Episch.

Fußball-WM 2018: La Mannschaft gewinnt gegen Schweden.
In Unterzahl. In letzter Minute.

 

In meinem vorletzten Artikel habe ich das deutsche Team hart kritisiert. Oder genauer, die Einstellung der deutschen Fußball-Millionäre im Spiel gegen Mexiko. Und ich denke, zu Recht.

Gestern im Spiel gegen Schweden war alles anders. Das war kein NIVEA-Ball, es war Fu√üball.¬†Thomas Hitzlsperger hat recht: Manchmal reicht die intrinsische Motivation nicht aus, um zum Erfolg zu kommen. Du musst einfach w√ľtend genug sein, w√ľtend auf Deine Kritiker, um zur H√∂chstleistung aufzulaufen.

Toni Kroos, der Held des gestrigen deutschen Fu√üballabends, meinte nach dem Spiel: Manche „daheim“ h√§tten sich ja schon gew√ľnscht, dass die deutsche Mannschaft beim Spiel gegen Schweden aus dem Turnier fliegen w√ľrde. Denen habe man es zeigen wollen.

Nein, Toni, gew√ľnscht haben wir daheim uns einfach, dass Ihr Jungs aus der Niederlage gegen Mexiko lernt. Dass Ihr wach werdet, Euch besinnt auf Eure St√§rken. Kritik kann dem Kritisierten helfen, wenn er bereit ist, zu lernen, zu arbeiten und zu k√§mpfen.

An Tagen wie diesen … tun mir die Menschen leid, die sich nichts aus Fu√üball machen. Was ist n√§her dran am Leben als Fu√üball? Was lehrt uns mehr √ľber uns, √ľber unsere √Ąngste, unsere Tr√§ume und √ľber unseren inneren Schweinehund?

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Die Vision einer Transatlantischen Konföderation

Die neue G7: Kanada, Frankreich, Deutschland, √Ėsterreich, Benelux

 

In den Zeiten von Xi, Trump und Putin tr√§umen viele US-Demokraten von der Nach-Trump-√Ąra, deren Beginn noch v√∂llig offen ist.¬†Demokraten in Deutschland sollten sich jetzt schleunigst Gedanken machen √ľber die Zeit nach Merkel. Sie wird vermutlich sehr bald beginnen.

Das letzte Treffen der Gruppe der Sieben (G7) hat gezeigt, dass dieses Format klinisch tot ist. Das liegt vor allem an Donald Trump, aber auch an Angela Merkel.

Die Geschichte ist ein unbestechlicher Richter. Die bisherigen großen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland waren Adenauer, Brandt und Рmit Abstrichen РKohl. Jeder von ihnen hatte ein großes Projekt: Aussöhnung mit dem Westen (Adenauer); Aussöhnung mit dem Osten (Brandt); Wiedervereinigung Deutschlands und Europas (Kohl). Alle anderen Kanzler waren Macher (Schmidt, Schröder) oder Zauderer/Verwalter (Erhard, Kiesinger, Merkel), sie waren keine Projektmenschen.

H√∂chste Zeit f√ľr Aufbruchstimmung, f√ľr einen Neuanfang mit Macron und Trudeau. Hier ist meine Projektskizze f√ľr die Gr√ľndung eines neuen Bundesstaats (nicht Staatenbunds!) Transatlantische Konf√∂deration:

  • Gr√ľndungsstaaten:¬†Kanada, Frankreich, Deutschland, √Ėsterreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg
  • Hauptstadt: Luxemburg
  • Amtssprachen: Franz√∂sisch, Deutsch, Englisch
  • W√§hrung: Euro
  • Nationalflagge: Europafahne mit Ahornblatt
  • Pr√§sidialsystem nach franz√∂sischem Vorbild
  • Nukleare Streitmacht auf der Basis der Force de frappe
  • Anzahl Einwohner: zur Zeit ca. 220 Millionen
    (zum Vergleich: China ca. 1.400 Mio., USA 326 Mio., Russland 144 Mio.)
  • Fl√§che: ca. 11.100 Quadratkilometer
    (zum Vergleich: China 9.600, USA ca.  9.800, Russland 17.100)
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): zur Zeit ca. 9,1 Billionen US-Dollar
    (zum Vergleich: China 11,2; USA 18,6; Russland 1,3 (!))
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Deutscher Fußball bei der WM 2018: aufgeblasen, weich und schlapp.

Aus dem deutschen Fu√üball ist ein NIVEA-Ball geworden. Die ganze Welt lacht sich schlapp √ľber dieses Kindergepl√§nkel am Strand, das nichts mehr mit Profi-Fu√üball auf’m Platz zu tun hat.

Jogis Jungs sind nicht mehr unsere Jungs. Sie be√§ugen aufmerksam die Gaga-Frisuren, Tattoos und Tweets ihrer Gegner und vergessen die eigene Strategie und Taktik. Sie treffen sich mit ihrem Cheftrainer zum Werbe-Dreh f√ľr Gesichtscreme oder Bier und treffen das Tor nicht mehr. Sie lassen sich l√§chelnd mit einem Diktator fotografieren, der die Einigkeit von Muslimen und Christen, das Recht und die Freiheit mit F√ľ√üen tritt, und wenn vor dem Ansto√ü die Hymne unserer Republik gesungen wird, schweigen sie schon bei der ersten Textzeile mit finsterer Miene.

Immer mehr Fans wenden sich ab von den dreißigjährigen verwöhnten Kindern, die nur kassieren und nicht liefern. Die schon morgens um sieben Uhr keine Selbstachtung mehr haben und sich von jedem kaufen lassen, der genug zahlt.

