Möge der Heilige Geist mit dir sein

Meghan und Harry, Liebe und Tod

 

Pfingstsamstag 2018: Royal Wedding in Windsor Castle. Überraschender Höhepunkt ist die feurige Predigt des US-Bischofs Michael Bruce Curry. Sie ist charismatisch, historisch, revolutionär.

Mag sein, dass der Bischof etwas zu lang gesprochen hat. Aber auf den Gesichtern der¬†versammelten Hochzeitsg√§ste – Prominente aus aller Welt, k√∂nigliche Familie, die Top 100 des britischen Hochadels – sieht man keine Langeweile, sondern Erstaunen, Irritation, Entsetzen. Einige sind belustigt, viele vom Donner ger√ľhrt. Und die Braut, eine geschiedene, emanzipierte US-Schauspielerin, zeigt ein wissendes L√§cheln.

Ja, was machst du in einer solchen Situation als Mitglied des House of Lords? Wenn dieser farbige Prediger zun√§chst √ľber Liebe und Tod, pl√∂tzlich jedoch √ľber Sklaverei, Hunger und Armut spricht? Du kannst nicht weglaufen. Du musst h√ľbsch sitzenbleiben und dir das anh√∂ren. Zwischenrufe nicht erw√ľnscht. Dies ist eine Kirche, kein Parlament oder Club.

Ich vermute, das Problem ist, dass in einer westlich-materialistischen Gesellschaft die meisten Menschen keinen blassen Schimmer von Pfingsten haben – deshalb sind sie v√∂llig √ľberrascht von einer solchen Predigt. Halloween, Star Wars? Gut. Ramadan? Schon mal geh√∂rt. Aber was zum Teufel bedeutet Pfingsten? Heiliger Geist, Dreifaltigkeit,¬†Zungenrede, Charisma? Hm.

Die christliche Idee der Dreifaltigkeit wurde √ľber Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert, kritisiert und missverstanden. Mir fallen¬†Projektphilosophie-Uhr¬†und K√∂rper-Geist-Seele ein. Demn√§chst mehr davon.

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Ein Schlag ins Gesicht des deutschen Schulsystems

Deutscher Schulpreis 2018

 

Seit 2006 vergibt die Robert-Bosch-Stiftung den Deutschen Schulpreis. In diesem Jahr erhielt ihn das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald, die Laudatio hielt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Wenn Sie den betreffenden SPIEGEL-Artikel oder auch die Berichte in der S√ľddeutschen Zeitung oder der ZEIT lesen, wird Ihnen schnell klar: Diese ausgezeichnete evangelische Privatschule in Greifswald ist das exakte Gegenteil einer „normalen“ √∂ffentlichen Schule in Deutschland. In Greifswald gibt es

  • praktisch keine Teilung Grundschule / weiterf√ľhrende Schule und somit keine Schulwechsel-Probleme; im Prinzip haben wir hier eine Volksschule √† la Finnland, wie ich sie in meinem Buch „Zu viel Schule“ vor zwei Jahren gefordert habe
  • kaum Frontalunterricht, stattdessen – √§hnlich wie in Montessori-Schulen – viel freies, selbstbestimmtes Lernen sowie jahrgangs√ľbergreifende Lerngruppen
  • keine Zensuren (Ziffernoten) bis zur neunten Klasse und
  • funktionierende Inklusion.
  • In einer Sch√ľlerfirma lernen die Sch√ľler „den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt ‚Wohnungstraining‘ wird in einer angemieteten Wohnung f√ľr die eigene Selbstst√§ndigkeit ge√ľbt“ (ZEIT, 14.5.2018).

Benjamin Skladny, der Leiter der Martinschule, wird im SPIEGEL folgendermaßen zitiert:

Es ist bei uns grunds√§tzlich anders als das gesamte Schulsystem in Deutschland, das ich f√ľr fast unreformierbar halte.

Fassen wir zusammen:

  • Die beste deutsche Schule ist die Martinschule¬†in Greifswald.
  • Greifswald ist ein Teil von Deutschland.
  • Die Martinschule ist kein Teil des deutschen Schulsystems.
    Daraus folgt:
  • Die beste deutsche Schule befindet sich in Deutschland,
    jedoch nicht innerhalb des deutschen Schulsystems.
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Die W√ľrde des Menschen

Buchtipp: „Sterbefasten“ von Christiane zur¬†Nieden

 

Lassen Sie uns √ľbers Sterben reden“ lautet der Titel einer neuen BILD-Serie. Ja, was machst du als Sensationsreporter, wenn es kaum noch ein Tabu gibt, das man brechen kann? Du nimmst das letzte, den Tod.

Das ist die Sensation: Jeder von uns wird sterben, ob es ihm nun gerade passt oder nicht. Aber welche M√∂glichkeiten gibt es in unserem Kulturkreis √ľberhaupt noch, in W√ľrde sein Leben enden zu lassen? Wom√∂glich sogar in dem Haus oder der Wohnung, wo man gelebt hat und alt geworden ist?

In einer Zeit der Apparatemedizin und des „Wegschlie√üens“ von alten, hilflosen Menschen ist das w√ľrdelose Sterben l√§ngst zur Norm geworden. Doch es gibt eine Alternative, die vermutlich nur wenigen bekannt ist. Christiane zur Nieden beschreibt sie in ihrem Buch „Sterbefasten“ (Mabuse-Verlag, 2. Auflage 2017). Im Kapitel „Begriff und Geschichte“ hei√üt es:

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Fl√ľssigkeit*) ist so alt wie die Menschheit selbst. (…) Es wird von alten, gebrechlichen Pr√§rie-Indianern berichtet, die sich mit klarem Verstand von ihrem Stamm verabschiedeten, um alleine zur√ľckzubleiben, wenn dieser aufbrach, um neue Weidegr√ľnde zu suchen. Auch im Jainismus (…) ist das Selbstt√∂ten durch Fasten bis zum Tode als einzige Selbstt√∂tungsform erlaubt.

