Nahles muss weg.

Ich will’s kurz machen. Noch vor wenigen Tagen hat Andrea Nahles beim Wahlkampfauftakt der hessischen SPD in Offenbach öffentlich betont: „Herr Maaßen muss gehen und ich sage Euch, er wird gehen.“ Nun stimmt sie der Beförderung des Verfassungsschutzchefs zum StaatssekretĂ€r zu und will dies der WĂ€hlerschaft und der SPD-Parteibasis als Erfolg verkaufen.

Das Problem lautet seit heute nicht mehr Seehofer, sondern Nahles.

Schon durch den von ihr betriebenen Wiedereintritt in die GroKo-AtmosphĂ€re hat Frau Nahles die Verzwergung der SPD dramatisch beschleunigt. Und nun reitet sie durch ihr dilettantisches und wĂŒrdeloses Verhalten in der Causa Maaßen die Partei, die sie eigentlich fĂŒhren soll, unbeirrbar und stur weiter in die Sch… . Deshalb

beantrage ich als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die sofortige

Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen Andrea Nahles.

BegrĂŒndung: ParteischĂ€digendes Verhalten und Wortbruch gegenĂŒber 440.000 Mitgliedern der SPD in der Sache Seehofer/Maaßen.

Ich habe soeben Jörn Kampmann, den Vorsitzenden meines SPD-Ortsvereins, ĂŒber meinen Antrag informiert und ihn gebeten, kurzfristig eine Vollversammlung unseres Ortsvereins einzuberufen, zwecks Abstimmung ĂŒber diesen Antrag.

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Offener Brief an Juso-Chef Kevin KĂŒhnert: Raus aus der GroKo und Start einer Fraktionsgemeinschaft SPD-GrĂŒne – jetzt.

Lieber Kevin,

nach langer Zeit gibt es endlich wieder einen Anlass, stolz auf die SPD zu sein. Und genau darum geht es: Selbstachtung und (!) Machtoption.

In der gestrigen Bundestagsdebatte haben Johannes Kahrs und Martin Schulz endlich Flagge gezeigt – gegen die Ewiggestrigen und Antidemokraten in unserem Land. Am selben Tag hast Du von der SPD-FĂŒhrung verlangt, die Koalition mit CDU/CSU aufzukĂŒndigen, falls der immer noch amtierende Verfassungsschutzchef nicht entlassen wird. Du hast dies als eine „Frage der Selbstachtung“ bezeichnet.

Deine Forderung nach Beendigung der GroKo ist goldrichtig und zum jetzigen Zeitpunkt absolut begrĂŒndbar. Aber ich fĂŒrchte, diese Forderung wird nicht reichen. Was die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler brauchen, ist ein echter Neuanfang, eine Perspektive fĂŒr die Zukunft. Mein Vorschlag:

Strategische Partnerschaft SPD-GrĂŒne,
erster Schritt: Bildung einer Fraktionsgemeinschaft im Bund,
Ziel: Diese neue Fraktion wird die stÀrkste im Bundestag
und stellt den Kanzler bzw. die Kanzlerin.

Vor fast einem Jahr habe ich dieses Projekt ORANGE in einem Blog-Artikel beschrieben, ausgehend vom Ergebnis der letzten Bundestagswahl:

 

 

Alles Weitere findest Du in meinem Artikel vom 20.11.2017.

 

Herzliche GrĂŒĂŸe und viel Erfolg!

Bernhard M. Scheurer

 

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Nach Auschwitz und nach Chemnitz: mehr Geschichtsunterricht

Gestern Abend feierte der WDR das 30jĂ€hrige JubilĂ€um der Kabarett-Sendung Mitternachtsspitzen (–> WDR-Video). Bei ihrem Auftritt (1:00:22) erinnerte Carolin Kebekus  an ein anderes JubilĂ€um: Seit 100 Jahren gibt es in Deutschland das Frauenwahlrecht. Und sie machte auf ihre kompromisslos-derbe Art deutlich: Der Kampf der Frauen fĂŒr Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ist noch lange nicht zu Ende.

Als Beispiel brachte sie den Streit um den Paragraphen 219a, wonach es Ärztinnen und Ärzten immer noch untersagt ist, auf ihrer Website ĂŒber Schwangerschaftsabbruch zu informieren. Kebekus griff in diesem Zusammenhang Jens Spahn und den Papst frontal an und stellte die Frage:

Wieso soll ich mir als Frau von einem homosexuellen Gesundheitsminister oder von einem zölibatÀr lebenden Papst RatschlÀge zur Schwangerschaft geben lassen?

Das ist so, als ob ein blinder Veganer mir erklÀrt,
wie mein Mettbrötchen auszusehen hat.

Ich frage mich, wie viele Jugendliche sich gestern diese Sendung angeschaut haben. Und ich frage mich, wie viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler an weiterfĂŒhrenden Schulen in unserem Land darĂŒber informiert werden,

  • dass kurze Zeit nach EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts, nĂ€mlich von 1933 bis 1945, alle Freiheitsrechte und demokratischen Strukturen in Deutschland systematisch von einem totalitĂ€ren Regime zerschlagen wurden
  • dass dieses Regime vielen Millionen Menschen in Europa und der ganzen Welt Tod, Folter, Krieg und Zerstörung  gebracht hat
  • wie es heute noch in Saudi-Arabien, Iran oder der TĂŒrkei mit den Rechten der MĂ€dchen und Frauen aussieht
  • dass Demokratie und Freiheit tĂ€glich erkĂ€mpft beziehungsweise verteidigt werden mĂŒssen – sei es in Saudi-Arabien, Deutschland oder den USA.