Mir f√§llt hierzu die Anekdote von Mark Twain ein, der im reifen Alter bei einem Diner neben einer attraktiven jungen Frau sa√ü und sie beil√§ufig fragte: „W√ľrden Sie f√ľr eine Million Dollar mit mir schlafen?“ Nach kurzem Z√∂gern meinte sie: „Warum nicht?“ Darauf Twain: „W√ľrden Sie es auch f√ľr f√ľnf Dollar tun?“ Die entr√ľstete Antwort: „Was glauben Sie, wer ich bin?“ „Nun“, sagte der alte Herr, „diese Frage haben wir bereits gekl√§rt. Es geht nur noch um den Preis.“

P. S.: Die Alternative zum Fußball: Synchronschwimmen. Jogi-Dämmerung, Angie-Dämmerung.

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Da lachen ja die H√ľhner

Streikrecht f√ľr Beamte? Fehlanzeige.

 

Man stelle sich vor, Arbeiter und Angestellte, die gerade ihren Job verloren haben, gehen auf die Stra√üe und fordern: unk√ľndbare Arbeitsvertr√§ge sowie beim Erreichen der Altersgrenze eine monatliche Rente in H√∂he der Pension eines Oberregierungs- oder Oberstudienrats im Ruhestand.

Na, da lachen ja die H√ľhner. Aber das hier ist Realit√§t:

Das Bundesland Hessen nimmt 4200 Disziplinarverfahren gegen beamtete Lehrer wieder auf. Sie waren vor drei Jahren f√ľr mehr Geld und k√ľrzere Arbeitszeiten auf die Stra√üe gegangen, obwohl sie dies nicht durften.

So steht es in einem aktuellen¬†SPIEGEL-Artikel. Das hei√üt, die 4200 Staatsdiener kriegen jetzt „fiesen¬†√Ąrjer“, wie man in K√∂ln sagt. Denn das Bundesverfassungsgericht hat soeben das Streikverbot f√ľr Beamte best√§tigt (tagesschau.de).

In einem ntv-Kommentar heißt es:

Niemand will Lehrern verbieten, f√ľr ihre √úberzeugungen zu demonstrieren (…) Sie sollen es ja nur nicht w√§hrend der Unterrichtszeit machen. Soviel Loyalit√§t dem Staat, und im √úbrigen auch den B√ľrgern gegen√ľber, ist nicht zu viel verlangt. Wer im Staatsdienst arbeitet und anderer Ansicht ist, kann seinen Beamtenstatus im √úbrigen jederzeit aufgeben, in die freie Wirtschaft wechseln – und f√ľr faire L√∂hne streiken.

Und jetzt lachen weder H√ľhner noch Beamte, sondern die Arbeiter und Angestellten.

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Kluge Kinder sollten Akademiker als Eltern haben …

… andernfalls haben sie es schwerer als normal Begabte.

 

In „Zu viel Schule“ habe ich √ľber „Achtzehn beliebte Irrt√ľmer zum Thema Bildung“ geschrieben. Den Abschnitt √ľber den dritten Irrtum habe ich mit „Halo, Pygmalion & Co.“ √ľberschrieben.

Kurz gesagt laufen¬†Halo-Effekt und¬†Pygmalion-Effekt darauf hinaus, dass gut aussehende Kinder und ebenso die S√∂hne und T√∂chter von Akademikern von vielen Lehrpersonen bessere Schulnoten als andere Sch√ľler erhalten – f√ľr die gleiche Leistung.

Armin Himmelrath berichtet nun in seinem neuen SPIEGEL-Artikel von einer aktuellen Langzeitstudie, die zu verbl√ľffenden Resultaten gelangt ist:

Gymnasiasten, deren Eltern ein niedriges Bildungsniveau haben, fallen im Laufe ihrer Schulzeit immer weiter zur√ľck. Besonders gro√ü ist die Gefahr, wenn sie in der f√ľnften Klasse in Mathematik und Deutsch noch Einsen auf dem Zeugnis stehen hatten. Das ist das √ľberraschende Ergebnis einer noch unver√∂ffentlichten Langzeitstudie von Bildungsforschern (…).

Wie meistens bei solchen Studien lassen sich die genauen Ursachen des Problems nicht einwandfrei belegen. „Dennoch“, so hei√üt es in dem Artikel, „sollten Bildungspolitik und Lehrer nicht auf diese Ursachenanalyse warten, bevor sie reagieren (…) Wichtig sei es jetzt, auf die besonders guten F√ľnftkl√§ssler mit wenig bildungsstarkem Elternhaus ‚ein besonderes Augenmerk der Schul- und Bildungspolitik‘ zu legen“.

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Ramos РHeld oder Zerstörer?

Ein Nachtrag zu „Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten“ vom 27. Mai

 

In meinem Artikel vom 27.5. habe ich zwei verschiedene Sichtweisen auf ein und denselben Vorgang, nämlich das CL-Finale in Kiew am 26.5., beschrieben. Dabei ging es auch um zwei völlig entgegengesetzte Beurteilungen des Real-Madrid-Stars Sergio Ramos.

Die einen sehen in ihm einen Helden und Ausnahmefußballer. Die anderen Рund ich gestehe, dass ich zu ihnen gehöre Рsagen: Der Mann ist ein exzellenter Fußballer, aber ständig gehen mit ihm die Pferde durch; um ein Fußballmatch zu gewinnen, ist ihm jedes Mittel recht, vorzugsweise versteckte, brutale Fouls Рer wird zum Käfigkämpfer auf dem Fußballrasen.

Zu den Fakten: Laut Wikipedia ist Ramos

(…) auch f√ľr seine harte Spielweise und h√§ufige Fouls bekannt. Er h√§lt den Rekord f√ľr die meisten gelben Karten (222) und roten Karten (24) eines Spielers bei Real Madrid sowie f√ľr die meisten roten (19) und gelben Karten in der Primera Divisi√≥n (165) und spanischen Nationalmannschaft (21).