Das Buch ist vor allem deshalb so authentisch und stellenweise ergreifend, weil die Autorin in den ersten Kapiteln die letzten Lebenswochen ihrer eigenen Mutter beschreibt, die sich f√ľr diese selbstbestimmte, nat√ľrliche Art des Sterbens entschieden hat. Es liegt auf der Hand, dass dies kein leichter Weg ist. Er ist eine immense Herausforderung f√ľr die Menschen, die den Sterbenden auf diesem Weg begleiten. Aber zugleich ist er eine gro√üe Chance in Richtung gelingendes Leben und gelingender Prozess des Sterbens.

*) In der Palliativmedizin ist die g√§ngige Abk√ľrzung hierf√ľr:¬†FVNF.
Buchcover: Mabuse-Verlag, https://www.mabuse-verlag.de/Mabuse-Verlag/Produkte//Mabuse-Verlag/Unsere-Buecher/Ratgeber-Erfahrungsberichte/Sterbefasten/id/b1f649c9-41f2-c3af-1293-145fb5428843
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Blick in den R√ľckspiegel

Zwei Todesf√§lle in der Gro√üfamilie innerhalb weniger Tage – da kommen aus verschiedenen Ecken vielf√§ltige Erinnerungen an die Oberfl√§che des Bewusstseins. Es sind nicht nur sch√∂ne Dinge, an die du dich erinnerst. In die Trauer – vor allem die Trauer √ľber das Unwiederbringliche fr√∂hlicher Stunden – mischt sich hier und da nachwirkender √Ąrger √ľber erlittene Kr√§nkungen und dann das Bedauern √ľber Fehler, die du selbst gemacht hast. Jetzt ist es zu sp√§t, um noch irgendetwas zu kl√§ren oder um Verzeihung zu bitten.

Du blickst in den R√ľckspiegel. Du denkst nicht nur an die, die vor einigen Tagen gestorben sind, sondern an viele andere. An Menschen, die dir die liebsten waren und mit denen du nie mehr zusammen essen und trinken, reden, lachen und singen kannst.

  Looking back over my shoulder

Heute habe ich mir diesen Song, den ich sehr sch√§tze, noch einmal angeh√∂rt. Mehr als sonst haben mich diesmal Musik und Text ber√ľhrt.¬†But it’s enough to make a grown man cry …¬†Everyday, it’s a losing battle¬†Just to smile and hold my head up high …

In den R√ľckspiegel schaute wenige Jahre vor seinem Tod auch¬†Dilgo Khyentse, einer der bedeutendsten buddhistischen Meister des vorigen Jahrhunderts und¬†ehemaliger Lehrer des Dalai Lama, am Ende einer seiner Belehrungen. Sein Sch√ľler Sogyal Rinpoche hat die Szene f√ľr uns festgehalten*).

„Wir alle schauten auf zu diesem g√ľtig leuchtenden Berg von einem Mann, der gleichzeitig Gelehrter, Poet und Mystiker war … Er machte eine Pause und blickte in die Ferne:

Ich bin nun achtundsiebzig Jahre alt und habe in meinem Leben so viel gesehen. So viele junge Menschen sind gestorben, so viele Menschen in meinem Alter und so viele, die √§lter waren als ich. So viele Menschen, die an der Spitze standen, sind tief gefallen. So viele Menschen, die unten waren, sind an die Spitze aufgestiegen. So viele L√§nder haben sich ver√§ndert. Es hat soviel Aufruhr und Katastrophen gegeben, so viele Kriege und Seuchen (…) Und doch sind all diese Ver√§nderungen nicht wirklicher als ein Traum. Wenn du tief genug schaust, erkennst du, dass nichts dauerhaft und best√§ndig ist, nichts – nicht einmal das kleinste H√§rchen auf deinem K√∂rper. Und das ist keine blo√üe Theorie, sondern etwas, was du wirklich selbst erkennen und mit deinen eigenen Augen sehen kannst.‚ÄĚ

*) Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, O. W. Barth Verlag, 1995, S. 42
Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dilgo_Khyence_rinpoche.jpg?uselang=de
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Kant und Buddha, Freud und Trump

Wer ist der Boss? …

 

… das ist das Thema der heutigen Talkshow von Sandra Maischberger. Und es sind¬†illustre G√§ste, die sie in der Runde begr√ľ√üen kann. Zu Beginn erl√§utert sie, dass es bei der folgenden Diskussion nicht um die F√ľhrung eines Unternehmens oder eines Staatswesens gehe, sondern um Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstmanagement. Also um die Frage, was ist die treibende Kraft in einem Menschenleben? Was in mir bestimmt letztlich, wo es lang geht?

Schon der erste Gespr√§chsteilnehmer, der zierliche, blitzgescheite Mann aus K√∂nigsberg, stellt Frau Maischberger auf eine harte Probe. Erst nach mehreren Anl√§ufen gelingt es ihr, die Vorlesung von Professor Kant einmal kurz zu unterbrechen. Herr Kant erkl√§rt kategorisch, dass die Vernunft eo ipso der Boss sein m√ľsse.

Das ist ebenso wenig √ľberraschend wie der anschlie√üende Beitrag des Wiener Analytikers, f√ľr den der Mensch schlicht ein Triebwagen ist. Mit geschliffenen Formulierungen und viel Esprit erkl√§rt Herr Freud den Sexualtrieb zum Herrn der Dinge.