Die NRW-Regierung hat kĂŒrzlich bekannt gegeben, dass es in Zukunft wesentlich mehr Unterrichtsstunden in den Schulen geben soll – in Mathematik, Naturwissenschaften und Englisch. Ich finde das prima. Aber wie sieht es aus mit Geschichte und Politik? Was lernen unsere Kinder aus der Katastrophe von Auschwitz vor mehr als siebzig Jahren und aus den erschreckenden VorfĂ€llen in Chemnitz vor einer Woche?

Wie sollen Menschen aus der Geschichte lernen, wenn sie in der Schule zu wenig oder zu schlechten Geschichtsunterricht erleben? So wie ich vor etlichen Jahren als SchĂŒler eines Kölner Gymnasiums, wo wir jahrelang einen Deutschnationalen und ehemaligen Major der deutschen Wehrmacht als Geschichtslehrer ertragen mussten, der viele, viele Stunden ĂŒber die alten Germanen oder Kaiser Barbarossa referierte, aber nie, nie, nie ĂŒber die GrĂ€ueltaten der Nazis.

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Querdenker, Quereinsteiger, Querulanten

Wieder einmal herrscht Lehrermangel, also werden an den Schulen verstĂ€rkt „Quereinsteiger” eingesetzt – LehrkrĂ€fte, die nicht den ĂŒblichen Weg gegangen sind: Schule, Abi, Studium, Referendariat, Schule. Es sind besondere Lehrerinnen und Lehrer – Menschen, die Erfahrungen aus dem außerschulischen Berufsleben mit ins Klassenzimmer bringen, wenn sie dort anfangen, Jugendliche auf die Arbeit in einem Betrieb vorzubereiten.

Aber die Sache wird von manchen auf den Kopf gestellt. FĂŒr sie sind Quereinsteiger Sonderlinge – Leute, die in einer Schule fehl am Platz sind. Das heißt, eine Quereinsteigerin gerĂ€t schnell in die Schublade „Querdenkerin, Querulantin”.

KĂŒrzlich gab es in der FAZ ein lĂ€ngst fĂ€lliges „Lob des quer einsteigenden Lehrers”. Darin heißt es:

Quereinsteiger haben Lebenserfahrung. Die bereitet sie in mancher Hinsicht besser als ein noch so grĂŒndliches Studium auf die Wirklichkeit an solchen Schulen vor. Wo Eltern Analphabeten sind. Oder ihre Kinder schlagen. Der Vater der Lehrerin nicht die Hand geben will.

Und weiter:

… statt die Novizen nur als Zumutung zu sehen, sollte man sie als Chance begreifen: Quereinsteiger haben einen ganz anderen Blick als Lehrer, die nie woanders waren. Sie bringen frischen Wind. Einen guten Lehrer vergisst man nie. Weil er einen fĂŒrs Leben prĂ€gt.

Wenn jedoch gleich zu Beginn des Artikels Franz Beckenbauer und Vitali Klitschko als Beispiele fĂŒr einen erfolgreichen Quereinstieg erwĂ€hnt werden, ist das aus meiner Sicht nicht besonders hilfreich .

Mir fĂ€llt ein wesentlich besserer exemplarischer Fall ein. Vor kurzem habe ich vom Tod meines Freundes Georg Schaletzki berichtet. Er ist den Königsweg gegangen. Nach Abschluss einer Ausbildung zum Elektroinstallateur hat er eine Fachoberschule in Köln-Deutz besucht, mit circa dreißig Jahren noch ein Studium absolviert und ist dann als Lehrer zu seiner alten Kölner Schule zurĂŒckgekehrt, wo er spĂ€ter zur erweiterten Schulleitung gehörte. Georg, das wird in dem von mir erwĂ€hnten YouTube-Video deutlich, war ein besonderer Mensch und zweifellos ein besonders guter Lehrer.

Fotos:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:14-01-10-tbh-241-franz-beckenbauer.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Verleihung_Konrad-Adenauer-Preis_der_Stadt_Köln_2015_an_Vitali_Klitschko-7607.jpg?uselang=de
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Schule ohne Unterricht

Wie weltfremde BĂŒrokraten Kinder daran hindern, in Ruhe und mit Erfolg zu lernen

 

Vor einigen Jahren hat einer meiner Freunde als Mathelehrer versucht, an seiner Schule eine „algebrafreie Mathematik“ einzufĂŒhren. Nun, das ist gar nichts im Vergleich zu einer „Schule ohne Unterricht“.

 ***

Michael Rudolph, seit 2005 Hauptschul-Leiter, erklĂ€rt mit einem einzigen Satz, wofĂŒr man vor tausenden von Jahren die Schule erfunden hat*):

Der SchĂŒler muss etwas lernen können.

Und er weiß, dass dies nur möglich ist, wenn man fĂŒr entsprechende Rahmenbedingungen sorgt. Bevor er die Leitung der Friedrich-Bergius-Oberschule in Berlin ĂŒbernahm, hatte der Senat „die Schule so gut wie aufgegeben (…) , die SchĂŒler schwĂ€nzten, Gewalt war an der Tagesordnung. Rudolph kam als letzter Versuch. Innerhalb von vier Jahren war die Friedrich-Bergius-Oberschule ĂŒbernachgefragt – sie ist es bis heute“. Zwei der Maßnahmen des neuen Chefs: „ZuspĂ€t-Kommer mĂŒssen MĂŒll sammeln, wer sich mit dem Handy erwischen lĂ€sst, ist es fĂŒr vier Wochen los“. Ergebnis:

Überdurchschnittlich viele SchĂŒler schaffen den MSA**) (…)
Der Unterricht beginnt pĂŒnktlich, die LernatmosphĂ€re ist „angstfrei“. Das hat auch die letzte Schulinspektion festgestellt. 