Vor weniger als einer Stunde wurde ein FOCUS-Artikel veröffentlicht. Danach

(…) lie√ü der FC Liverpool Torwart Loris Karius nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid auf eine Gehirnersch√ľtterung untersuchen.

Ergebnis: Der konsultierte Bostoner Spezialist f√ľr Kopfverletzungen hat festgestellt, dass Karius im CL-Finale durch den Ramos-Ellenbogensto√ü eine Gehirnersch√ľtterung erlitt. Anschlie√üend unterliefen dem Liverpooler Torwart bekanntlich die unfassbaren Fehler, die zu zwei Real-Toren f√ľhrten.

Ich glaube, jeder von uns muss sich fragen, auch mit Blick auf die Fußball-WM: Will ich Fußball oder Kampfsport sehen? Und: Bringen Spieler wie Ramos den Fußballsport voran oder zerstören sie ihn Рals Söldner derer, die mit immer größeren Geldsummen diese Sportart immer mehr pervertieren?

P. S.: Seitens FC Liverpool gibt es bisher keine offizielle Stellungnahme zum Fall Karius. Man kann vermuten, dass die Vereinsbosse stattdessen ihrem Mitarbeiter J√ľrgen Klopp deutliche Hinweise geben, wie er als Trainer in Zukunft seine Spieler zu „programmieren“ hat.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Russia-Spain_2017_(6).jpg?uselang=de
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achtsam sprechen, achtsam zuhören

Buchtipp: Thich Nhat Hanh / Bewusste Kommunikation

 

Es gibt B√ľcher, die ein Leben ver√§ndern k√∂nnen – unter der Voraussetzung, dass die Leserin, der Leser sich mit dem Autor auf die Reise macht, sich befreit von „Gewohnheitsenergie“, wie¬†Thich Nhat Hanh¬†es nennt.

 

Schon mehrfach habe ich √ľber den au√üergew√∂hnlichen M√∂nch aus Vietnam, sein Leben¬†und seine Botschaft an uns berichtet, zuletzt in einer Kurzbesprechung seines Ratgebers „Einfach sitzen‚ÄĚ.

Auch in seinem Buch¬†„achtsam sprechen, achtsam zuh√∂ren‚Ä̬†(O. W. Barth Verlag, 2014)¬†klingt vieles ungewohnt f√ľr die Ohren eines n√ľchtern-sachlichen Mitteleurop√§ers, manches wird er als Zumutung empfinden: „Dem inneren Kind zuh√∂ren‚ÄĚ, „tief hineinschauen‚ÄĚ, oder „Ich leide, bitte hilf mir‚ÄĚ ‚Äď solche Worte findet man eher selten bei Twitter, WhatsApp, FAZ oder SPIEGEL.¬†Und genau darum geht es.

Die ersten Sätze im vorliegende Buch lauten:

Nichts und niemand kann ohne Nahrung leben. Alles, was wir zu uns nehmen, wirkt entweder heilend oder es schadet uns.

Anschließend erklärt uns der Autor, dass jede Art von Kommunikation auch Nahrung ist. Und dass wir beim Zuhören, Sprechen und Schreiben ebenso achtsam sein sollten wie beim Essen und Trinken.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf gesunde Ernährung achten, ist ein solcher Einstieg ins Thema Kommunikation ein kluger Schachzug. Denn so achtlos sich viele von uns noch vor wenigen Jahren ernährt haben, so dumm ist heute oft unser Verhalten in Gesprächen, Telefonaten und beim Schreiben von E-Mails Рim beruflichen wie auch im familiären Umfeld.

Thich Nhat Hanh h√§lt uns in seinem Buch den Spiegel vor, aber er beschreibt auch handfeste Methoden, mit denen wir zu mehr Verst√§ndnis f√ľr das Leiden anderer gelangen, zu mehr Freundlichkeit und weniger Ichbezogenheit.

Liebe lap-land-Fans, ich habe dieses Buch in den letzten Tagen mit Bedacht und mit viel Freude gelesen, während eines Kurzurlaubs in Versailles. Und ich habe beschlossen, einiges in meinem Leben zu ändern. Dabei habe ich mir selbst Рwie von Thich Nhat Hanh empfohlen Рeine Deadline gesetzt, als es beispielsweise um das Schreiben eines versöhnlichen Briefs ging.

Buchcover: Verlagsgruppe Droemer Knaur; https://www.droemer-knaur.de/buch/7985395/achtsam-sprechen-achtsam-zuhoeren
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Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten

