Gefeuerte Trainer, verblödete Spieler

Fußball. Es fängt fast immer ganz harmlos an. Ein paar Jungs und Mädels, sechs oder sieben Jahre alt, laufen auf einer Wiese einem Ball hinterher. Sie rennen, rangeln, kämpfen um den Ball und haben einen Heidenspaß dabei.

Aber wehe, es ist einer dabei, der hundertmal besser ist als die anderen. Besser beim Dribbeln, P√§sse schlagen, Tore schie√üen. Dann h√∂rt der Spa√ü sehr bald auf. Die gro√üe GeldMachtGier-Maschine streckt ihre F√ľhler aus, die ersten „Dealer“ tauchen auf und der Teufelskreis beginnt: Ego statt Kameradschaft, brutale Fouls statt Fairness, Vermarktung und Menschenhandel statt Freiheit und Autonomie.

 

Bildung, Charakter, Sportsgeist – wen interessiert das noch?

Im Sportsgeist vereinen sich K√∂rper, Geist und Seele des Menschen, es geht um die Wahrheit und Echtheit der Aus√ľbung des Sports.

Diese Definition findet man bei¬†netzathleten.de; dahinter steckt MairDumont Netletix, ein Joint Venture von¬†RTL Deutschland und der Verlagsgruppe MairDumont.¬†Alles klar? W√§hrend Naivlinge wie ich bei „K√∂rper, Geist & Seele“ an Charakterbildung im Sinne der Projektphilosophie-Uhr denken, haben diese Experten f√ľr Sportsgeist schlicht „Profit, Profit & Profit“ im Sinn.

Nils Petersen, St√ľrmer beim SC Freiburg, hat k√ľrzlich in einem FOCUS-Interview¬†das Elend der Fu√üballgladiatoren sehr treffend beschrieben:

Manchmal sch√§me ich mich, weil ich so wenig Wissen von der Welt besitze. (…)¬†Ich habe nichts gelernt, keine Ausbildung gemacht (…) Salopp gesprochen, verbl√∂de ich seit zehn Jahren, halte mich aber √ľber Wasser, weil ich ganz gut kicken kann.

Profifu√üball-Trainer werden inzwischen in immer k√ľrzeren Abst√§nden entlassen. Wieso eigentlich? So unf√§hig k√∂nnen all die gefeuerten Ancelottis, St√∂gers und Bosz’s doch nicht sein. Der Spieler Petersen gibt uns den entscheidenden Hinweis.¬†Die jungen Stars sind in Sachen

Bildung

und Charakter schlicht unterbelichtet. Sie werden gehätschelt, manipuliert, korrumpiert. Sie kommen mit ihren Protz-Schlitten verspätet zum Training und glotzen auf ihre Smartphones, statt dem Chefcoach zuzuhören, denn sie wissen: Der kassiert nicht halb so viel Kohle im Monat wie sie.

 

Tipp eines alten Philosophen: Sapere aude

Was macht ein junger, reicher Sportprofi, wenn er eines Tages f√ľnfzig ist? Ist er dann immer noch reich? Und ungebildet? Der f√ľnfzigj√§hrige, hoch verschuldete Boris Becker kennt inzwischen die Antwort. Nils Petersen kennt sie heute schon – ein junger Fu√üballer, der den Mut hat, nachzudenken.¬†Ihm sollte man ein Denkmal setzen, nicht Ronaldo oder Maradona.

 

Foto: Derek Jensen; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Youth-soccer-indiana.jpg?uselang=de
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