Buddha, Faust, Bill Gates

Vor knapp zwei Wochen schrieb ich den Artikel „Hase, Gans, Adler …“. Darin ging es um die Frage:

Will ich zu viel – oder zu wenig?

Ein abendl√§ndischer Projektmensch – ob er nun Faust hei√üt,¬†Oppenheimer oder Gates – will eher zu viel als zu wenig. Den Geist aus der Flasche zu lassen, gibt ihm den ultimativen Kick. Deshalb¬†tut er sich schwer mit Weisheiten aus dem fernen Osten: Reduziere Deine Bed√ľrfnisse, keine Ziele, keine Projekte, nicht anhaften. Mir geht’s genauso, aber ich werde √§lter 😎. Und ich stelle fest, es geht auch anders.

Hinzu kommt, nach Jahrhunderten voller kriegerischer Projekte im Namen irgendeines Gottes, die berechtigte Frage des Dalai Lama:

Wäre es nicht besser, wenn wir
gar keine Religionen mehr hätten?

In „Was ist Kultur?“ vom 22.6.2017 habe ich bereits aus Will Durants ‚ÄěVerm√§chtnis des Ostens‚Äú zitiert. Hier ein kurzer Auszug aus dem Kapitel „Buddha“:

Es gibt in der Religionsgeschichte nichts Seltsameres als den Anblick Buddhas, der eine Weltreligion gr√ľndet und sich weigert, in eine Diskussion √ľber Ewigkeit, Unsterblichkeit oder Gott einzutreten. Das Unendliche ist ein Mythos, sagt er, eine Erfindung der Philosophen, die nicht genug Bescheidenheit besitzen, zu gestehen, dass ein Atom niemals den Kosmos verstehen kann.

 

Er bel√§chelt die Debatten √ľber die Endlichkeit oder Unendlichkeit des Universums, gerade als ob er die sinnlose Astromythologie der Physiker und Mathematiker, die heute √ľber dieselbe Frage diskutieren, vorauss√§he. (…)

Er nennt solche Fragen „die Dschungel, die W√ľste, das¬†Puppentheater (…)“ *) und will nichts damit zu tun haben (…). Fr√∂mmigkeit und Zufriedenheit liegen nicht im Wissen √ľber das Universum und √ľber Gott, sondern einfach im selbstlosen, wohlt√§tigen Leben.

Ich glaube, Buddha war kein Adler. Der junge Siddharta Gautama war eine Gans, aber im Laufe vieler Jahre wurde er zum Fuchs. Er war ein Pragmatiker par excellence.

 

*) Davids, T. W. Rhys, Dialogues of the Buddha. Bd. II der Sacred Books of the Buddhists. Oxford, 1923

Bildquelle: Gandhara Buddha. 1st-2nd century. Musee Guimet, Paris.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BuddhaHead.JPG

This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen
Schreiben Sie einen Kommentar
Für Gäste
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.