Was ist Wahrheit? Eine spannende und sperrige Frage – f√ľr Philosophen, Richter und betrogene Ehepartner, Freunde, Politiker.¬†Wer es sich einfach machen will, sagt, es gibt keine. Zumindest nicht die eine. Wer skrupellos ist, behauptet st√§ndig irgendetwas und eine Stunde oder einen Tag sp√§ter das Gegenteil, ohne sich jemals f√ľr seine L√ľgen zu entschuldigen.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Liverpool gegen Real Madrid.
– Die Engl√§nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der √Ągypter Salah ist der gef√§hrlichste St√ľrmer des Liverpooler Teams.
РIn der 31. Minute*) muss Salah nach einem Zweikampf mit dem Real-Kapitän Ramos ausgewechselt werden. Liverpool gerät nun in die Defensive.
– In der Folgezeit unterlaufen dem Liverpooler Torwart Karius zwei unfassbare Fehler. Von dem zweiten Fehler profitiert Torsch√ľtze Bale, der erst nach einer Stunde eingewechselt worden ist; schon vorher hat er ein Traumtor erzielt.
– Ergebnis: 3:1 f√ľr Madrid. Matchwinner: Bale. Tragische Helden: Liverpools Torwart Karius und sein Trainer Klopp. Fazit: Ein gro√üartiger Fu√üballabend, die individuelle Klasse der Madrilenen hat sich durchgesetzt.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Real Madrid gegen Liverpool.
– Die Engl√§nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der √Ągypter Salah ist der gef√§hrlichste St√ľrmer des Liverpooler Teams.
– Real-Kapit√§n Ramos erkennt, dass dieses Spiel mit fu√üballerischen Mitteln f√ľr Madrid nicht zu gewinnen ist. In der 31. Minute*) rei√üt er Salah durch eine filmreife Kung-Fu-Einlage so zu Boden, dass dieser ausgewechselt werden muss. Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt sehen in der Wiederholung diesen brutalen Regelversto√ü, aber es gibt nicht einmal die gelbe Karte f√ľr Ramos.¬†Liverpool ger√§t nun in die Defensive.
– In der 49. Minute attackiert Ramos einen anderen Liverpooler Schl√ľsselspieler:¬†Im F√ľnf-Meter-Raum¬†rammt er dem gegnerischen Torwart Karius seinen Ellenbogen gegen den Sch√§del. Karius geht zu Boden, greift sich an den Kopf, aber er beschwert sich nicht und spielt weiter (–> BILD). In der Folgezeit unterlaufen demselben Torwart zwei unfassbare Fehler, wodurch Madrid quasi zwei Tore geschenkt bekommt.
– Ergebnis: 3:1 f√ľr Madrid. Matchwinner: Ramos. Abgezockter Strippenzieher: Real-Coach Zidane. Fazit: Eine Niederlage f√ľr den Fu√üball, die Liverpooler sind durch brutale Regelverst√∂√üe um den Sieg gebracht worden.

Welche der beiden Geschichten ist die wahre? Oder gibt es eine dritte?

Fotos: Wikimedia

*) Korrigiert am 27.5., 17:10 Uhr: Salahs Auswechslung erfolgte nicht in der zweiten Halbzeit, sondern in der 31. Minute; die Ellenbogen-Attacke spielte sich anschließend ab, in der 49. Minute.

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Projektphilosophie-Uhr 2018

In meinem Artikel vom 21. Mai war vom Heiligen Geist die Rede. Wie dort angek√ľndigt, habe ich die Projektphilosophie-Uhr (2012) inzwischen ein wenig √ľberarbeitet.

Hier ist die Projektphilosophie-Uhr 2018 (durch Anklicken erhalten Sie die vergrößerte Grafik als pdf-Datei):

 

 

Gegen√ľber 2012 gibt es im Inneren der Uhr, dem hellgrauen Zifferblatt, keinen Unterschied. Die Eigenschaften „freundlich (1), zuverl√§ssig (2) …“, angelehnt an die Tugenden des Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik,¬†bleiben also erhalten.

Geändert haben sich einige Begriffe außerhalb des Zifferblatts:

  • „richtige Mitte“ statt „Goldene Mitte“ (3):
    Dadurch sollen Missverst√§ndnisse vermieden werden; Aristoteles‘ zentraler Begriff „Mesotes“ wird √ľblicherweise mit „richtige Mitte“ √ľbersetzt.
  • „Herzensg√ľte“ statt „Liebe“ (4):
    Beim Schreiben des Royal-Wedding-Artikels vom 21.5. bin ich zu der √úberzeugung gelangt: Liebe und Tod sind Begriffe, die sich¬†nicht in eine Liste von zw√∂lf Tugenden einordnen lassen. Man k√∂nnte sie allenfalls in der Mitte der Uhr in Klammern hinter „Gelingendes Leben“ setzen.
  • „Selbstachtung“ statt „Ehre“ (7):
    Auch hier will ich Missverständnisse vermeiden, beispielsweise durch die Assoziation Ehre-Ehrenmord.
  • VERSTAND statt GEIST (als Komplement zu K√ĖRPER und SEELE):
    Meine Sch√ľler haben mich immer wieder gefragt: Was ist denn der Unterschied zwischen Geist und Seele, wieso √ľberhaupt zwei verschiedene Begriffe zur Abgrenzung von „K√∂rper“?
    Durch das Wort VERSTAND wird die Sache vermutlich klarer.¬†Denn¬†bei GEIST denken manche an den Heiligen Geist¬†und an Spiritualit√§t, womit wir schon nahe beim Begriff der SEELE sind; bei VERSTAND jedoch geht es ums Denken, um Logos, wof√ľr im Christentum Gott bzw. Gottvater steht. √úbrigens, die Bez√ľge VERSTAND-Logos-Vater, SEELE-Spiritus-Heiliger Geist, K√ĖRPER-Leib Christi liegen auf der Hand.

Falls ich mit solchen √úberlegungen die religi√∂sen Gef√ľhle einer Leserin oder eines Lesers verletzt haben sollte, so tut mir das leid, es war nicht meine Absicht. Ich denke, Achtsamkeit (3) schlie√üt nicht aus,¬†zum Nachdenken anzuregen und sich f√ľr die Freiheit (10) des Denkens (12) einzusetzen.

Freies, unverkrampftes Denken hat viel mit Humor (9) zu tun. Und Humor braucht jeder von uns, um immer wieder die Balance von Körper, Verstand und Seele zu finden.

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In eigener Sache: Das Kommentieren …

… in lap-land wird auf Grund der neuen Datenschutzrichtlinien in K√ľrze wieder nach dem urspr√ľnglichen Modus ablaufen, d. h. ohne dauerhaftes Speichern pers√∂nlicher Daten. Wir bitten um Verst√§ndnis f√ľr diese pragmatische Entscheidung.

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Möge der Heilige Geist mit dir sein

Meghan und Harry, Liebe und Tod

 

Pfingstsamstag 2018: Royal Wedding in Windsor Castle. Überraschender Höhepunkt ist die feurige Predigt des US-Bischofs Michael Bruce Curry. Sie ist charismatisch, historisch, revolutionär.

