Weg mit dem Azubimangel! Her mit der Pflicht zum Sozial- oder Wehrdienst!

„Weg mit …“. Den ungek√ľrzten p√∂belhaften Titel der neuesten SPIEGEL-Kolumne von Margarete Stokowski („Wir m√ľssen √ľber Penisse reden …“) haben Sie vielleicht schon gesehen. Jedenfalls fand ich die Kolumne anregend, auch im Hinblick auf den vorliegenden Artikel.

Aber statt Sie mit Scherzen √ľbers Rohrverlegen zu langweilen, frage ich Sie: Was machen Frau Stokowski und all die anderen Sozial- und Geisteswissenschaftler, wenn nach einem Wasserrohrbruch die Wohnung √ľberflutet ist¬†und tats√§chlich ein neues Rohr verlegt werden muss? Und¬†wenn wochenlang kein Handwerker, ob mit oder ohne Penis, verf√ľgbar ist, der den Schaden beheben kann?¬†Wir m√ľssen √ľber Azubimangel reden.

Beim diesj√§hrigen¬†Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK)¬†in D√ľsseldorf werde ich in den Ring steigen. Schwerpunkt wird dort eines¬†meiner Lieblingsthemen sein,¬†der¬†Azubi- und Fachkr√§ftemangel mit seinem siamesischen Zwilling¬†Akademisierungswahn. Nicht zuletzt deshalb verfolge ich nach wie vor die Neuigkeiten zu diesem Thema.¬†In einem aktuellen SPIEGEL-Artikel wird der 24-j√§hrige Max Geithner zitiert:

Viele wissen nach dem Abi nicht, was sie beruflich machen wollen, deswegen gehen sie erst einmal studieren.

Wie kann das sein? Unsere Jugendlichen werden zum Abi geschoben und zur Uni getragen. Sie¬†werden geh√§tschelt, alle Steine werden aus dem Weg ger√§umt, die T√§ler gef√ľllt und die Berge geebnet (Lukas 3,1-18), als sei jeder von ihnen ein Messias, auf den die Welt gewartet hat.

Sie fliegen nach Australien, langweilen sich und wissen nicht, was sie wollen. Deshalb „gehen sie erst einmal studieren“ – inzwischen sind es mehr als¬†500.000 jedes Jahr.¬†Und die Eltern von circa 200.000 dieser Hoffnungstr√§ger wundern sich etliche Jahre sp√§ter, dass der Sohn oder die Tochter das Studium abbricht und mit 23 Jahren als Azubi anheuert – wie etwa der oben erw√§hnte Max Geithner.

Was soll diese gigantische Zeit- und Geldverschwendung? Wenn 200.000 junge Leute pro Jahr nach durchschnittlich zwei Jahren ihr Studium abbrechen, werden dadurch j√§hrlich Steuergelder in H√∂he von circa 4 Milliarden Euro verballert. K√∂nnte man das Geld nicht besser in marode Schulen und √ľberlastete Kitas investieren?

Auf der anderen Seite lesen wir, z. B. im oben zitierten SPIEGEL-Artikel, auf welch lächerliche Weise sich mittlerweile Handwerksbetriebe jungen Leuten anbiedern, damit diese endlich Interesse an einer Berufsausbildung zeigen. Ich schlage vor, den Spieß umzudrehen. Oder nennen wir es

Umkehr der Beweislast.

Nicht die Hochschulen und Betriebe m√ľssen den Beweis erbringen, dass sie gut genug sind f√ľr die Schulabg√§nger, sondern diese m√ľssen beweisen, dass sie es wert sind,¬†Milliarden in ihre akademische Laufbahn zu investieren.

Konkret könnte das so aussehen:

  • Wiedereinf√ľhrung der Wehrpflicht, die immer noch im Grundgesetz verankert ist (siehe:¬†Statement von Helmut Schmidt, ZEIT, 15.12.2010)
  • jeder junge Mensch kann statt in der Bundeswehr auch im Sozial- oder Gesundheitswesen diese Pflicht erf√ľllen
  • in jedem Fall wird am Ende der Pflichtzeit ein Arbeitszeugnis ausgeh√§ndigt, in dem die gezeigten Kompetenzen und Leistungen beschrieben sind
  • der Staat sorgt in den genannten Bereichen f√ľr ein ausreichendes Angebot an Azubi-Stellen, d. h. durch zeitliche Verl√§ngerung des Wehr- oder Sozialdienstes ist ein Berufsabschluss m√∂glich
  • umgekehrt wird die Pflichtzeit verk√ľrzt, wenn der junge Mensch eine Berufsausbildung in einem IHK- oder Handwerksbetrieb durchl√§uft
  • Zulassungsvoraussetzung f√ľrs Studium ist neben dem Hochschulreifezeugnis ein Arbeitszeugnis.
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1 Kommentar

  1. Heinrich Derksen —   22. Januar 2018, 12:24 Uhr

    Ich kann deinen Vorschlägen viel Gutes abgewinnen! Als einer der letzten, die Wehrdienst leisten mussten, weiß ich auch: Die Bundeswehr ist garkein so schlechter Arbeitgeber wie viele denken. Selbst als Gefreiter hat mir der Berufsförderungsdienst eine Woche Sonderurlaub und einen Linuxkurs an der Volkshochschule organisiert und bezahlt. Und ich glaube, dieses Bewusstsein, dass man Wehrdienst/Sozialdienst zur beruflichen Orientierung gut einsetzen kann, ist teilweise verloren gegangen.

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