Und jetzt kommt die Pointe:

Trotzdem ist die Friedrich-Bergius-Oberschule durchgefallen, sie sei eine „Schule mit erheblichem Entwicklungsbedarf“. Zu viel Frontalunterricht, zu wenig Gruppenarbeit, mĂ€kelten die SchulprĂŒfer. Rudolph ist fassungslos: „Die Leistung unserer SchĂŒler hat bei der Bewertung gar keine Rolle gespielt.“

Ja, warum auch sollte sich ein SchulprĂŒfer dafĂŒr interessieren, ob die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gut lesen, schreiben und rechnen können? Schnee von vorgestern, völlig uncool. Angesagt sind heute ganz andere „Projekte“.

„Mal gibt es verpflichtend jahrgangsĂŒbergreifendes Lernen fĂŒr alle, dann ist plötzlich der neueste Trend schreiben nach Gehör“, sagt Rudolph, „klappt es nicht, wird es rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Das sind Großversuche an Kindern.“

Solche kritischen Worte werden mit Sicherheit nicht gern vernommen von denen, die fĂŒr die tollen Großversuche verantwortlich sind. Und sie werden nur ein mĂŒdes, ĂŒberlegenes LĂ€cheln ĂŒbrig haben fĂŒr den verzweifelten Aufruf eines lang gedienten, engagierten Lehrers:

„Es muss in der Schule endlich wieder um guten Unterricht und um Erziehung gehen.“

 

*) Nicole Dolif: Es muss endlich wieder Unterricht geben, BILD, 26.08.2018
**) Mittlerer Schulabschluss
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Freundschaft

Zum Tod von Georg Schaletzki

 

Einer meiner besten Freunde ist gestorben. Als ich am heutigen Morgen die Nachricht von seinem Tod erhielt, war ich fassungslos.

Gerade in letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Thema Tod und VergĂ€nglichkeit beschĂ€ftigt. Aber ĂŒber das Sterben nachzudenken und zu schreiben, das ist eine Sache. Mit dem Tod eines Menschen fertig zu werden, der einem unsagbar vertraut war, mit dem man ĂŒber alles sprechen und ĂŒber vieles herzhaft lachen konnte, das ist eine ganz andere Sache.

Deshalb schreibe ich diesen Artikel. Um deutlich zu machen, Philosophieren ist kein intellektuelles Schattenboxen. Es ist harte Arbeit. FĂŒr jeden von uns.

Freundlich und Freundschaft stehen in der Projektphilosophie-Uhr an erster Stelle. Das war von Anfang an so, und es ist trotz einiger Überarbeitungen im Laufe der Jahre so geblieben. Ich trauere um einen unvergleichlichen Freund. Nie mehr werden wir zusammen im CafĂ© sitzen und reden, flachsen, lachen. Nie mehr werden wir uns zum Abschied umarmen. Ich will auch gar nicht Abschied nehmen, Georg. Deine lachenden Augen sind immer noch da.

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Coaching

Mit Coaching ist es wie mit Design. So wie es zahlreiche Designdisziplinen gibt – von Automobil- ĂŒber Mode- bis Webdesign –, findet man auch beim Coaching völlig unterschiedliche Methoden und Zielsetzungen.

Beautiful modern coach, isolated on white background

Trotz aller Unterschiede haben die diversen Coaching-AusprĂ€gungen natĂŒrlich eine gemeinsame sprachliche Wurzel, nĂ€mlich „Coach”, das englische Wort fĂŒr Kutsche. Genaueres zur Herkunft des Begriffs „Coaching” findet man z. B. bei Novalis, einem Anbieter von Beratungs- und Coaching-Maßnahmen.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 12.8.2018 gibt es zwei Artikel, in denen es um Coaching im weitesten Sinne geht, und zwar in insgesamt drei verschiedenen Anwendungsbereichen.

 

(1) Private Nachhilfestunden
(Motiv „Angst vor dem sozialen Abstieg
”)

ABI. WAS NUN?

Das ist der Aufmacher der letzten FAS-Ausgabe. In dem Artikel von Katrin Hummel ist die Rede von

der Sorge der Eltern, dass es ihrem Kind spĂ€ter mal schlechter gehen könnte als ihnen selbst. (…) Um dies zu verhindern, investieren die Deutschen knapp 900 Millionen Euro pro Jahr in private Nachhilfestunden.

 

(2) Studien- und Berufsberatung
(Motiv „Optimierung der Persönlichkeit
”)

Schwerpunkt des Artikels ist jedoch die Phase nach dem Abitur:

Jedes Jahr stehen etliche der etwa 300 000 Abiturienten vor der großen Frage, was sie denn nun machen sollen. Hilflos, orientierungslos, planlos.

Katrin Hummel hat der DĂŒsseldorfer Studienberaterin Ruth Wallraf eine Weile ĂŒber die Schulter geschaut. Frau Wallraf, eine ehemalige Investmentbankerin, fĂŒhrt mit ihren jungen Klienten Begabungs- und Persönlichkeitstests durch, auf deren Basis sie ihnen dann VorschlĂ€ge bezĂŒglich der Wahl des Studien- oder Ausbildungsfachs macht.

 

(3) Mentales Coaching im Profi-Sport
(Motiv „Äußerem Druck standhalten, eigenen Weg finden
”)

Um ein ganz anderes Umfeld geht es in dem Artikel „Immer volle Pulle” im Sport-Teil der FAS. Michael Eder setzt sich darin mit dem Fall Jan Ullrich auseinander. Quasi als Gegenentwurf zum dramatischen Absturz des prominenten Radprofis hat er das Leben von Magdalena Neuner gewĂ€hlt.

Mit 25 Jahren hat sie, ein „Liebling der Nation”, ihre Karriere beendet. Dazu stellt der Autor ihr in einem Interview die Frage: „Sie haben auf viel Geld und viele Titel verzichtet, was war Ihnen wichtiger als das?”

Mein Leben mit den Menschen zu leben, die ich liebe: mit meiner Familie, jetzt mit den Kindern, den Freunden.

Als entscheidend fĂŒr ihre gesamte Karriere bezeichnet Frau Neuner die Zusammenarbeit mit ihrem Mentalcoach – fĂŒr sie im RĂŒckblick „wie ein Sechser im Lotto”.