Mag sein, dass der Bischof etwas zu lang gesprochen hat. Aber auf den Gesichtern der¬†versammelten Hochzeitsg√§ste – Prominente aus aller Welt, k√∂nigliche Familie, die Top 100 des britischen Hochadels – sieht man keine Langeweile, sondern Erstaunen, Irritation, Entsetzen. Einige sind belustigt, viele vom Donner ger√ľhrt. Und die Braut, eine geschiedene, emanzipierte US-Schauspielerin, zeigt ein wissendes L√§cheln.

Ja, was machst du in einer solchen Situation als Mitglied des House of Lords? Wenn dieser farbige Prediger zun√§chst √ľber Liebe und Tod, pl√∂tzlich jedoch √ľber Sklaverei, Hunger und Armut spricht? Du kannst nicht weglaufen. Du musst h√ľbsch sitzenbleiben und dir das anh√∂ren. Zwischenrufe nicht erw√ľnscht. Dies ist eine Kirche, kein Parlament oder Club.

Ich vermute, das Problem ist, dass in einer westlich-materialistischen Gesellschaft die meisten Menschen keinen blassen Schimmer von Pfingsten haben – deshalb sind sie v√∂llig √ľberrascht von einer solchen Predigt. Halloween, Star Wars? Gut. Ramadan? Schon mal geh√∂rt. Aber was zum Teufel bedeutet Pfingsten? Heiliger Geist, Dreifaltigkeit,¬†Zungenrede, Charisma? Hm.

Die christliche Idee der Dreifaltigkeit wurde √ľber Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert, kritisiert und missverstanden. Mir fallen¬†Projektphilosophie-Uhr¬†und K√∂rper-Geist-Seele ein. Demn√§chst mehr davon.

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Ein Schlag ins Gesicht des deutschen Schulsystems

Deutscher Schulpreis 2018

 

Seit 2006 vergibt die Robert-Bosch-Stiftung den Deutschen Schulpreis. In diesem Jahr erhielt ihn das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald, die Laudatio hielt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Wenn Sie den betreffenden SPIEGEL-Artikel oder auch die Berichte in der S√ľddeutschen Zeitung oder der ZEIT lesen, wird Ihnen schnell klar: Diese ausgezeichnete evangelische Privatschule in Greifswald ist das exakte Gegenteil einer „normalen“ √∂ffentlichen Schule in Deutschland. In Greifswald gibt es

  • praktisch keine Teilung Grundschule / weiterf√ľhrende Schule und somit keine Schulwechsel-Probleme; im Prinzip haben wir hier eine Volksschule √† la Finnland, wie ich sie in meinem Buch „Zu viel Schule“ vor zwei Jahren gefordert habe
  • kaum Frontalunterricht, stattdessen – √§hnlich wie in Montessori-Schulen – viel freies, selbstbestimmtes Lernen sowie jahrgangs√ľbergreifende Lerngruppen
  • keine Zensuren (Ziffernoten) bis zur neunten Klasse und
  • funktionierende Inklusion.
  • In einer Sch√ľlerfirma lernen die Sch√ľler „den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt ‚Wohnungstraining‘ wird in einer angemieteten Wohnung f√ľr die eigene Selbstst√§ndigkeit ge√ľbt“ (ZEIT, 14.5.2018).

Benjamin Skladny, der Leiter der Martinschule, wird im SPIEGEL folgendermaßen zitiert:

Es ist bei uns grunds√§tzlich anders als das gesamte Schulsystem in Deutschland, das ich f√ľr fast unreformierbar halte.

Fassen wir zusammen:

  • Die beste deutsche Schule ist die Martinschule¬†in Greifswald.
  • Greifswald ist ein Teil von Deutschland.
  • Die Martinschule ist kein Teil des deutschen Schulsystems.
    Daraus folgt:
  • Die beste deutsche Schule befindet sich in Deutschland,
    jedoch nicht innerhalb des deutschen Schulsystems.
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Die W√ľrde des Menschen

Buchtipp: „Sterbefasten“ von Christiane zur¬†Nieden

 

Lassen Sie uns √ľbers Sterben reden“ lautet der Titel einer neuen BILD-Serie. Ja, was machst du als Sensationsreporter, wenn es kaum noch ein Tabu gibt, das man brechen kann? Du nimmst das letzte, den Tod.

Das ist die Sensation: Jeder von uns wird sterben, ob es ihm nun gerade passt oder nicht. Aber welche M√∂glichkeiten gibt es in unserem Kulturkreis √ľberhaupt noch, in W√ľrde sein Leben enden zu lassen? Wom√∂glich sogar in dem Haus oder der Wohnung, wo man gelebt hat und alt geworden ist?

In einer Zeit der Apparatemedizin und des „Wegschlie√üens“ von alten, hilflosen Menschen ist das w√ľrdelose Sterben l√§ngst zur Norm geworden. Doch es gibt eine Alternative, die vermutlich nur wenigen bekannt ist. Christiane zur Nieden beschreibt sie in ihrem Buch „Sterbefasten“ (Mabuse-Verlag, 2. Auflage 2017). Im Kapitel „Begriff und Geschichte“ hei√üt es:

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Fl√ľssigkeit*) ist so alt wie die Menschheit selbst. (…) Es wird von alten, gebrechlichen Pr√§rie-Indianern berichtet, die sich mit klarem Verstand von ihrem Stamm verabschiedeten, um alleine zur√ľckzubleiben, wenn dieser aufbrach, um neue Weidegr√ľnde zu suchen. Auch im Jainismus (…) ist das Selbstt√∂ten durch Fasten bis zum Tode als einzige Selbstt√∂tungsform erlaubt.