Nach einem kurzen Penisneid-Scharm√ľtzel der Moderatorin mit dem Gast aus Wien geht das Wort an Siddhartha Gautama. Der vorher stets schweigende Inder tritt nun mit leisen Worten Kant und Freud ebenso entschieden wie freundlich entgegen. Die Komplexit√§t des Themas reduziert der Buddha in einem einzigen Satz: Der Solarplexus ist der Boss.

Donald Trump ist inzwischen immer unruhiger geworden.¬†Viel zu lange hat er auf seinen Auftritt warten m√ľssen. Jetzt legt er los. Der Simultandolmetscher leistet Schwerstarbeit. „Ihr seid alle gefeuert. Es ist Bullshit. Alles gefakt. Fake News. Es erinnert mich an diesen durchgeknallten Typen – er ist Mathematiker, glaube ich – mit seiner komischen Projektphilosophie-Uhr. Zu viele W√∂rter. Zu viel Philosophie. Und es bringt mir keinen Cent in die Tasche. Keinen Cent.¬†So bad. Ich sage euch was, Leute. Ich habe heute einen Burschen getroffen, der’s drauf hat. Gro√üartig, der Junge. Gro√üartig. Morgen fr√ľh mache ich ihn zum neuen Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten. Ich hab‘ euch ein Video mitgebracht. Guckt’s euch an. Fabelhaft.“

  Streit der Organe РStreit der Körperteile

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Tablet statt Schreibschrift? Was ist die Schule der Zukunft?

SZ-Artikel „Digitalisierung und Schule‚ÄĚ √ľber¬†die
Krise der Steve-Jobs-Schulen in den Niederlanden

 

Ausl√∂ser f√ľr die Aufnahme der S√ľddeutschen Zeitung in die Blogroll von lap-land (siehe den vorigen Blog-Artikel)¬†ist der SZ-Artikel von Fabian Busch: „Das Tablet ist nur Mittel zum Zweck‚ÄĚ. Interessant ist dieser Aufsatz f√ľr mich aus einem besonderen Grund. Bereits im Juni 2016¬†habe ich mich kritisch mit der Digitalisierung in Schulen der USA und der Niederlande auseinandergesetzt –¬†in „Zu viel Schule‚ÄĚ, Kapitel „Bildung aus Hollywood“:

In immer mehr L√§ndern wird das Schreiben mit der Hand in den Schulen schrittweise abgeschafft. In den USA steht dies inzwischen nur noch im¬†Kindergarten und im ersten Schuljahr auf dem Plan. (…)¬†Was w√ľrde Steve Jobs zu diesem Thema sagen? (…) Heute kann er sich nicht mehr dagegen wehren, dass in den¬†Niederlanden immer mehr sogenannte Steve-Jobs-Schulen eingerichtet¬†werden, in denen die Grundsch√ľler √ľberwiegend am iPad lernen. (S. 109, „Fast-Text auf dem Silber-Tablet‚ÄĚ)

Nun, im April 2018, schreibt Fabian Busch nach seiner Erkundungsreise in die Niederlande:

Erfunden hatte die Steve-Jobs- oder iPad-Schulen der niederl√§ndische Meinungsforscher Maurice de Hond. Er war unzufrieden mit dem altmodischen Unterricht an der Schule seiner Tochter – und entwickelte 2012 mit Bildungsexperten das Manifest „Unterricht f√ľr eine neue Zeit“, kurz O4NT. (…) Die Idee stie√ü weltweit auf Interesse und Anerkennung (…) Doch die „neue Zeit“ ist offenbar schon wieder¬†vorbei. (…)¬†Im M√§rz wurde bekannt, dass die Stiftung O4NT pleite¬†ist.

Genauer umgeschaut hat Busch sich in der¬†Beatrix-Schule in Steenwijk. Sie ist eine von vielen Schulen, wo man sich l√§ngst vom Konzept „Steve-Jobs-Schule“ verabschiedet hat. Der Schulleiter

ist √ľberzeugt, dass die Digitalisierung des Unterrichts voranschreiten wird und in einigen Jahren viel mehr Schulen so arbeiten werden wie seine schon heute. Aber er warnt davor, das Tablet als etwas Heiliges zu betrachten. Im Schnitt seien seine Sch√ľler etwa anderthalb Stunden pro Tag mit dem iPad besch√§ftigt. Dass Kinder auch lernen, B√ľcher zu lesen und mit der Hand zu schreiben, ist f√ľr ihn¬†selbstverst√§ndlich.

Das ist die Antwort auf die Titelfrage: Tablet und Schreibschrift.

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Neu in der Blogroll von lap-land: „S√ľddeutsche – Bildung‚ÄĚ

Seit der letzten Neugestaltung meiner Blog-Seite im August 2017 befindet sich die Blogroll oben rechts, gleich unter dem Kalenderspruch. Begr√ľndet habe ich das in einem kleinen Hinweis „in eigener Sache‚ÄĚ:

Die Idee: Sie schauen rein bei lap-land.de wie bei Ihrem Stamm-Bistro. Und die Blogroll ist die Kuchentheke, ein Lesezeichen-Angebot.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, ich selbst bin viel zu selten an der „Kuchentheke‚ÄĚ in lap-land. Aber ab und zu benutze ich durchaus die Blogroll-Links, um mich in Sachen Bildung auf dem Laufenden zu halten.

Heute habe ich jedoch mit Erstaunen festgestellt: Die S√ľddeutsche Zeitung, die ich mindestens ebenso sehr sch√§tze wie die ZEIT oder die WELT, war bisher in der Blogroll nicht vertreten. Ich hatte sie lediglich in meiner pers√∂nlichen Lesezeichen-Liste. Dumm gelaufen. Ab sofort geh√∂rt die SZ zu den „Top 8‚ÄĚ in lap-land.