Manche stĂŒrzen sich bei Problemen in Alkohol und Drogen, da ist es sicher die bessere Wahl, sich einen guten Mentalcoach zu suchen (…)

 

Fazit:

Streng genommen handelt es sich nur im letzten der obigen drei FĂ€lle um Coaching. Im Portal „Coaching-Report” gibt es eine ausfĂŒhrliche und ĂŒberprĂŒfbare Definition von Coaching. Gleich zu Beginn wird die Bedingung genannt, dass

Coach und Klient gleichermaßen gefordert sind und auf gleicher „Augenhöhe“ zusammenarbeiten. Ein BeziehungsgefĂ€lle ist unerwĂŒnscht. Dem Klienten wird keine Verantwortung abgenommen.

Dass diese Bedingung im oben genannten dritten Fall erfĂŒllt ist, bestĂ€tigt Magdalena Neuner im Interview eindeutig: Ihr Mentalcoach hat sie in ihrem Entscheidungsprozess begleitet, er war die „Kutsche”, aber sie selbst hat stets entschieden, wohin die Reise gehen sollte.

Nachhilfestunden (Fall 1) wie auch Studien- und Berufsberatung (Fall 2) sind sicher wertvolle Dienstleistungen. Aber Studiencoaching im engeren Sinne ist etwas anderes. Das, was Kurt-Ulrich Witt und ich seit einiger Zeit unter dem Label „SouverĂ€n studieren” anbieten, geht in diese Richtung.

Unser Motto lautet: Studium als Projekt! Den jungen Menschen, die uns als Coach in Anspruch nehmen, stellen wir unsere Studien-, Berufs- und Lebenserfahrung zur VerfĂŒgung – wie ein externer Projektcoach. Aber das Studium planen, steuern, meistern – das muss der Coachee selbst in die Hand nehmen.

Foto: Fotolia

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Peter Scholze – ein „Anarchist”

… und neuer HoffnungstrĂ€ger erhĂ€lt die Fields-Medaille.

 

Im Tennis gilt ein Wimbledon-Sieg als Gewinn der inoffiziellen Weltmeisterschaft – denn eine offizielle gibt es nicht.

Ähnlich ist es in der Mathematik. Dort wird die Fields-Medaille als inoffizieller Nobelpreis gehandelt, da der Preis im Fach Mathematik nicht verliehen wird.

Peter Scholze ist ein besonderer Mensch. Selbst in der Weltelite der Fields-Medaillen-Gewinner ragt er heraus. In einem heute erschienenen SPIEGEL-Artikel vergleicht sein Doktorvater Michael Rapoport ihn in seiner GenialitÀt mit Mozart.

Im selben Artikel bezeichnet Peter Scholze „sich augenzwinkernd als ‚Anarchist’”, aber auf einer Website seiner alten Schule, des Heinrich-Hertz-Gymnasiums Berlin, heißt es:

Trotzdem war Peter kein in sich gekehrter (…) SchĂŒler – sondern stets fröhlich, humorvoll und offen. Seinen MitschĂŒlern gegenĂŒber zeigte er sich auch beim Lösen vergleichsweise einfacher Probleme immer hilfsbereit. In unserer Schul-Rock-Band (eher Richtung Heavy Metal), deren Existenz wesentlich auf Peters Initiative zurĂŒckging, war Peter der Bassist.

Aus zwei GrĂŒnden sehe ich in Peter Scholze einen HoffnungstrĂ€ger des deutschen Bildungssystems:

  • In einer E-Mail an seine alte Schule hebt er die Bedeutung der „Profilschulen in Berlin und der ehemaligen DDR” hervor und schreibt, er „hoffe, dass auch kĂŒnftige Generationen von SchĂŒlern das GlĂŒck haben in einem Netzwerk von mathematisch und naturwissenschaftlich herausragenden Schulen unterrichtet zu werden”.
    (Das heißt, Scholze ist aus Sicht eines durchschnittlichen deutschen BildungsbĂŒrokraten tatsĂ€chlich ein Anarchist 😎.)
  • Obwohl er inzwischen „Topangebote aus aller Welt bekommen hat“, wie es im SPIEGEL heißt, hĂ€lt er seiner Hochschule, der UniversitĂ€t Bonn, die Treue.
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Scholze.jpg
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Hunde, wollt ihr ewig leben …

… so lautet der Titel eines deutschen Kriegsfilms aus den FĂŒnfzigerjahren. Er geht zurĂŒck auf einen Ausruf von Friedrich dem Großen. Der Preußenkönig soll bei einer Schlacht fliehenden Soldaten seiner eigenen Truppe zugerufen haben: “Ihr verfluchten Racker, wollt ihr denn ewig leben?” Am Ende verloren die Preußen.

 

Nicht ganz so hart klingt der Titel einer Neuerscheinung im Verlag Antje Kunstmann. Aber der Text hat’s in sich.

 

Barbara Ehrenreich
Wollen wir ewig leben?
Die Wellness-Epidemie, die Gewissheit des Todes und unsere Illusion von Kontrolle
1. Auflage 2018

 

Die Autorin hat Physik studiert und in Biologie promoviert. Sie war zunĂ€chst wissenschaftlich tĂ€tig und verlegte sich dann auf investigativen Journalismus  und das Schreiben von Bestsellern. In ihrem neuen Buch deckt sie die skrupellosen Methoden des „medizinisch-industriellen Komplexes“ auf. Sie berichtet von Werbekampagnen fĂŒr ĂŒberflĂŒssige Operationen und Behandlungsmethoden, die halbwegs gesunde Menschen erst richtig krank machen. Diese Berichte sind verblĂŒffend und ausfĂŒhrlich, fĂŒr mich bisweilen zu ausfĂŒhrlich.