Das Buch ist vor allem deshalb so authentisch und stellenweise ergreifend, weil die Autorin in den ersten Kapiteln die letzten Lebenswochen ihrer eigenen Mutter beschreibt, die sich f√ľr diese selbstbestimmte, nat√ľrliche Art des Sterbens entschieden hat. Es liegt auf der Hand, dass dies kein leichter Weg ist. Er ist eine immense Herausforderung f√ľr die Menschen, die den Sterbenden auf diesem Weg begleiten. Aber zugleich ist er eine gro√üe Chance in Richtung gelingendes Leben und gelingender Prozess des Sterbens.

*) In der Palliativmedizin ist die g√§ngige Abk√ľrzung hierf√ľr:¬†FVNF.
Buchcover: Mabuse-Verlag, https://www.mabuse-verlag.de/Mabuse-Verlag/Produkte//Mabuse-Verlag/Unsere-Buecher/Ratgeber-Erfahrungsberichte/Sterbefasten/id/b1f649c9-41f2-c3af-1293-145fb5428843
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Blick in den R√ľckspiegel

Zwei Todesf√§lle in der Gro√üfamilie innerhalb weniger Tage – da kommen aus verschiedenen Ecken vielf√§ltige Erinnerungen an die Oberfl√§che des Bewusstseins. Es sind nicht nur sch√∂ne Dinge, an die du dich erinnerst. In die Trauer – vor allem die Trauer √ľber das Unwiederbringliche fr√∂hlicher Stunden – mischt sich hier und da nachwirkender √Ąrger √ľber erlittene Kr√§nkungen und dann das Bedauern √ľber Fehler, die du selbst gemacht hast. Jetzt ist es zu sp√§t, um noch irgendetwas zu kl√§ren oder um Verzeihung zu bitten.

Du blickst in den R√ľckspiegel. Du denkst nicht nur an die, die vor einigen Tagen gestorben sind, sondern an viele andere. An Menschen, die dir die liebsten waren und mit denen du nie mehr zusammen essen und trinken, reden, lachen und singen kannst.

youtube abspiel button  Looking back over my shoulder

Heute habe ich mir diesen Song, den ich sehr sch√§tze, noch einmal angeh√∂rt. Mehr als sonst haben mich diesmal Musik und Text ber√ľhrt.¬†But it’s enough to make a grown man cry …¬†Everyday, it’s a losing battle¬†Just to smile and hold my head up high …

In den R√ľckspiegel schaute wenige Jahre vor seinem Tod auch¬†Dilgo Khyentse, einer der bedeutendsten buddhistischen Meister des vorigen Jahrhunderts und¬†ehemaliger Lehrer des Dalai Lama, am Ende einer seiner Belehrungen. Sein Sch√ľler Sogyal Rinpoche hat die Szene f√ľr uns festgehalten*).

„Wir alle schauten auf zu diesem g√ľtig leuchtenden Berg von einem Mann, der gleichzeitig Gelehrter, Poet und Mystiker war … Er machte eine Pause und blickte in die Ferne:

Ich bin nun achtundsiebzig Jahre alt und habe in meinem Leben so viel gesehen. So viele junge Menschen sind gestorben, so viele Menschen in meinem Alter und so viele, die √§lter waren als ich. So viele Menschen, die an der Spitze standen, sind tief gefallen. So viele Menschen, die unten waren, sind an die Spitze aufgestiegen. So viele L√§nder haben sich ver√§ndert. Es hat soviel Aufruhr und Katastrophen gegeben, so viele Kriege und Seuchen (…) Und doch sind all diese Ver√§nderungen nicht wirklicher als ein Traum. Wenn du tief genug schaust, erkennst du, dass nichts dauerhaft und best√§ndig ist, nichts – nicht einmal das kleinste H√§rchen auf deinem K√∂rper. Und das ist keine blo√üe Theorie, sondern etwas, was du wirklich selbst erkennen und mit deinen eigenen Augen sehen kannst.‚ÄĚ

*) Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, O. W. Barth Verlag, 1995, S. 42
Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dilgo_Khyence_rinpoche.jpg?uselang=de
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Kant und Buddha, Freud und Trump

Wer ist der Boss? …

 

… das ist das Thema der heutigen Talkshow von Sandra Maischberger. Und es sind¬†illustre G√§ste, die sie in der Runde begr√ľ√üen kann. Zu Beginn erl√§utert sie, dass es bei der folgenden Diskussion nicht um die F√ľhrung eines Unternehmens oder eines Staatswesens gehe, sondern um Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstmanagement. Also um die Frage, was ist die treibende Kraft in einem Menschenleben? Was in mir bestimmt letztlich, wo es lang geht?

Schon der erste Gespr√§chsteilnehmer, der zierliche, blitzgescheite Mann aus K√∂nigsberg, stellt Frau Maischberger auf eine harte Probe. Erst nach mehreren Anl√§ufen gelingt es ihr, die Vorlesung von Professor Kant einmal kurz zu unterbrechen. Herr Kant erkl√§rt kategorisch, dass die Vernunft eo ipso der Boss sein m√ľsse.

Das ist ebenso wenig √ľberraschend wie der anschlie√üende Beitrag des Wiener Analytikers, f√ľr den der Mensch schlicht ein Triebwagen ist. Mit geschliffenen Formulierungen und viel Esprit erkl√§rt Herr Freud den Sexualtrieb zum Herrn der Dinge.

Nach einem kurzen Penisneid-Scharm√ľtzel der Moderatorin mit dem Gast aus Wien geht das Wort an Siddhartha Gautama. Der vorher stets schweigende Inder tritt nun mit leisen Worten Kant und Freud ebenso entschieden wie freundlich entgegen. Die Komplexit√§t des Themas reduziert der Buddha in einem einzigen Satz: Der Solarplexus ist der Boss.