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Lehrstuhl Macht Bildung

Was zeichnet den deutschen Uni-Professor gegen√ľber seinen Kollegen in England oder den Vereinigten Staaten aus? Ganz einfach, seine Machtf√ľlle.

Am¬†11. M√§rz¬†habe ich von¬†Annette Schavan, der ehemaligen Pseudo-Professorin und Bundesbildungsministerin, berichtet. Und in diesem Zusammenhang vom Heiligen Stuhl. Vom spezifisch-deutschen Lehrstuhl ist in einem neuen SPIEGEL-Artikel von Kristin Haug die Rede: „Machtmissbrauch an Hochschulen‚ÄĚ.

Immer mehr junge Hochschullehrer setzen sich inzwischen f√ľr die Abschaffung der Lehrst√ľhle ein. Zum Beispiel die Psychologie-Professorin Jule Specht, die jedoch keine schnellen Erfolge erwartet. Das liege an der

herausragenden Stellung der Professoren, die √ľber zahlreiche Mitarbeiter und Ressourcen verf√ľgen – und sich manchmal wie Sonnenk√∂nige auff√ľhrten.

Ich schließe mit demselben Toast wie am 11. März: Es lebe die fröhliche Wissenschaft. Es lebe das deutsche Ein-Bildungssystem.

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Mehr Qualit√§t im Bereich Bildung …

…¬†erfordert mehr Bildung im Bereich Qualit√§tsmanagement (QM).

 

These 1:
Viele, die √ľber Qualit√§t im Bildungswesen reden, haben wenig Ahnung von Qualit√§tsmanagement. Sie sind in dieser Hinsicht reichlich ungebildet.

Erläuterung:
Ein elementarer Denkfehler im Bereich Schule/Hochschule ist die Annahme, durch mehr Evaluation werde automatisch bessere Qualit√§t erzielt. Qualit√§tspr√ľfung wird hierbei f√§lschlich mit Qualit√§tsmanagement gleichgesetzt, das hei√üt die Qualit√§tsplanung – die Mutter jeglicher Verbesserung von Produkten und Prozessen – f√§llt unter den Tisch. Damit sind wir bei

These 2¬†(vgl. „Zu viel Schule‚ÄĚ, S. 122):
Du kannst nicht Qualit√§t in ein System hineinpr√ľfen. Du musst das System zuerst √§ndern und dann erneut pr√ľfen.
Albert Einstein hat es so formuliert:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

 

Einer der gro√üen¬†Pioniere auf dem Gebiet des Qualit√§tsmanagements war¬†William Edwards Deming. Er war ein Vorl√§ufer der KAIZEN-Bewegung (–> Video auf YouTube/lap-land) und setzte sich unter anderem f√ľr eine bessere QM-Ausbildung aller Beteiligten ein; ebenso f√ľr die „dauerhafte Verpflichtung des Top-Managements zur st√§ndigen Verbesserung von Qualit√§t‚ÄĚ.

Ein weiterer QM-Pionier war Philip B. Crosby, von dem der neue lap-land-Kalenderspruch stammt:

Gutes muss geplant werden, Schlechtes passiert von selbst.

Das Crosby-Zitat ist somit nicht nur philosophisch-humorvoll zu verstehen, sondern als QM-Handlungsanweisung.

Philosophen stellen gern grunds√§tzliche Fragen wie: Was ist Gerechtigkeit? Was ist Bildung? Was ist Qualit√§t? Die letzte Frage hat Herr Crosby kurz und b√ľndig beantwortet:

Die Definition von Qualit√§t ist Erf√ľllung von Anforderungen.

Ein weiterer der vier Crosby-Grundsätze lautet:

Die Ma√ügr√∂√üe f√ľr Qualit√§t sind die Kosten der Nichterf√ľllung.

Im Bildungssektor bedeutet das ganz konkret: Wegen maroder Schulgeb√§ude, unsinniger Bildungsg√§nge und Unterrichtsmethoden („Schreiben nach Geh√∂r‚ÄĚ etc.), durch Orientierungslosigkeit sowie Probleme mit Integration und Inklusion gibt es immer mehr Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrecher.¬†Allein durch die inzwischen massenhaften Studienabbr√ľche werden jedes Jahr circa 2 Milliarden Euro Steuergelder in den Sand gesetzt.

Aber wie erklärt man das einem Bildungspolitiker, einem Erziehungswissenschaftler oder einem Oberstudienrat? Also Leuten, die kaum jemals in einem Betrieb oder einem Projekt der Privatwirtschaft gearbeitet haben, wo jeder auszugebende Euro erst einmal erwirtschaftet werden muss. Menschen, die bis zu ihrem Lebensende durch die Staatskasse versorgt werden, weitgehend unabhängig von Leistung, Zielerreichung, Qualität.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:W._Edwards_Deming.jpg
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Das erf√ľllte Leben …

… und warum das Nachdenken √ľber den Tod daf√ľr so wichtig ist.

 

Das ist die Titelgeschichte der neuen GEO-Ausgabe. Man findet darin nicht nur großartige Fotos und bewegende Berichte von Menschen, die schon in jungen Jahren einen nahen Angehörigen verloren und danach ihr Leben von Grund auf geändert haben. Jörg Pilawa ist einer von ihnen.

Die Rede ist auch von Seminaren und bizarren √úbungen des Sterben-Lernens, inklusive Streicheln eines Skeletts. Und es gibt Texte, die uns zu denken geben.