Noch verblĂŒffender fĂŒr manch einen sind vermutlich die philosophischen Anmerkungen der Autorin:

  • Sie weigert sich, dem allgemeinen Wahn von der ewigen Jugend zu folgen. Mit circa siebzig Jahren hat sie beschlossen, dass sie jetzt alt genug zum Sterben ist. Die ihr noch verbleibenden Jahre will sie intensiv und mit Freude erleben, statt stĂ€ndig von einer Arztpraxis zur anderen zu pilgern. Und sie setzt noch einen drauf:
  • Statt uns zu beklagen, dass jeder von uns irgendwann sterben muss, sollten wir die Dinge genau andersherum betrachten. Das Leben eines Menschen ist nur ein Wimpernschlag in der Geschichte des Universums. Vor seiner Geburt gab es die Welt schon seit Milliarden von Jahren. Und Ă€hnlich wird es nach seinem Tod sein. Das heißt, unsere vorĂŒbergehende Existenz ist nicht so bedeutend wie wir glauben.

Diese Gedanken erinnern mich an das Bild von der Wolke, mit dem Thich Nhat Hanh in seinem Buch „achtsam sprechen …“ versucht, uns mit unserer VergĂ€nglichkeit zu versöhnen: Eine Wolke wird nicht geboren und sie stirbt nicht. Sie entsteht und vergeht – als Teil eines umfassenden Prozesses. Genau so ist es mit jedem von uns.

Cover: Verlag Antje Kunstmann, https://www.kunstmann.de/buch/barbara_ehrenreich-wollen_wir_ewig_leben-9783956142345/t-0/
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Studiencoaching – warum?

Der Kölner Stadt-Anzeiger widmete sein Wochenend-Magazin vom 12./13. Mai den Themen “Ratlos nach dem Abi” und “Studiencoaching”. Darin ist zu lesen (wörtliche Zitate in Kursivschrift):

  • Nur knapp ein Drittel unserer SchĂŒlerinnen und SchĂŒler hat (…) nach dem Abitur eine konkrete Vorstellung davon, wie der Weg in den Beruf aussehen soll.
  • Erst hetzen die SchĂŒler zum G8-Abitur, dann stehen sie vor einem Wust an Studienoptionen (Schlagzeile: Im Ausbildungsdschungel).
  • Zur Zeit gibt es in Deutschland rund 19.000 verschiedene StudiengĂ€ngedoppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
  • Wer aber zu viele Optionen habe, der werde entscheidungsunfĂ€hig – so der Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
  • “Eltern nicht auf der Höhe der Zeit”: Hurrelmann beklagt die fehlende Abnabelung und mangelnde SelbstĂ€ndigkeit der jungen Leute, die sich zu sehr auf die Eltern verlassen. Ebenso bedauert er
  • dass viel zu wenige Abiturienten eine Karriere im Handwerk (…) ins Auge fassen.
  • Die durchschnittliche Quote der Studienabbrecher liegt z. B. an der Uni Köln bei 30 Prozent, in Physik und Informatik bei 50 Prozent. Somit sei das systematische Beraten und Coachen zwar kostenintensiv, aber noch viel teurer sei es, wenn am Ende die Studienwahl nicht stimme.
  • Ein markantes Beispiel: Ein Abiturient hat mehrere StudiengĂ€nge geschmissen, die ganze Familie litt mit (…) Der junge Mann wird jetzt Schreiner und ist zum ersten Mal ĂŒberzeugt, am richtigen Platz zu sein.

Fazit:

  • Der Bedarf an Coachings wĂ€chst rasant. Die Preisspanne ihrer Honorare (gemeint sind private Bildungscoachs) reicht von 100 Euro bis 2000 Euro.
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In eigener Sache: Scheurer & Witt – Studiencoaching

Wie schon vor einiger Zeit berichtet, sind mein Freund Prof. Kurt-Ulrich Witt und ich seit kurzem im Bereich Studiencoaching aktiv. Unser Motto lautet:

 

SouverÀn studieren
Traum – Ziel – Projekt

 

Die neue Seite souveraen-studieren.de ist seit heute Mittag online.

Unser neues Buch zu diesem Thema wird demnÀchst im Springer Verlag erscheinen.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Anfragen. Alle, die noch fĂŒr dieses Jahr einen Termin vereinbaren möchten, bitten wir, sich möglichst bald zu melden.

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Innehalten.

Krise als Chance. Der Augenblick einer großen Niederlage bietet die einmalige Gelegenheit, sich zu befreien – von alten Denkgewohnheiten, von Hybris oder Verzagtheit, von Geldgier, Fremdbestimmung und SelbsttĂ€uschung.

Beeindruckend fand ich die Worte von Mats Hummels und Jogi Löw kurz nach dem heutigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft aus dem Fußball-WM-Turnier 2018. Hier wurde nichts beschönigt, es war ein ehrlicher und mutiger RĂŒckblick auf die Entwicklung der letzten Monate. Das verdient Respekt.

Ich denke an Thich Nhat Hanh. Einatmen, ausatmen, innehalten. Begeisterung ist wunderbar, aber wirklich gefordert ist jeder von uns erst in der Stunde der Verzweiflung. Plötzlich stellst Du Dir die Frage, was wirklich zÀhlt in Deinem Leben. Was bedeuten Dir Geld, Ruhm, Tattoos, Klicks, Fans, Buddies?

Jede Krise ist eine Chance. Die Chinesen haben ein und dasselbe Schriftzeichen fĂŒr die beiden Begriffe.

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Episch.

Fußball-WM 2018: La Mannschaft gewinnt gegen Schweden.
In Unterzahl. In letzter Minute.

 

In meinem vorletzten Artikel habe ich das deutsche Team hart kritisiert. Oder genauer, die Einstellung der deutschen Fußball-MillionĂ€re im Spiel gegen Mexiko. Und ich denke, zu Recht.

