Trump und Merkel

oder: Die Vergänglichkeit allen Strebens

 

In der Grand Old Party brodelt es. Noch wagen die meisten es nicht, offen den R√ľcktritt der Nummer eins zu fordern. Noch nicht. Aber sie fragen sich: Wie konnte jemand Nummer eins in unserer Partei werden, der urspr√ľnglich gar nicht zu uns geh√∂rte, der in jungen Jahren auf der anderen Seite stand?¬†Wie konnte es passieren, dass dieser Mensch¬†systematisch s√§mtliche Rivalen abservierte? Vertritt diese Nummer eins √ľberhaupt die Werte, f√ľr die unsere Partei immer stand?

Ich spreche von der CDU und ihrer Vorsitzenden. Klar, auf den ersten Blick scheinen Trump und Merkel nicht viel gemeinsam zu haben.¬†Bez√ľglich Sozialisation, Bildung, Lebensweise und vermutlich auch IQ gibt es gro√üe Unterschiede. Dennoch, es gibt eine Menge Parallelen. Vor allem: Beide sind sehr schlau, wenn es um das Erringen und Erhalten von Macht geht.

In seinem legend√§ren Werk „G√∂del, Escher, Bach“ definiert Douglas R. Hofstadter die folgenden acht Eigenschaften als Voraussetzungen f√ľr Intelligenz:

  • sehr flexibel auf die jeweilige Situation reagieren
  • g√ľnstige Umst√§nde ausn√ľtzen
  • aus mehrdeutigen oder kontradiktorischen Botschaften klug werden
  • die relative Wichtigkeit verschiedener Elemente in einer Situation erkennen
  • trotz trennender Unterschiede √Ąhnlichkeiten zwischen Situationen finden
  • trotz √Ąhnlichkeiten, die sie zu verbinden scheinen, zwischen Situationen unterscheiden k√∂nnen
  • neue Begriffe herstellen, indem man alte Begriffe auf neuartige Weise zusammenf√ľgt
  • Ideen haben, die neuartig sind.

Und nun stellen Sie sich bitte vor, Sie h√§tten eine wichtige Position zu besetzen und auf der Liste der Bewerber st√ľnden Donald Trump und Angela Merkel. Lachen Sie nicht, denn genau das ist unser Job als W√§hlerin und W√§hler. Pr√ľfen Sie, inwieweit die beiden Kandidaten die obigen Voraussetzungen erf√ľllen. Und wenn Sie schlau im Sinne des f√ľnften Kriteriums „trotz trennender Unterschiede“ sind, stellen Sie fest: Ja, es gibt √Ąhnlichkeiten.

Beim heutigen Deutschlandtag der Jungen Union gab es f√ľr Frau Merkel¬†R√ľcktrittsforderungen und Applaus. Die Kanzlerin stellte – wen wundert es? – wieder einmal ihr Konzept als alternativlos dar. Diesmal tr√§gt es den Namen Jamaika. Ich sage, Jamaika ist ziemlich weit weg von Berlin. Und es gibt durchaus Alternativen; es k√§me auf einen Versuch an. Why not?

P. S.: Was bei Trump, Merkel und auch Hofstadter zu kurz kommt, ist die Lebensklugheit, die praktische Philosophie. Es fehlt das neunte Kriterium:

  • nicht nur wissen, dass alles verg√§nglich ist, sondern es sich jeden Tag bewusst machen: Irgendwann werde ich sterben, vielleicht schon morgen; und irgendwann wird ein anderer meinen Job machen.
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