„Im Grunde glaubt niemand an seinen eigenen Tod‚ÄĚ, schrieb vor mehr als 100 Jahren Siegmund Freud. Wir k√∂nnen uns zwar intellektuell mit unserem Ende besch√§ftigen, tief drinnen aber halten wir uns f√ľr unsterblich. Es braucht einen starken Sto√ü, um diesen Selbstbetrug zu ersch√ľttern. Ein geliebter Mensch stirbt, ein Freund erh√§lt eine schwere Diagnose.

Am meisten beeindruckt haben mich die Worte von Cicely Saunders:

„Es ist nicht das Schlimmste f√ľr¬†einen Menschen, zu erkennen, dass er gelebt hat und jetzt sterben muss. Das Schlimmste ist, zu erkennen, dass man nicht gelebt hat und jetzt sterben muss.‚ÄĚ

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Zum Thema Azubi-Mangel …

… gibt es zwei interessante aktuelle Beitr√§ge:

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In eigener Sache: „Souver√§n studieren‚ÄĚ

„Traum – Ziel – Projekt‚ÄĚ

 

Mein Freund Kurt-Ulrich Witt und ich arbeiten ab sofort im Bereich

    Studiencoaching und -beratung

eng zusammen. Wir kennen uns seit der Zeit, als wir wissenschaftliche Mitarbeiter an der RWTH Aachen waren, also seit mehr als drei√üig Jahren. An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg haben wir bei Br√ľckenkursen und Einsteigerprojekten¬†f√ľr Erstsemester zusammengearbeitet.

Ich denke, die Kompetenzen, mit denen¬†Kurt-Ulrich Witt und ich in das neue Projekt „Souver√§n studieren“ einsteigen, erg√§nzen einander sehr gut.¬†Und wir haben viel gemeinsam – was Studium und Beruf anbelangt oder auch unsere Lebenserfahrung. Jeder von uns ist Vater von vier erwachsenen Kindern, und sie alle mussten irgendwann ihre speziellen Klippen umschiffen – Schulabschluss, Tr√§ume und W√ľnsche, Niederlagen und Erfolge in der Berufsausbildung, im Studium und in der Weiterbildung.

Mit unserem Beratungs- und Coaching-Angebot wenden wir uns an

  • Studieneinsteiger und Studierende
  • Sch√ľlerinnen und Sch√ľler vor dem Schulabschluss sowie
  • deren Eltern.

Aber auch an

  • Lehrkr√§fte an Schulen, Hochschulen und Berufsakademien.

Ausl√∂ser f√ľr unsere Initiative ist die Tatsache, dass viele junge Menschen sich im Dschungel der zahlreichen Bildungs- und Studieng√§nge nicht mehr zurecht finden. Die Zahl der Studienanf√§nger steigt unaufh√∂rlich, aber ein gro√üer Teil von Ihnen bricht irgendwann das Studium ab. Die Folgen sind Entt√§uschung, Frust und finanzielle Verluste. Das alles l√§sst sich in den meisten F√§llen verhindern – durch rechtzeitige Beratung und individuelles Coaching.

Weitere Details finden Sie auf der neuen Website

 

 

Wenn Sie Interesse haben, rufen Sie an oder geben Sie uns eine kurze Nachricht per Mail oder SMS. Ansprechpartnerin ist

Frau Dr. Cornelia Busse, Tel. 0177-7493017
E-Mail cornelia-busse@gmx.de.

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Leben und Tod

Vor dem Ostersonntag kommt der Karfreitag. Wer ins Paradies kommen will, muss erst einmal sterben. Und das ist ist keineswegs so einfach, wie manche sich das einreden wollen.

Der Film „Und t√§glich gr√ľ√üt das Murmeltier“ besch√§ftigt sich auf¬†humorvolle und tiefgr√ľndige Weise mit den Themen Tod, Wiedergeburt und Sinn des Lebens. In einem der Dialoge zwischen den beiden Protagonisten richtet Rita an Phil die flapsige Frage: „Woran sterben Sie denn gerade?“

Hinter diesem saloppen Satz verbirgt sich die reine Wahrheit: Jeder von uns, auch jeder Baum und jede Katze, stirbt jeden Tag ein wenig. In dem Moment, in welchem wir uns das bewusst machen, fangen wir an, bewusster zu leben. Manche buddhistischen Meister stellen den Menschen, die sie um Belehrungen bitten, eine einfache Frage:

Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?

Die Meister wissen, dass Menschen, die an ein Weiterleben glauben, eine ganz andere Lebenseinstellung haben. Sie besitzen einen entschiedenen Sinn f√ľr pers√∂nliche Verantwortung und Ethik. Menschen, die nicht an ein Leben danach glauben, machen sich kaum Gedanken √ľber die Konsequenzen ihres Tuns. Schon 1991 sagte der damalige brasilianische Umweltminister J. A. Lutzenberger*):

Die moderne Industriegesellschaft ist eine fanatische Religion. Wir demolieren, vergiften und zerst√∂ren alle Lebenssysteme auf diesem Planeten. Wir zeichnen Schuldscheine, die unsere Kinder nicht werden einl√∂sen k√∂nnen … Wir handeln, als seien wir die letzte Generation auf diesem Planeten.

Von Menschen mit Nahtoderfahrung wird immer wieder berichtet, dass sie nach diesem einschneidenden Erlebnis ihre Einstellung zum Leben radikal ge√§ndert haben. Sie „entdecken, dass das Wichtigste menschliche Beziehungen und Liebe sind und nicht materielle G√ľter … dass alles, was man im Leben tut, gespeichert bleibt“ und „irgendwann doch wieder zum Vorschein kommt“*) – zum Beispiel in der Stunde des Todes.