Gestern im Spiel gegen Schweden war alles anders. Das war kein NIVEA-Ball, es war Fußball. Thomas Hitzlsperger hat recht: Manchmal reicht die intrinsische Motivation nicht aus, um zum Erfolg zu kommen. Du musst einfach wĂŒtend genug sein, wĂŒtend auf Deine Kritiker, um zur Höchstleistung aufzulaufen.

Toni Kroos, der Held des gestrigen deutschen Fußballabends, meinte nach dem Spiel: Manche „daheim“ hĂ€tten sich ja schon gewĂŒnscht, dass die deutsche Mannschaft beim Spiel gegen Schweden aus dem Turnier fliegen wĂŒrde. Denen habe man es zeigen wollen.

Nein, Toni, gewĂŒnscht haben wir daheim uns einfach, dass Ihr Jungs aus der Niederlage gegen Mexiko lernt. Dass Ihr wach werdet, Euch besinnt auf Eure StĂ€rken. Kritik kann dem Kritisierten helfen, wenn er bereit ist, zu lernen, zu arbeiten und zu kĂ€mpfen.

An Tagen wie diesen … tun mir die Menschen leid, die sich nichts aus Fußball machen. Was ist nĂ€her dran am Leben als Fußball? Was lehrt uns mehr ĂŒber uns, ĂŒber unsere Ängste, unsere TrĂ€ume und ĂŒber unseren inneren Schweinehund?

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Die Vision einer Transatlantischen Konföderation

Die neue G7: Kanada, Frankreich, Deutschland, Österreich, Benelux

 

In den Zeiten von Xi, Trump und Putin trĂ€umen viele US-Demokraten von der Nach-Trump-Ära, deren Beginn noch völlig offen ist. Demokraten in Deutschland sollten sich jetzt schleunigst Gedanken machen ĂŒber die Zeit nach Merkel. Sie wird vermutlich sehr bald beginnen.

Das letzte Treffen der Gruppe der Sieben (G7) hat gezeigt, dass dieses Format klinisch tot ist. Das liegt vor allem an Donald Trump, aber auch an Angela Merkel.

Die Geschichte ist ein unbestechlicher Richter. Die bisherigen großen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland waren Adenauer, Brandt und – mit Abstrichen – Kohl. Jeder von ihnen hatte ein großes Projekt: Aussöhnung mit dem Westen (Adenauer); Aussöhnung mit dem Osten (Brandt); Wiedervereinigung Deutschlands und Europas (Kohl). Alle anderen Kanzler waren Macher (Schmidt, Schröder) oder Zauderer/Verwalter (Erhard, Kiesinger, Merkel), sie waren keine Projektmenschen.

Höchste Zeit fĂŒr Aufbruchstimmung, fĂŒr einen Neuanfang mit Macron und Trudeau. Hier ist meine Projektskizze fĂŒr die GrĂŒndung eines neuen Bundesstaats (nicht Staatenbunds!) Transatlantische Konföderation:

  • GrĂŒndungsstaaten: Kanada, Frankreich, Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg
  • Hauptstadt: Luxemburg
  • Amtssprachen: Französisch, Deutsch, Englisch
  • WĂ€hrung: Euro
  • Nationalflagge: Europafahne mit Ahornblatt
  • PrĂ€sidialsystem nach französischem Vorbild
  • Nukleare Streitmacht auf der Basis der Force de frappe
  • Anzahl Einwohner: zur Zeit ca. 220 Millionen
    (zum Vergleich: China ca. 1.400 Mio., USA 326 Mio., Russland 144 Mio.)
  • FlĂ€che: ca. 11.100 Quadratkilometer
    (zum Vergleich: China 9.600, USA ca.  9.800, Russland 17.100)
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): zur Zeit ca. 9,1 Billionen US-Dollar
    (zum Vergleich: China 11,2; USA 18,6; Russland 1,3 (!))
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Deutscher Fußball bei der WM 2018: aufgeblasen, weich und schlapp.

Aus dem deutschen Fußball ist ein NIVEA-Ball geworden. Die ganze Welt lacht sich schlapp ĂŒber dieses KindergeplĂ€nkel am Strand, das nichts mehr mit Profi-Fußball auf’m Platz zu tun hat.

Jogis Jungs sind nicht mehr unsere Jungs. Sie beĂ€ugen aufmerksam die Gaga-Frisuren, Tattoos und Tweets ihrer Gegner und vergessen die eigene Strategie und Taktik. Sie treffen sich mit ihrem Cheftrainer zum Werbe-Dreh fĂŒr Gesichtscreme oder Bier und treffen das Tor nicht mehr. Sie lassen sich lĂ€chelnd mit einem Diktator fotografieren, der die Einigkeit von Muslimen und Christen, das Recht und die Freiheit mit FĂŒĂŸen tritt, und wenn vor dem Anstoß die Hymne unserer Republik gesungen wird, schweigen sie schon bei der ersten Textzeile mit finsterer Miene.

Immer mehr Fans wenden sich ab von den dreißigjĂ€hrigen verwöhnten Kindern, die nur kassieren und nicht liefern. Die schon morgens um sieben Uhr keine Selbstachtung mehr haben und sich von jedem kaufen lassen, der genug zahlt.

Mir fĂ€llt hierzu die Anekdote von Mark Twain ein, der im reifen Alter bei einem Diner neben einer attraktiven jungen Frau saß und sie beilĂ€ufig fragte: „WĂŒrden Sie fĂŒr eine Million Dollar mit mir schlafen?“ Nach kurzem Zögern meinte sie: „Warum nicht?“ Darauf Twain: „WĂŒrden Sie es auch fĂŒr fĂŒnf Dollar tun?“ Die entrĂŒstete Antwort: „Was glauben Sie, wer ich bin?“ „Nun“, sagte der alte Herr, „diese Frage haben wir bereits geklĂ€rt. Es geht nur noch um den Preis.“

P. S.: Die Alternative zum Fußball: Synchronschwimmen. Jogi-DĂ€mmerung, Angie-DĂ€mmerung.

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Da lachen ja die HĂŒhner

Streikrecht fĂŒr Beamte? Fehlanzeige.

