Ist die Grundschule noch zu retten?

Immer mehr Überfrachtung und Theorie – die Kinder lernen kaum noch, richtig zu schreiben und zu rechnen.

 

KĂŒrzlich wurden die Ergebnisse des „IQB-Bildungstrends 2016” veröffentlicht. Laut ZEIT-Bericht sagte KMK-PrĂ€sidentin Susanne Eisenmann (CDU) anschließend: „Die Ergebnisse sind ernĂŒchternd”. Aber nur wer vorher high war, kann durch vorhersehbare Fakten ernĂŒchtert werden.

Petra Stanat, die Leiterin der Studie, erklĂ€rt in einem SPIEGEL-Interview zu den niederschmetternden Daten allen Ernstes: „Nicht die Kinder sind das Problem, sondern das Bildungssystem”. Ich glaube, zu einer solch messerscharfen Schlussfolgerung sind schon vor vierzig Jahren Millionen Eltern gelangt, ohne eine Menge Geld in x Forschungsstudien zu investieren, durch die nichts besser geworden ist.

Ich sage Ihnen, was das Problem ist. Alle fĂŒnf Herausgeber der besagten Studie haben nie ein Lehramtsstudium absolviert und nie an einer Grundschule unterrichtet; es sei denn, sie schĂ€men sich dessen und machen es nicht publik. Jedenfalls haben meine Internet-Recherchen ergeben, dass Studienabschluss und Promotion in allen fĂŒnf FĂ€llen im Bereich Psychologie bzw. Erziehungswissenschaft erfolgten.

Und genau aus dieser praxisfremden Ecke kommen Ideen wie „Schreiben nach Gehör“ (siehe „Liber Papa ich wösche dir …” vom 7.8.2017) oder „Inklusion“, die letztlich dazu gefĂŒhrt haben, dass unsere GrundschĂŒler im Durchschnitt immer schlechter schreiben und rechnen können. Im Klartext: Die Umsetzung derartiger Utopien in der Schulpraxis war ein absoluter Irrweg. Und die betroffenen Kinder und LehrkrĂ€fte haben seit Jahren darunter zu leiden.

Aber wer ein wenig schlicht und subaltern ist, dem fehlt womöglich die Cleverness, zu merken, dass er sich selbst ins Knie geschossen hat. Oder er hat’s lĂ€ngst gemerkt, will es aber nicht zugeben. Ganz im Sinne der CDU-Vorsitzenden nach der verlorenen Bundestagswahl 2017: „Ich sehe nicht, was wir anders machen sollten”.

Wie kann das sein? Diese provozierende SelbstgefÀlligkeit, das hartnÀckige Leugnen eigener Fehler, nachdem die immensen Folgen dieser Fehler lÀngst offenkundig sind. Wesentlich sinn- und ehrenvoller wÀre es, in einer solchen Situation Georg Christoph Lichtenberg zu zitieren:

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.

Damit es wirklich gut wird an unseren Grundschulen, muss insbesondere folgendes anders werden:

  • Bei jeder Studie, die sich mit dem Thema Schule beschĂ€ftigt, mĂŒssen neben den Theoretikern die Praktiker angemessen beteiligt sein, also LehrkrĂ€fte und Schulleiter mit jahrelanger Unterrichtserfahrung.
  • Um endlich ausreichend viele und dabei hochqualifizierte LehrkrĂ€fte in unsere Grundschulen zu bekommen, muss erstens die Ausbildung der Nachwuchslehrer drastisch verbessert werden; und zweitens mĂŒssen diese Leute fĂŒr ihren Job mindestens so gut bezahlt werden wie Gymnasial- und Berufsschullehrer.
  • Statt in 16 verschiedenen Schulsystemen stĂ€ndig auf 16 verschiedene Arten herumzuexperimentieren, brauchen wir endlich ein deutsches Schulsystem aus einem Guss.

Spontan fĂ€llt mir zu den charmanten Studien-Ergebnissen Frank McCourts Buchtitel „Ein rundherum tolles Land” ein. Ja, ist es nicht toll, unser deutsches Bildungsland? Ein richtiges Tollhaus.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien fĂŒr Schule abgeschafft werden mĂŒssen.

 

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Christoph_Lichtenberg_Big.jpg?uselang=de
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