Der Philosoph und Jesuit Godehard Br√ľntrup ist ein Mensch mit Nahtoderfahrung. Auf n√ľchtern-sachliche, aber sehr spannende Weise¬†setzt er sich mit dem Ph√§nomen auseinander – in einem Vortrag, der als¬†YouTube-Video verf√ľgbar ist.

*) aus: Sogyal Rinpoche, Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, 1995, S. 23 bzw. 41
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Alles oder Nichts

In den letzten Tagen hatte ich einige bizarre und deshalb lehrreiche Begegnungen. Ich selbst neige nicht dazu, endlos Dinge hin und her zu wenden. Ich sch√§tze Gespr√§chspartner, die in √ľberschaubarer Zeit zu Potte kommen. Aber ich tue mich schwer mit Leuten, die st√§ndig aus der H√ľfte schie√üen. Die Freundlichkeit und Kompromissbereitschaft mit Schw√§che verwechseln.

Die Logik/Statistik/Erfahrung lehrt uns, dass es auf lange Sicht mehr √Ąrger als Nutzen bringt, alles auf eine Karte zu setzen. Ein gewiefter Kartenspieler w√§hlt einen anderen Weg. Er spielt verschiedene M√∂glichkeiten durch, w√§gt Risiken ab und entscheidet dann. Skat l√§uft eben anders als Roulette. Und vor wichtigen Entscheidungen sollte man erst einmal eine Nacht dar√ľber schlafen.

Viele, die sich f√ľr die Methode Alles oder Nichts entscheiden,
denken an Alles und vergessen das Nichts.

Der Spruch ist von mir, er fiel mir heute Morgen ein, quasi als Res√ľmee der letzten Tage. Nat√ľrlich w√ľrde ich ein solches Eigengew√§chs niemals als Kalenderspruch in lap-land verwenden, das verbietet mir meine¬†Bescheidenheit 😎.

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Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod …

… von Facebook?

 

Ja, daran glaube ich. Und ich denke, dieses Leben ohne Facebook wird in mancherlei Hinsicht angenehmer, entspannter und freier sein als das jetzige.

Im Juli 2017 habe ich einen Artikel √ľber Zuckerberg, Trump und die drei Siebe des Sokrates ver√∂ffentlicht – √ľber Wahrheit, G√ľte und Notwendigkeit von Nachrichten. Ich habe damals bereits den Standpunkt vertreten, dass Herr Zuckerberg seit Jahren Komplice von Trump und sonstigen L√ľgnern und H√ľtchenspielern ist.¬†Und schon im August 2012 habe ich √ľber den steilen Aufstieg und den von mir erwarteten Absturz von Facebook geschrieben.

Heute sind wir einen Schritt weiter. Die Facebook-Aktie sackt ab, die Zuckerberg-Firma wird von Aktion√§ren verklagt (–> WELT). Brian Acton, Gr√ľnder von WhatsApp,¬†ruft alle Facebook-Nutzer auf, ihren Account zu l√∂schen und unterst√ľtzt die neue Bewegung¬†#deletefacebook¬†(–> Stern).

Ausl√∂ser: der¬†Cambridge-Analytica-Skandal. Es geht dabei um Missbrauch von Daten, Wahlmanipulation, „Mindfuck“ und somit – nat√ľrlich – um Zuckerberg und Trump.

Sascha Lobo hat heute in seinem Artikel „Der eigentliche Skandal liegt im System Facebook“¬†das ganze Kn√§uel von Widerw√§rtigkeiten entwirrt und die Sache auf den Punkt gebracht:

„Facebook ist eines der m√§chtigsten, wenn nicht das m√§chtigste Unternehmen der Welt, was den Einfluss auf Wahrnehmung und Sozialverhalten sowie Reichweite angeht. (…)¬†Das Get√∂se, das jetzt um W√§hlerbeeinflussung zu h√∂ren ist, war meiner Ansicht nach kein Missbrauch von Facebook – sondern ein Gebrauch. (…)¬†Also alles nicht so wild? Doch, sogar noch wilder. Die Realit√§t ist profaner, aber weitreichender. Denn sie stellt Facebook insgesamt in Frage.“

P. S.: Zum Thema Leben nach dem Tod gibt es einen pfiffigen Dialog aus der Welt des Zen-Buddhismus :

‚ÄěMeister, gibt es ein Leben nach dem Tod?‚Äú
‚ÄěDas wei√ü ich nicht.‚Äú
‚ÄěAber bist du denn nicht der Meister?‚Äú
‚ÄěJa, aber kein toter Meister.‚Äú

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mark_Zuckerberg_-_South_by_Southwest_2008_-_2.jpg
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Verg√§nglichkeit: Hawking versus Seehofer, Trump, May, Putin, Xi …

… und all die anderen, die nicht begreifen, dass sie sterblich sind.

 

Stephen Hawking ist tot. Er war ein außergewöhnlicher Mensch. Sein IQ war vermutlich so hoch wie der von Albert Einstein. Er war ein tieferer und größerer Denker als Frau Merkel, Frau May, Herr Putin oder Herr Xi, der sich gerade eine Lizenz zum Herrschen ohne Ende verschafft hat.

Hawking war¬†ungef√§hr doppelt so intelligent wie Donald Trump und anderthalbmal so intelligent wie Horst Seehofer. Kurz, er hat all diese „Granaten“ x-mal in die Tasche gesteckt.

Aber ein Stephen Hawking wird niemals Premierminister oder Pr√§sident der Vereinigten Staaten. Dabei ist sein herausragender IQ gar nicht das¬†Entscheidende. Der Mensch Stephen Hawking hat ein sehr hartes Schicksal gehabt. Er hat gek√§mpft, gek√§mpft, gek√§mpft. Dieser Stephen hat sich bis zum letzten Atemzug eingesetzt f√ľr Wahrheit, Erkenntnis und Mitgef√ľhl. Er hat sich Sorgen gemacht um die Zukunft der Menschheit. Und ich vermute, er hat sich auf seinen eigenen Tod seit Jahrzehnten vorbereitet – anders als die meisten von uns.