 

Man stelle sich vor, Arbeiter und Angestellte, die gerade ihren Job verloren haben, gehen auf die Straße und fordern: unkĂŒndbare ArbeitsvertrĂ€ge sowie beim Erreichen der Altersgrenze eine monatliche Rente in Höhe der Pension eines Oberregierungs- oder Oberstudienrats im Ruhestand.

Na, da lachen ja die HĂŒhner. Aber das hier ist RealitĂ€t:

Das Bundesland Hessen nimmt 4200 Disziplinarverfahren gegen beamtete Lehrer wieder auf. Sie waren vor drei Jahren fĂŒr mehr Geld und kĂŒrzere Arbeitszeiten auf die Straße gegangen, obwohl sie dies nicht durften.

So steht es in einem aktuellen SPIEGEL-Artikel. Das heißt, die 4200 Staatsdiener kriegen jetzt „fiesen Ärjer“, wie man in Köln sagt. Denn das Bundesverfassungsgericht hat soeben das Streikverbot fĂŒr Beamte bestĂ€tigt (tagesschau.de).

In einem ntv-Kommentar heißt es:

Niemand will Lehrern verbieten, fĂŒr ihre Überzeugungen zu demonstrieren (…) Sie sollen es ja nur nicht wĂ€hrend der Unterrichtszeit machen. Soviel LoyalitĂ€t dem Staat, und im Übrigen auch den BĂŒrgern gegenĂŒber, ist nicht zu viel verlangt. Wer im Staatsdienst arbeitet und anderer Ansicht ist, kann seinen Beamtenstatus im Übrigen jederzeit aufgeben, in die freie Wirtschaft wechseln – und fĂŒr faire Löhne streiken.

Und jetzt lachen weder HĂŒhner noch Beamte, sondern die Arbeiter und Angestellten.

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Kluge Kinder sollten Akademiker als Eltern haben …

… andernfalls haben sie es schwerer als normal Begabte.

 

In „Zu viel Schule“ habe ich ĂŒber „Achtzehn beliebte IrrtĂŒmer zum Thema Bildung“ geschrieben. Den Abschnitt ĂŒber den dritten Irrtum habe ich mit „Halo, Pygmalion & Co.“ ĂŒberschrieben.

Kurz gesagt laufen Halo-Effekt und Pygmalion-Effekt darauf hinaus, dass gut aussehende Kinder und ebenso die Söhne und Töchter von Akademikern von vielen Lehrpersonen bessere Schulnoten als andere SchĂŒler erhalten – fĂŒr die gleiche Leistung.

Armin Himmelrath berichtet nun in seinem neuen SPIEGEL-Artikel von einer aktuellen Langzeitstudie, die zu verblĂŒffenden Resultaten gelangt ist:

Gymnasiasten, deren Eltern ein niedriges Bildungsniveau haben, fallen im Laufe ihrer Schulzeit immer weiter zurĂŒck. Besonders groß ist die Gefahr, wenn sie in der fĂŒnften Klasse in Mathematik und Deutsch noch Einsen auf dem Zeugnis stehen hatten. Das ist das ĂŒberraschende Ergebnis einer noch unveröffentlichten Langzeitstudie von Bildungsforschern (…).

Wie meistens bei solchen Studien lassen sich die genauen Ursachen des Problems nicht einwandfrei belegen. „Dennoch“, so heißt es in dem Artikel, „sollten Bildungspolitik und Lehrer nicht auf diese Ursachenanalyse warten, bevor sie reagieren (…) Wichtig sei es jetzt, auf die besonders guten FĂŒnftklĂ€ssler mit wenig bildungsstarkem Elternhaus ‚ein besonderes Augenmerk der Schul- und Bildungspolitik‘ zu legen“.

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Ramos – Held oder Zerstörer?

Ein Nachtrag zu „Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten“ vom 27. Mai

 

In meinem Artikel vom 27.5. habe ich zwei verschiedene Sichtweisen auf ein und denselben Vorgang, nÀmlich das CL-Finale in Kiew am 26.5., beschrieben. Dabei ging es auch um zwei völlig entgegengesetzte Beurteilungen des Real-Madrid-Stars Sergio Ramos.

Die einen sehen in ihm einen Helden und Ausnahmefußballer. Die anderen – und ich gestehe, dass ich zu ihnen gehöre – sagen: Der Mann ist ein exzellenter Fußballer, aber stĂ€ndig gehen mit ihm die Pferde durch; um ein Fußballmatch zu gewinnen, ist ihm jedes Mittel recht, vorzugsweise versteckte, brutale Fouls – er wird zum KĂ€figkĂ€mpfer auf dem Fußballrasen.

Zu den Fakten: Laut Wikipedia ist Ramos

(…) auch fĂŒr seine harte Spielweise und hĂ€ufige Fouls bekannt. Er hĂ€lt den Rekord fĂŒr die meisten gelben Karten (222) und roten Karten (24) eines Spielers bei Real Madrid sowie fĂŒr die meisten roten (19) und gelben Karten in der Primera DivisiĂłn (165) und spanischen Nationalmannschaft (21).

Vor weniger als einer Stunde wurde ein FOCUS-Artikel veröffentlicht. Danach

(…) ließ der FC Liverpool Torwart Loris Karius nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid auf eine GehirnerschĂŒtterung untersuchen.

Ergebnis: Der konsultierte Bostoner Spezialist fĂŒr Kopfverletzungen hat festgestellt, dass Karius im CL-Finale durch den Ramos-Ellenbogenstoß eine GehirnerschĂŒtterung erlitt. Anschließend unterliefen dem Liverpooler Torwart bekanntlich die unfassbaren Fehler, die zu zwei Real-Toren fĂŒhrten.