Donald Trump ist inzwischen immer unruhiger geworden.¬†Viel zu lange hat er auf seinen Auftritt warten m√ľssen. Jetzt legt er los. Der Simultandolmetscher leistet Schwerstarbeit. „Ihr seid alle gefeuert. Es ist Bullshit. Alles gefakt. Fake News. Es erinnert mich an diesen durchgeknallten Typen – er ist Mathematiker, glaube ich – mit seiner komischen Projektphilosophie-Uhr. Zu viele W√∂rter. Zu viel Philosophie. Und es bringt mir keinen Cent in die Tasche. Keinen Cent.¬†So bad. Ich sage euch was, Leute. Ich habe heute einen Burschen getroffen, der’s drauf hat. Gro√üartig, der Junge. Gro√üartig. Morgen fr√ľh mache ich ihn zum neuen Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten. Ich hab‘ euch ein Video mitgebracht. Guckt’s euch an. Fabelhaft.“

  Streit der Organe РStreit der Körperteile

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Tablet statt Schreibschrift? Was ist die Schule der Zukunft?

SZ-Artikel „Digitalisierung und Schule‚ÄĚ √ľber¬†die
Krise der Steve-Jobs-Schulen in den Niederlanden

 

Ausl√∂ser f√ľr die Aufnahme der S√ľddeutschen Zeitung in die Blogroll von lap-land (siehe den vorigen Blog-Artikel)¬†ist der SZ-Artikel von Fabian Busch: „Das Tablet ist nur Mittel zum Zweck‚ÄĚ. Interessant ist dieser Aufsatz f√ľr mich aus einem besonderen Grund. Bereits im Juni 2016¬†habe ich mich kritisch mit der Digitalisierung in Schulen der USA und der Niederlande auseinandergesetzt –¬†in „Zu viel Schule‚ÄĚ, Kapitel „Bildung aus Hollywood“:

In immer mehr L√§ndern wird das Schreiben mit der Hand in den Schulen schrittweise abgeschafft. In den USA steht dies inzwischen nur noch im¬†Kindergarten und im ersten Schuljahr auf dem Plan. (…)¬†Was w√ľrde Steve Jobs zu diesem Thema sagen? (…) Heute kann er sich nicht mehr dagegen wehren, dass in den¬†Niederlanden immer mehr sogenannte Steve-Jobs-Schulen eingerichtet¬†werden, in denen die Grundsch√ľler √ľberwiegend am iPad lernen. (S. 109, „Fast-Text auf dem Silber-Tablet‚ÄĚ)

Nun, im April 2018, schreibt Fabian Busch nach seiner Erkundungsreise in die Niederlande:

Erfunden hatte die Steve-Jobs- oder iPad-Schulen der niederl√§ndische Meinungsforscher Maurice de Hond. Er war unzufrieden mit dem altmodischen Unterricht an der Schule seiner Tochter – und entwickelte 2012 mit Bildungsexperten das Manifest „Unterricht f√ľr eine neue Zeit“, kurz O4NT. (…) Die Idee stie√ü weltweit auf Interesse und Anerkennung (…) Doch die „neue Zeit“ ist offenbar schon wieder¬†vorbei. (…)¬†Im M√§rz wurde bekannt, dass die Stiftung O4NT pleite¬†ist.

Genauer umgeschaut hat Busch sich in der¬†Beatrix-Schule in Steenwijk. Sie ist eine von vielen Schulen, wo man sich l√§ngst vom Konzept „Steve-Jobs-Schule“ verabschiedet hat. Der Schulleiter

ist √ľberzeugt, dass die Digitalisierung des Unterrichts voranschreiten wird und in einigen Jahren viel mehr Schulen so arbeiten werden wie seine schon heute. Aber er warnt davor, das Tablet als etwas Heiliges zu betrachten. Im Schnitt seien seine Sch√ľler etwa anderthalb Stunden pro Tag mit dem iPad besch√§ftigt. Dass Kinder auch lernen, B√ľcher zu lesen und mit der Hand zu schreiben, ist f√ľr ihn¬†selbstverst√§ndlich.

Das ist die Antwort auf die Titelfrage: Tablet und Schreibschrift.

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Neu in der Blogroll von lap-land: „S√ľddeutsche – Bildung‚ÄĚ

Seit der letzten Neugestaltung meiner Blog-Seite im August 2017 befindet sich die Blogroll oben rechts, gleich unter dem Kalenderspruch. Begr√ľndet habe ich das in einem kleinen Hinweis „in eigener Sache‚ÄĚ:

Die Idee: Sie schauen rein bei lap-land.de wie bei Ihrem Stamm-Bistro. Und die Blogroll ist die Kuchentheke, ein Lesezeichen-Angebot.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, ich selbst bin viel zu selten an der „Kuchentheke‚ÄĚ in lap-land. Aber ab und zu benutze ich durchaus die Blogroll-Links, um mich in Sachen Bildung auf dem Laufenden zu halten.

Heute habe ich jedoch mit Erstaunen festgestellt: Die S√ľddeutsche Zeitung, die ich mindestens ebenso sehr sch√§tze wie die ZEIT oder die WELT, war bisher in der Blogroll nicht vertreten. Ich hatte sie lediglich in meiner pers√∂nlichen Lesezeichen-Liste. Dumm gelaufen. Ab sofort geh√∂rt die SZ zu den „Top 8‚ÄĚ in lap-land.

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Lehrstuhl Macht Bildung

Was zeichnet den deutschen Uni-Professor gegen√ľber seinen Kollegen in England oder den Vereinigten Staaten aus? Ganz einfach, seine Machtf√ľlle.

Am¬†11. M√§rz¬†habe ich von¬†Annette Schavan, der ehemaligen Pseudo-Professorin und Bundesbildungsministerin, berichtet. Und in diesem Zusammenhang vom Heiligen Stuhl. Vom spezifisch-deutschen Lehrstuhl ist in einem neuen SPIEGEL-Artikel von Kristin Haug die Rede: „Machtmissbrauch an Hochschulen‚ÄĚ.