Ein Horst Seehofer beispielsweise kann nicht loslassen. Er wei√ü, dass er sterben wird, aber er begreift es nicht. Sein K√∂rper hat ihm mehrfach signalisiert: Horst, Du bist verletzlich und verg√§nglich – so wie die¬†√ľbrigen sieben Milliarden Menschenkinder. Aber der Horst ist ein gestandenes Mannsbild. Und ein Bewunderer von Herrn Trump. Er kann’s nicht lassen.

Im „Tibetischen Buch vom Leben und vom Sterben“ von Sogyal Rinpoche hei√üt es im Kapitel „Verg√§nglichkeit“ (S. 45):

Wenn ich √ľber Verg√§nglichkeit lehre, kommt hin und wieder jemand zu mir und sagt: „Das ist doch nichts Neues! Das ist doch alles selbstverst√§ndlich! Das war mir immer schon klar.“

Dann¬†entgegne ich: „Haben Sie die Wahrheit der¬†Verg√§nglichkeit tats√§chlich verstanden und verwirklicht? Haben Sie sie tats√§chlich so in jeden Ihrer¬†Gedanken, Atemz√ľge und Bewegungen integriert, dass sich Ihr Leben ge√§ndert hat?

Stellen Sie sich selbst zwei Fragen: Erinnere ich mich in jedem Augenblick, dass ich sterben¬†werde, so wie jeder und alles andere auch, und behandle ich aus dieser Erkenntnis heraus alle Lebewesen jederzeit mit Mitgef√ľhl? Ist mein¬†Verst√§ndnis von Tod und Verg√§nglichkeit so akut und dringlich geworden, dass ich jede Sekunde dem Streben nach Erleuchtung widme?

Erst wenn Sie beide Fragen mit ‚ja‘ beantworten k√∂nnen, haben Sie Verg√§nglichkeit wirklich verstanden.“

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stephen_hawking_2008_nasa.jpg?uselang=de
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ZEIT & Co. – d√ľnkelhafte Duckm√§user

Vorbemerkung: Das Label „elit√§re Schei√üer‚ÄĚ aus der 68er-Bewegung werde ich nie mehr verwenden, um weitere¬†Google-Verkn√ľpfungen mit meinem Namen zu vermeiden. Deshalb die „d√ľnkelhaften Duckm√§user‚ÄĚ in der √úberschrift, mit freundlicher Unterst√ľtzung durch¬†DWDS und OpenThesaurus.

Am 25.2.2018 wurde bekannt, dass die Kanzlerin Anja¬†Karliczek zur neuen Bildungsministerin machen wollte. Wenige Stunden sp√§ter habe ich dies¬†in einer¬†Eilmeldung¬†als „gute Nachricht f√ľr alle Gegner des Akadamisierungswahns‚ÄĚ bezeichnet.

Die Elite der deutschen Ein-Bildungsb√ľrger hat selbstverst√§ndlich eine v√∂llig andere Vorstellung davon, was ein gebildeter Mensch ist. Am 28.2.2018¬†war in einem¬†ZEIT-Artikel zu lesen:

Karliczek, 46, hat Bankkauf- und Hotelfachfrau gelernt und ein BWL-Fernstudium absolviert (…)¬†Die CDU offenbart mit dieser Personalie, wie besch√§mend gering sie die deutsche Wissenschaftslandschaft sch√§tzt.

Schon zwei Tage vorher hie√ü es („Karli wer?‚ÄĚ, ZEIT, 26.2.2018):

Wer ist diese Frau? Welche Qualifikationen bringt sie f√ľr ihr Amt mit?

In diesem Aufsatz wurde auf Annette Schavan verwiesen, die aus Sicht des Autors wohl hochqualifizierte, hochgebildete Amtsvorg√§ngerin von Anja¬†Karliczek.¬†Ja, wir erinnern uns. Frau Schavan wurde der Doktorgrad aberkannt, weil sie – wie Herr Minister a. D. zu Guttenberg – in ihrer Doktorarbeit Texte anderer Autoren eingef√ľgt hatte, ohne die Quellen zu benennen, eine Tods√ľnde auf dem Gebiet des wissenschaftlichen Arbeitens. In „Zu viel Schule‚ÄĚ (2016, S. 126f.) habe ich dazu angemerkt:

Die ehemalige Bildungsministerin und Professorin hat weder einen Studien- noch einen Berufsabschluss. (…) Frau Schavan ist jetzt (…) Botschafterin beim Heiligen Stuhl. „Der Mensch hat pr√§chtige Verdauung‚ÄĚ, w√ľrde Eugen Roth dazu sagen.

Es lebe die fröhliche Wissenschaft. Es lebe das deutsche Ein-Bildungssystem.

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Svenja Hofert √ľber die Leere der Lehrer – unbedingt lesen!

An alle Kolleginnen und Kollegen an √∂ffentlichen Schulen …

 

… aber auch an die M√ľtter und V√§ter unserer Schulkinder: Bitte lesen Sie den Beitrag von Svenja Hofert, der heute bei SPIEGEL ONLINE¬†erschienen ist.

Hier nur ein paar Kostproben. Erstens hat Frau Hofert – im Gegensatz zu den meisten Lehrer-Ausbildern – erkannt, dass¬†F√ľhrungskompetenz¬†(!) eines der wichtigsten Merkmale eines guten Lehrers ist:

Sie leisten einen Dienst an Kindern im Sinne der Bildung. Was k√∂nnte eine gro√üartigere und gesellschaftlich wichtigere F√ľhrungsaufgabe sein?

