Projektf√§higkeit – ein Fremdwort f√ľr Gewohnheitstiere

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier‚ÄĚ – der Satz¬†ist nicht ungef√§hrlich. Er best√§tigt uns in unserer Bequemlichkeit und dem Festhalten an schlechten (!) Gewohnheiten.¬†Best√§tigt f√ľhlen sich beispielsweise die Pseudo-Konservativen, die nicht nur „das Gute‚ÄĚ bewahren wollen, sondern all das, woran sie gew√∂hnt sind oder sich haben gew√∂hnen lassen.

Eine spie√üige Einstellung findet man in Deutschland √ľbrigens nicht nur bei traditionellen Unionsw√§hlern (so viele gibt es ja inzwischen nicht mehr) oder AfD-Anh√§ngern, sondern ebenso¬†bei bekennenden „Progressiven‚ÄĚ.¬†Aber diese Leute sind¬†nicht progressiv. Sie bewegen sich nicht nach vorn.¬†Das Wort „Projekt‚ÄĚ (von lat. proiectum¬†– das nach vorn Geworfene) wird von ihnen st√§ndig benutzt, aber sie haben seine Bedeutung nicht verstanden (siehe „Idee und Wunsch, Ziel, Plan, Projekt‚ÄĚ).

Die tiefere Ursache f√ľr die Antriebsschw√§che, oft gepaart mit Maulheldentum, ist die¬†Angst vor der¬†eigenen Courage. Diese Angst hat keiner von Geburt an. Jeder B√ľrokrat, jeder Bedenkentr√§ger hat ja schon als Einj√§hriger Mut zum Ausprobieren von etwas Neuem gehabt. Sonst h√§tte er nie gelernt, aufrecht zu gehen. Nur, den aufrechten Gang hat er irgendwann wieder verlernt.¬†Und weil er das alles insgeheim wei√ü und folglich die Ver√§nderer, die „Projektmenschen‚ÄĚ beneidet, denunziert er sie.

Ein aktuelles Beispiel sind die Jamaika-Sondierungsgespr√§che. Da wird endlich einmal nicht ruck, zuck eine neue Regierung gebildet, sondern intensiv und nach den Regeln der Projekt-Kunst¬†√ľber Wochen und Monate ein¬†Basisplan¬†erarbeitet, bevor das neue Vierjahres-Projekt gestartet wird.¬†Und was liest und h√∂rt man? √úberwiegend lamentierende Kommentare. Wenigstens Friederike Haupt sieht das anders, in ihrem Artikel „Sondieren geht √ľber lamentieren‚ÄĚ (FAS, 5.11.2017).

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