Immer mehr junge Hochschullehrer setzen sich inzwischen f√ľr die Abschaffung der Lehrst√ľhle ein. Zum Beispiel die Psychologie-Professorin Jule Specht, die jedoch keine schnellen Erfolge erwartet. Das liege an der

herausragenden Stellung der Professoren, die √ľber zahlreiche Mitarbeiter und Ressourcen verf√ľgen – und sich manchmal wie Sonnenk√∂nige auff√ľhrten.

Ich schließe mit demselben Toast wie am 11. März: Es lebe die fröhliche Wissenschaft. Es lebe das deutsche Ein-Bildungssystem.

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Mehr Qualit√§t im Bereich Bildung …

…¬†erfordert mehr Bildung im Bereich Qualit√§tsmanagement (QM).

 

These 1:
Viele, die √ľber Qualit√§t im Bildungswesen reden, haben wenig Ahnung von Qualit√§tsmanagement. Sie sind in dieser Hinsicht reichlich ungebildet.

Erläuterung:
Ein elementarer Denkfehler im Bereich Schule/Hochschule ist die Annahme, durch mehr Evaluation werde automatisch bessere Qualit√§t erzielt. Qualit√§tspr√ľfung wird hierbei f√§lschlich mit Qualit√§tsmanagement gleichgesetzt, das hei√üt die Qualit√§tsplanung – die Mutter jeglicher Verbesserung von Produkten und Prozessen – f√§llt unter den Tisch. Damit sind wir bei

These 2¬†(vgl. „Zu viel Schule‚ÄĚ, S. 122):
Du kannst nicht Qualit√§t in ein System hineinpr√ľfen. Du musst das System zuerst √§ndern und dann erneut pr√ľfen.
Albert Einstein hat es so formuliert:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

 

Einer der gro√üen¬†Pioniere auf dem Gebiet des Qualit√§tsmanagements war¬†William Edwards Deming. Er war ein Vorl√§ufer der KAIZEN-Bewegung (–> Video auf YouTube/lap-land) und setzte sich unter anderem f√ľr eine bessere QM-Ausbildung aller Beteiligten ein; ebenso f√ľr die „dauerhafte Verpflichtung des Top-Managements zur st√§ndigen Verbesserung von Qualit√§t‚ÄĚ.

Ein weiterer QM-Pionier war Philip B. Crosby, von dem der neue lap-land-Kalenderspruch stammt:

Gutes muss geplant werden, Schlechtes passiert von selbst.

Das Crosby-Zitat ist somit nicht nur philosophisch-humorvoll zu verstehen, sondern als QM-Handlungsanweisung.

Philosophen stellen gern grunds√§tzliche Fragen wie: Was ist Gerechtigkeit? Was ist Bildung? Was ist Qualit√§t? Die letzte Frage hat Herr Crosby kurz und b√ľndig beantwortet:

Die Definition von Qualit√§t ist Erf√ľllung von Anforderungen.

Ein weiterer der vier Crosby-Grundsätze lautet:

Die Ma√ügr√∂√üe f√ľr Qualit√§t sind die Kosten der Nichterf√ľllung.

Im Bildungssektor bedeutet das ganz konkret: Wegen maroder Schulgeb√§ude, unsinniger Bildungsg√§nge und Unterrichtsmethoden („Schreiben nach Geh√∂r‚ÄĚ etc.), durch Orientierungslosigkeit sowie Probleme mit Integration und Inklusion gibt es immer mehr Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrecher.¬†Allein durch die inzwischen massenhaften Studienabbr√ľche werden jedes Jahr circa 2 Milliarden Euro Steuergelder in den Sand gesetzt.

Aber wie erklärt man das einem Bildungspolitiker, einem Erziehungswissenschaftler oder einem Oberstudienrat? Also Leuten, die kaum jemals in einem Betrieb oder einem Projekt der Privatwirtschaft gearbeitet haben, wo jeder auszugebende Euro erst einmal erwirtschaftet werden muss. Menschen, die bis zu ihrem Lebensende durch die Staatskasse versorgt werden, weitgehend unabhängig von Leistung, Zielerreichung, Qualität.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:W._Edwards_Deming.jpg
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Das erf√ľllte Leben …

… und warum das Nachdenken √ľber den Tod daf√ľr so wichtig ist.

 

Das ist die Titelgeschichte der neuen GEO-Ausgabe. Man findet darin nicht nur großartige Fotos und bewegende Berichte von Menschen, die schon in jungen Jahren einen nahen Angehörigen verloren und danach ihr Leben von Grund auf geändert haben. Jörg Pilawa ist einer von ihnen.

Die Rede ist auch von Seminaren und bizarren √úbungen des Sterben-Lernens, inklusive Streicheln eines Skeletts. Und es gibt Texte, die uns zu denken geben.

„Im Grunde glaubt niemand an seinen eigenen Tod‚ÄĚ, schrieb vor mehr als 100 Jahren Siegmund Freud. Wir k√∂nnen uns zwar intellektuell mit unserem Ende besch√§ftigen, tief drinnen aber halten wir uns f√ľr unsterblich. Es braucht einen starken Sto√ü, um diesen Selbstbetrug zu ersch√ľttern. Ein geliebter Mensch stirbt, ein Freund erh√§lt eine schwere Diagnose.

Am meisten beeindruckt haben mich die Worte von Cicely Saunders:

„Es ist nicht das Schlimmste f√ľr¬†einen Menschen, zu erkennen, dass er gelebt hat und jetzt sterben muss. Das Schlimmste ist, zu erkennen, dass man nicht gelebt hat und jetzt sterben muss.‚ÄĚ

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