Wahlkampf-Mathematik 2017

Nehmen wir einmal an, am kommenden Sonntagabend sähe das Ergebnis der Bundestagswahl folgendermaßen aus:

 

Sie lachen? Aber das sind exakt die Zahlen der neuesten Forsa-Prognose (19.9.). Ich habe mir nur erlaubt, die Daten auf eine neue, pragmatische Weise zu visualisieren, und zwar habe ich

  • im schwarzen Block den prozentualen Anteil der CSU kenntlich gemacht¬†(denn die Union ist keine Partei, sondern eine Fraktionsgemeinschaft im Bundestag; die obigen 8,4% ergeben sich rechnerisch aus¬†dem¬†endg√ľltigen Ergebnis der Bundestagswahl 2013, wo korrekterweise CDU und CSU getrennt aufgef√ľhrt werden) und
  • die drei Mitte-Links-Parteien (SPD, die Linke, die Gr√ľnen) zu einem roten Block zusammengefasst.

Das seit Jahrzehnten „√ľbliche“ (warum eigentlich?) Verfahren – n√§mlich schwarz/Union, rot/SPD, violett/Linke usw. – halte ich f√ľr v√∂llig √ľberholt und wettbewerbsverzerrend.¬†Schon am 1.5.2016 habe ich in meinem Artikel „Der Finanzminister als M√§rchentante“ darauf hingewiesen: Die Nichtw√§hler bilden heute die einzige Volkspartei in Deutschland¬†(vgl. S√ľddeutsche, 23.9.2013).

Wenn ich Martin Schulz w√§re, w√ľrde ich noch heute Abend vor die Kameras und Mikrofone treten und erkl√§ren:

„Frau Merkel hat ja k√ľrzlich die SPD aufgefordert, klipp und klar zu sagen, mit wem sie bereit ist zu koalieren. Und mit wem nicht, wobei die CDU-Vorsitzende speziell an die Linke gedacht hat.
Allen W√§hlerinnen und W√§hlern sage ich hier und heute: Die SPD steht in der n√§chsten Legislaturperiode f√ľr eine Koalition mit der CDU und/oder der CSU nicht zur Verf√ľgung. Das Gleiche gilt f√ľr die AfD. Punkt“.

Warum eiern Herr Schulz und all die anderen Spitzenpolitiker so herum in der Frage m√∂glicher B√ľndnisse? Was glauben sie denn, wie sie √ľberhaupt eine Regierungsmehrheit zustande bringen k√∂nnen – bei mehr als 30% Nichtw√§hlern und 15-20% der Stimmen f√ľr AfD und sonstige Parteien?

Wieso finden Leute wie Herr Altmaier es so originell, die AfD und ebenso die Linke total auszugrenzen? Und das mit konstanter B√∂swilligkeit.¬†Was ist das f√ľr ein Demokratieverst√§ndnis, welche Arroganz, zu sagen: Besser nicht w√§hlen als einer dieser beiden Parteien seine Stimme zu geben? Ich vermute, daf√ľr wird es am Wahlabend eine Quittung geben, und einigen der beh√§big-selbstzufriedenen „Strategen“ wird es die Sprache verschlagen.

Hier ist meine persönliche Wahlprognose:

  • F√ľr Schwarz-Gelb wird es nicht reichen (das sagen ohnehin die meisten).
  • Die schwarze S√§ule wird kleiner sein als in dem obigen Diagramm; insbesondere wird die CDU auf weniger als 27% kommen.
  • Die blaue S√§ule wird deutlich gr√∂√üer sein, dank Altmaier & Co.. Also: 13% f√ľr die AfD, plus/minus 3%.
  • Wenn die Roten und die Gelben sich nicht allzu leicht von den Schwarzen √ľber den Tisch ziehen bzw. sich gegeneinander ausspielen lassen, wird es in K√ľrze keine Kanzlerin Merkel mehr geben.

 

24.9.2017 Korrektur:
Bei der obigen Berechnung des prozentualen Anteils der CSU am Gesamtwert des schwarzen Blocks ist mir ein Fehler unterlaufen.¬†Aus den endg√ľltigen Ergebnissen der Bundestagswahl 2013 wurde statt der Zweitstimmen-Zahl f√§lschlich die Zahl der Mandate als Grundlage genommen. Deshalb lauten die richtigen Einzel-Werte im schwarzen Block: 29,6% bzw. 6,4% statt 27,6 bzw. 8,4. Der Gesamtwert 36% bleibt dabei selbstverst√§ndlich unver√§ndert.¬†

This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.