kommentaren weniger aufw√§ndig.¬†Au√üer dem Kommentartext m√ľssen nur noch Benutzername und Passwort eingegeben werden (–> Login).

Allerdings muss man einmal (!) unter „Registrieren“ seine Daten eingeben: Vorname, Name etc.. Dabei w√§hlt man einen Benutzernamen, z. B. ein K√ľrzel von drei Buchstaben, und ein Passwort von mindestens sieben Zeichen.

In der √úbergangsphase kann es noch Unebenheiten geben. Falls Sie also Fragen oder Anregungen haben, nehmen Sie bitte Mail-Kontakt zu uns auf.

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Idee und Wunsch, Ziel, Plan, Projekt

Ein Crashkurs

 

Kurz nachdem mein¬†Hofreiter-Artikel¬†erschienen war, kam ich mit einem guten Freund ins Gespr√§ch. Er meinte, ich sei zu streng gegen√ľber Leuten, die das Wort¬†Projekt¬†etwas lockerer handhabten und sich nicht exakt an „meine‚ÄĚ Begriffsdefinition hielten. „Hey, Junge‚ÄĚ, versuchte ich klarzustellen, „es ist nicht ‚meine‚Äô, es ist ‚die‚Äô Definition‚ÄĚ.

Der besagte Freund ist √ľbrigens Mathematiklehrer. Und er nimmt es sehr genau, wenn es um Begriffe wie etwa¬†Maximum¬†oder Schnittmenge geht.

Mir ist klar, dass jeden Tag Millionen Menschen „Projekt‚ÄĚ sagen und „Idee‚ÄĚ oder „Wunsch‚ÄĚ meinen. Aber ich muss das nicht akzeptieren. Ich w√ľnsche mir mehr Pr√§zision, mehr¬†Achtsamkeit. Und ich halte es mit Konfuzius:

 

 

Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen auch die Worte nicht, und stimmen die Worte nicht, so kommen auch die Werke nicht zustande.

 

 

Als Hilfe zur Selbsthilfe biete ich den folgenden Crashkurs an – kompakt, praxisnah (gleich das erste Beispiel ist frisch vom Fass) und vor allem: kostenlos 😎. Am Ende dieses Mini-Lehrgangs wird Ihnen klar sein:

 

Den f√ľnften Schritt vor dem dritten zu tun,
ist immer falsch und manchmal lebensgefährlich.

 

(1) Idee

Angenommen, Herr X hat die Idee, in eine Kneipe zu gehen. Dann ist das noch kein Projekt. Vor allem dann nicht, wenn Herr X zweimal pro Woche in seine Stammkneipe geht. Denn ein Projekt ist ein einmaliges Vorhaben.

Merke: Ideen sind wichtig. Manche sind brillant, andere nur Schnapsideen.

 

(2) Wunsch

Im obigen Beispiel ist m√∂glicherweise der Wunsch der Vater des Gedankens, sprich: Herr X m√∂chte einfach den √Ąrger √ľber seinen Chef runtersp√ľlen. Also, ein Wunsch.¬†Kein Ziel, kein Plan, kein Projekt.

 

(3) Ziel

Nehmen wir einmal an, es geht nicht um Alltags√§rger und kleine Bed√ľrfnisse, sondern um ein gro√ües Thema, z. B. den Frieden in Europa. Hierzu gab und gibt es immer noch viele Ideen und W√ľnsche. Aber

„Frieden in Europa‚ÄĚ ist kein Ziel, geschweige denn ein Projekt.

In diesem Blog habe ich mehr als ein halbes Dutzend Europa-Artikel ver√∂ffentlicht; in einem davon (18.9.2011) habe ich geschrieben:¬†Europa ist ein Kontinent, kein Projekt.¬†In demselben Artikel habe ich die Gr√ľndung einer „Bundesrepublik Mitteleuropa‚ÄĚ ins Spiel gebracht. Ich finde, dieses Ziel ist heute fast noch wichtiger und lohnenswerter als vor sechs Jahren, w√ľrde allerdings die Bezeichnung „Konf√∂deration‚ÄĚ vorziehen, in Anlehnung an die Confoederatio Helvetica (CH).

Und was ist nun ein Ziel? Die Antwort gibt uns die

SMART-Regel,
wonach beim Definieren eines Ziels f√ľnf Kriterien erf√ľllt sein m√ľssen:

  • Spezifisch / schriftlich fixiert
  • Messbar
  • Attraktiv
  • Realistisch
  • Terminiert.

Diese einfache, aber harte Regel sollte jeder junge Mensch bis zum Abschluss der 10. Klasse gelernt und einge√ľbt haben. Denn sie wird ihm sein Leben lang helfen – im Beruf und im Studium, beim Hausbau und bei der Urlaubsplanung.

Mit einem SMARTen Ziel sind wir schon sehr weit. Aber wir wollen Ziele ja nicht nur formulieren,¬†sondern auch erreichen. Dazu m√ľssen wir Projekte machen. Und damit wir ein Projekt starten, es fortlaufend steuern und erfolgreich abschlie√üen k√∂nnen, brauchen wie einen

 

(4) Plan

Der „Plan der Pl√§ne‚ÄĚ in jedem Projekt ist der Projektstrukturplan – ein Baumdiagramm, welches die Verteilung der Aufgaben und Rollen veranschaulicht. Darauf aufbauend m√ľssen¬†Kosten, Ressourcen, Qualit√§t und Termine geplant werden. Die herausragenden Termine nennt man Meilensteine. Mehr Informationen an dieser Stelle w√ľrden den Crashkurs-Rahmen sprengen.

Ein Tipp: Nehmen Sie Ihr Projekt ernst.¬†Der Teufel steckt im Detail. Planen Sie fr√ľhzeitig. Planen Sie sorgf√§ltig und realistisch – nicht allein an Ihrem Schreibtisch, sondern gemeinsam mit Ihren Mitstreitern. Wenn die Kiste einmal rollt, ist es f√ľr all diese Dinge zu sp√§t. Und Albtr√§ume dauern bekanntlich immer eine Idee zu lang,¬†siehe¬†BER.

 

(5) Projekt

Von einem Projekt¬†sollte man nur reden, wenn es hierf√ľr klar definierte Ziele und brauchbare Pl√§ne gibt (s. o.). Weitere Kernkriterien sind

  • Einmaligkeit (vgl. Abschnitt 1)
  • Begrenzung des Budgets / der Ressourcen
  • klar definiertes Projektende¬† (–> Deadline).

 

Schlussbemerkung

Wenn Sie sich noch einmal den¬†Hofreiter-Text¬†anschauen, stellen Sie fest: Dem Gr√ľnen-Politiker wurde offenbar nie erkl√§rt, was ein Projekt ist. Und das hat er mit Millionen anderen Akademikern gemeinsam 😎.

„Jamaika‚ÄĚ ist ein Projekt. Keine Herzensangelegenheit. Ein Projekt. Zur Zeit l√§uft die Projektvorstufe, an deren Ende der Basisplan fertig sein muss (vgl. „Projektherz‚ÄĚ, Kap. 16, „Projektfahrplan‚ÄĚ). Anschlie√üend erfolgt die Projektpr√ľfung (im Fall Jamaika m√ľssen alle vier Parteien den Basisplan genehmigen);¬†erst danach kann das Projekt offiziell gestartet werden.

Und wie in jedem Projekt gibt es stets das Risiko des Scheiterns.

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Bertolt Brecht, Dreigroschenoper

 

Bildquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Confucio_(Master_Kong_Qiu).jpg?uselang=de
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