Wen wählen?

Bildungspolitik als Pr√ľfstein im Bundestagswahlkampf

 

„Opa, wie schreibt man ‚Gewehr‘, mit √§ oder mit e?“ „Wei√ü ich auch nicht. Schreib‘ einfach ‚Flinte‘. Mit V, wie Pfingsten.“

Ich bin stolzer Opa zweier Enkelkinder, die in wenigen Jahren zur Schule gehen werden. Ich w√ľnsche mir, dass beide weiter¬†mit Freude lernen, entdecken, ausprobieren. Denn das machen sie seit ihrer Geburt – ohne Druck, ohne Angst und Magenschmerzen. Mir ist auch sehr daran gelegen, dass sie nicht irgendwann zu Drogen greifen, aus lauter Frust, Langeweile, √úberdruss. Oder sich vor einen Zug schmei√üen.

Es ist ein eigenartiger Wahlkampf, den wir zur Zeit erleben. Da gibt es ein gro√ü angek√ľndigtes, mickrig geratenes TV-„Duell“ der beiden Spitzenkandidaten, und in 95 Sendeminuten wird weniger als 20 Sekunden √ľber Bildung gesprochen. 0,3 Prozent f√ľr die Zukunft unseres Landes und 99,7 Prozent f√ľr Gegenwart und Vergangenheit.

Wie ist das m√∂glich? Ich sag‘ es Ihnen: Circa 600.000 beamtete Lehrer, Erziehungswissenschaftler und ¬†Schulministerialb√ľrokraten wollen weiterhin gut versorgt werden. Sie sind eine Minderheit,¬†etwa 1% der 61,5 Millionen deutschen Wahlberechtigten.¬†Aber sie sind bestens organisiert in schlagkr√§ftigen Standes- und Interessenverb√§nden. Und sie sind in den Parlamenten extrem stark vertreten. Der deutsche Bundestag besteht zu fast einem Viertel aus Lehrern und anderen √∂ffentlich Bediensteten.

Abgesehen von wenigen, r√ľhmlichen Ausnahmen verteidigen sie mit Z√§hnen und Klauen das absurde 16fache deutsche Schulsystem – mit 16fachen Personalkosten f√ľr Lehrpl√§ne, Richtlinien etc.. Auf diese Weise ist ein Zoo aus x verschiedenen Schultypen und Bildungsg√§ngen entstanden. Viele davon sind v√∂llig sinnlos, denn nach ihrem Abschluss f√§ngt man¬†quasi bei Null an, wenn man wirklich Geld verdienen will.

Circa 11 Millionen Sch√ľlerinnen und Sch√ľler¬†und Millionen von Kleinkindern in unserem Land haben keine Lobby, bis auf Schulpflegschaften und wenige Elternverb√§nde. Aber solche Plattformen m√ľssen auch genutzt werden! Es muss massenhaft und effizient¬†Druck erzeugt werden auf das Bildungskartell. Eine steife Brise √† la Macron. Wie sonst soll tr√§ge Masse in Bewegung geraten?

Glauben Sie, dass eine Kanzlerin, die sich 12 Jahre lang nicht an die heilige Kuh Bildungsf√∂deralismus herangewagt hat, es nach ihrer dritten Wiederwahl tun wird? Nein, sie wird’s niemals tun; sie bestreitet das nicht einmal. Und was sagen dazu die Chefs der anderen Parteien? Wer macht Bildung zur Chefsache? Recherchieren Sie, pr√ľfen Sie! Und vergessen Sie hierbei den brandneuen SPIEGEL-Artikel „Wahlprogramme im Vergleich“ – 6 Parteien, 10 Themenfelder. Und Bildung? Fehlanzeige. Wie beim erw√§hnten Fernseh-„Duell“ nach Muttis Rezept. Ich bin weder Medienhasser noch Verschw√∂rungstheoretiker, aber ich sage: Der Unfug hat Methode.

Fangen Sie an, zu diskutieren, Fragen zu stellen, Verb√ľndete zu suchen. Setzen Sie sich auseinander mit Argumenten und mit Menschen, die L√ľgen verbreiten, die Wasser predigen und Wein trinken.¬†Politik kommt von Polises geht um die Schulen in Ihrer Stadt!¬†Falls Sie f√ľr Ihren pers√∂nlichen Aufbruch in Sachen Bildungspolitik eine kleine Anfeuerung brauchen, schauen Sie rein beim YouTube-Kanal lap-land. Im dritten Video (Dauer 15:57) geht es um den Hallo-Wach-Effekt, ab Zeitpunkt 10:10.

Im √úbrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien f√ľr Schule abgeschafft werden m√ľssen.

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