Abschied von Loriot

Wir trauern um Loriot. Aber wenn wir an ihn denken, können wir nicht allzu lange traurig sein. Wir haben heute einen großartigen Menschen und KĂŒnstler verloren, aber nichts ist verloren von seinen Cartoons, seinen Sketchen und Filmen.

Was kann ein Projektmanager von Loriot lernen? ZunĂ€chst einmal hat Bernhard Victor „Vicco“ von BĂŒlow selbst vorgelebt, was es heißt, authentisch zu sein und sich dabei stetig weiter zu entwickeln. Er wusste, anders als Michael Ballack und viele andere Erfolgsmenschen, wann es Zeit ist, mit einer Sache aufzuhören und etwas Neues auszuprobieren. Mit 65 Jahren drehte er seinen ersten Kinofilm, danach noch einen und das war‘s. Loriot war nicht nur ein Erfolgsmensch, er war Projektmensch. Und anders als mancher Philosoph der Postmoderne hat er uns mit der FĂŒlle seiner Werke und Projekte eine schlĂŒssige Antwort auf die Frage gegeben: Was ist ein gutes Leben?

FĂŒrs ProjektgeschĂ€ft können wir darĂŒber hinaus von Loriot eine Menge ĂŒber Kommunikation lernen. Er selbst hat ja als Regisseur bei seinen Film- und Fernsehprojekten stĂ€ndig mit seinen Mitarbeitern kommuniziert und kannte die TĂŒcken der Sprache und GebĂ€rde, der Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung. Und genau dies hat er immer wieder thematisiert – auf seine unverwechselbare und unnachahmliche Art:

In  dem Sketch „ZimmerverwĂŒstung“ zeigt uns Loriot, der selbst bekanntermaßen perfektionistisch war, einen Perfektionisten, der es gut meint, aber schlecht macht. Einen dieser Pedanten, die nichts verbessern, sondern einen Zustand so lange verschlimmbessern, bis aus einem Mangel im Detail eine komplette Katastrophe geworden ist.

Bei den beiden Herren im Bad geht es um Kommunikationsprobleme aufgrund von Eitelkeit und Statusdenken – das Ego ist auch in der Badewanne immer dabei.

Eine Lektion in Zeitmanagement, Logik und versteckter AggressivitĂ€t erteilt Loriot uns in der Episode vom FrĂŒhstĂŒcksei.

Und in „Bello, der sprechende Hund“ wird uns in Sachen SchaumschlĂ€gerei und Scharlatanerie der Spiegel vorgehalten.

Loriot hat uns reich beschenkt. Seine Geschenke bleiben uns erhalten.

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1 Kommentar

  1. Franziska Gruhser —   28. August 2011, 20:59 Uhr

    Die „Faszination Loriot“ ist wahrhaftig facettenreich: generationsĂŒbergreifend, tiefsinnig, selbstironisch und auch heute noch aktuell wie in den 80ern. Vicco von BĂŒlow traf mitten ins Herz. Ob man sich in den Szenen selbst wiederfindet oder manche Dialoge „schon mal irgendwo so gehört“ hat (die Sketche „Aufbruch“ oder „Feierabend“ gab es sicher schon in jedem Haus!) – es bleibt kein Auge trocken. Mit Evelyn Hamann hatte er eine engagierte Partnerin an seiner Seite, die mit ihm jede noch so skurrile Rolle vor die Kamera brachte, denken wir nur an ihre Ansage des englischen Krimis „Die zwei Cousinen“ oder an „Liebe im BĂŒro“ – staubtrockener Humor von seiner besten Seite!
    Loriot – Chapeau!

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