Zweitens, die schlechte Nachricht:

Das Beamtentum verhindert wirksam, dass man wie andere Angestellte einfach mal so den Arbeitgeber oder Beruf wechseln kann. Die scheinbare Sicherheit, die dieser Status vermittelt, macht zwar alle satt, aber viele nicht gl√ľcklich.

Und dann die gute Nachricht:

Gehen Sie raus in die Welt. Erleben Sie andere Dinge. Schauen Sie sich Waldorfschulen und Montessori an (…)¬†Mir sind viele Menschen begegnet, die erst mit √ľber 40 Lehrer wurden – oder mit 50 wieder Lehrer.¬†Das war oft wunderbar f√ľr alle Beteiligten.

Ich selbst gehöre, wie meine Stammleser wissen, zur ersten dieser beiden Gruppen. Und ich kann die Kernthesen von Svenja Hofert zu hundert Prozent bestätigen.

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Frau Dr. Barley, Mutter des Mutterlandes

Die alten R√∂mer haben irgendwann den Ehrentitel „Pater patriae“ eingef√ľhrt, auf Deutsch: Vater des Vaterlandes. Damit k√§me heute bei uns keiner mehr durch, denn wir leben l√§ngst im Zeitalter der Geschlechtsneutralit√§t.

Ich schlage vor, die amtierende Familienministerin Katarina Barley um Himmels willen nicht noch zur Au√üenministerin zu machen, sondern sie aus dem Bundeskabinett zu entfernen. Zum Trost sollte man ihr den Ehrentitel „Mater matriae“ verleihen, oder geschlechtsneutral:

Elternteil des Elternlandes.

Begr√ľndung: Aus dem Hause von Frau Barley, und zwar von der Gleichstellungsbeauftragten, kam jetzt der Vorschlag, den Text unserer Nationalhymne zu √§ndern: „Heimatland“ statt „Vaterland“ und „couragiert“ statt „br√ľderlich“. Die Kanzlerin hat dies¬†bereits ohne Umschweife abgelehnt.

Die verantwortliche Ministerin lie√ü den Vorschlag von ihrem Sprecher als „pers√∂nlichen Beitrag“ ihrer Mitarbeiterin darstellen. Sie hat ihn weder abgelehnt noch bef√ľrwortet. Ist das couragiert?¬†Wie sagt man „keinen Arsch in der Hose“ auf Gender-Deutsch? Kein Hinterteil im Beinkleid?

P. S.: Ich sch√§tze, die n√§chste Stufe der Gender-Rakete wird die Vernunftsneutralit√§t sein: Bei jedem Text – sei es Nationalhymne oder Gebrauchsanweisung – wird dann gepr√ľft, ob er bar jeder Vernunft ist. Zur √úberwachung der √úberpr√ľfung wird es vermutlich ein/e IQ100-Gleichschaltungsbeauftragte/n in jede-r/m Betrieb/in geben.

Ganz nebenbei, Vernunft und Intelligenz sind weder vernunfts- noch geschlechtsneutral, beide sind weiblich. An der Lösung dieses Problems sollte die neue GroKo-Regierung mit Hochdruck arbeiten.

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Die digitale Revolution frisst ihre Kinder

Im Verlauf der Franz√∂sischen Revolution kam es 1793 zur „Terrorherrschaft“. Pl√∂tzlich wurden nicht nur Adelige hingerichtet, sondern auch viele Revolution√§re – zum Beispiel¬†Georges Danton, der sein gewaltsames Ende wohl selbst vorausgesehen hat. In „Dantons Tod“ von Georg B√ľchner sagt er den Satz, der zum¬†gefl√ľgelten Wort¬†wurde:

Die Revolution ist wie Saturn,
sie frißt ihre eigenen Kinder.

Seit den Neunzigerjahren erleben wir die digitale Revolution.¬†Und wie zweihundert Jahre vorher ist ein √§hnliches Ph√§nomen zu beobachten, wenn auch die¬†Guillotine diesmal nicht im Spiel ist: Die Unternehmensberater, Vorreiter beim Abbau von Arbeitspl√§tzen durch Digitalisierung,¬†m√ľssen bef√ľrchten, bald selbst zu den Opfern zu geh√∂ren.

In dem FAZ-Artikel „Die Stunde der Algorithmen“ ist zu lesen:

Kann die K√ľnstliche Intelligenz (…) irgendwann sogar die Unternehmensberater selbst ersetzen (…)? Eine Studie der Beratungsgesellschaft PWC sagt, (…) rund 20 Prozent ihrer Wertsch√∂pfung seien ersetzbar.

Bemerkenswert ist hierbei die zunehmende Bedeutung der MINT-Fächer:

Die Projekte werden immer schneller. Auch die Anforderungen an k√ľnftige Berater √§ndern sich: ‚ÄěJe mehr K√ľnstliche Intelligenz wir einsetzen, desto h√∂her ist unser Bedarf an Absolventen der sogenannten Mint-F√§cher ‚Äď also an Mathematikern, Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Technikern‚Äú, sagt PWC-Partner Martin Scholich.

Anders als damals Danton versuchen jetzt viele Unternehmensberater, sich selbst zu beruhigen. Mit dem Argument, eine Maschine habe kein Einf√ľhlungsverm√∂gen. Aber: Wie viel Einf√ľhlungsverm√∂gen braucht ein externer Berater, um einer Betriebsleitung die Vernichtung von f√ľnfhundert Arbeitspl√§tzen zu empfehlen?

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georges-Jacques_Danton.jpg?uselang=de
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