Ich glaube, jeder von uns muss sich fragen, auch mit Blick auf die Fußball-WM: Will ich Fußball oder Kampfsport sehen? Und: Bringen Spieler wie Ramos den Fußballsport voran oder zerstören sie ihn – als Söldner derer, die mit immer grĂ¶ĂŸeren Geldsummen diese Sportart immer mehr pervertieren?

P. S.: Seitens FC Liverpool gibt es bisher keine offizielle Stellungnahme zum Fall Karius. Man kann vermuten, dass die Vereinsbosse stattdessen ihrem Mitarbeiter JĂŒrgen Klopp deutliche Hinweise geben, wie er als Trainer in Zukunft seine Spieler zu „programmieren“ hat.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Russia-Spain_2017_(6).jpg?uselang=de
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achtsam sprechen, achtsam zuhören

Buchtipp: Thich Nhat Hanh / Bewusste Kommunikation

 

Es gibt BĂŒcher, die ein Leben verĂ€ndern können – unter der Voraussetzung, dass die Leserin, der Leser sich mit dem Autor auf die Reise macht, sich befreit von „Gewohnheitsenergie“, wie Thich Nhat Hanh es nennt.

 

Schon mehrfach habe ich ĂŒber den außergewöhnlichen Mönch aus Vietnam, sein Leben und seine Botschaft an uns berichtet, zuletzt in einer Kurzbesprechung seines Ratgebers „Einfach sitzen”.

Auch in seinem Buch „achtsam sprechen, achtsam zuhören” (O. W. Barth Verlag, 2014) klingt vieles ungewohnt fĂŒr die Ohren eines nĂŒchtern-sachlichen MitteleuropĂ€ers, manches wird er als Zumutung empfinden: „Dem inneren Kind zuhören”, „tief hineinschauen”, oder „Ich leide, bitte hilf mir” – solche Worte findet man eher selten bei Twitter, WhatsApp, FAZ oder SPIEGEL. Und genau darum geht es.

Die ersten SĂ€tze im vorliegende Buch lauten:

Nichts und niemand kann ohne Nahrung leben. Alles, was wir zu uns nehmen, wirkt entweder heilend oder es schadet uns.

Anschließend erklĂ€rt uns der Autor, dass jede Art von Kommunikation auch Nahrung ist. Und dass wir beim Zuhören, Sprechen und Schreiben ebenso achtsam sein sollten wie beim Essen und Trinken.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf gesunde ErnĂ€hrung achten, ist ein solcher Einstieg ins Thema Kommunikation ein kluger Schachzug. Denn so achtlos sich viele von uns noch vor wenigen Jahren ernĂ€hrt haben, so dumm ist heute oft unser Verhalten in GesprĂ€chen, Telefonaten und beim Schreiben von E-Mails – im beruflichen wie auch im familiĂ€ren Umfeld.

Thich Nhat Hanh hĂ€lt uns in seinem Buch den Spiegel vor, aber er beschreibt auch handfeste Methoden, mit denen wir zu mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr das Leiden anderer gelangen, zu mehr Freundlichkeit und weniger Ichbezogenheit.

Liebe lap-land-Fans, ich habe dieses Buch in den letzten Tagen mit Bedacht und mit viel Freude gelesen, wĂ€hrend eines Kurzurlaubs in Versailles. Und ich habe beschlossen, einiges in meinem Leben zu Ă€ndern. Dabei habe ich mir selbst – wie von Thich Nhat Hanh empfohlen – eine Deadline gesetzt, als es beispielsweise um das Schreiben eines versöhnlichen Briefs ging.

Buchcover: Verlagsgruppe Droemer Knaur; https://www.droemer-knaur.de/buch/7985395/achtsam-sprechen-achtsam-zuhoeren
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Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten

Was ist Wahrheit? Eine spannende und sperrige Frage – fĂŒr Philosophen, Richter und betrogene Ehepartner, Freunde, Politiker. Wer es sich einfach machen will, sagt, es gibt keine. Zumindest nicht die eine. Wer skrupellos ist, behauptet stĂ€ndig irgendetwas und eine Stunde oder einen Tag spĂ€ter das Gegenteil, ohne sich jemals fĂŒr seine LĂŒgen zu entschuldigen.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Liverpool gegen Real Madrid.
– Die EnglĂ€nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der Ägypter Salah ist der gefĂ€hrlichste StĂŒrmer des Liverpooler Teams.
– In der 31. Minute*) muss Salah nach einem Zweikampf mit dem Real-KapitĂ€n Ramos ausgewechselt werden. Liverpool gerĂ€t nun in die Defensive.
– In der Folgezeit unterlaufen dem Liverpooler Torwart Karius zwei unfassbare Fehler. Von dem zweiten Fehler profitiert TorschĂŒtze Bale, der erst nach einer Stunde eingewechselt worden ist; schon vorher hat er ein Traumtor erzielt.
– Ergebnis: 3:1 fĂŒr Madrid. Matchwinner: Bale. Tragische Helden: Liverpools Torwart Karius und sein Trainer Klopp. Fazit: Ein großartiger Fußballabend, die individuelle Klasse der Madrilenen hat sich durchgesetzt.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Real Madrid gegen Liverpool.
– Die EnglĂ€nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der Ägypter Salah ist der gefĂ€hrlichste StĂŒrmer des Liverpooler Teams.
– Real-KapitĂ€n Ramos erkennt, dass dieses Spiel mit fußballerischen Mitteln fĂŒr Madrid nicht zu gewinnen ist. In der 31. Minute*) reißt er Salah durch eine filmreife Kung-Fu-Einlage so zu Boden, dass dieser ausgewechselt werden muss. Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt sehen in der Wiederholung diesen brutalen Regelverstoß, aber es gibt nicht einmal die gelbe Karte fĂŒr Ramos. Liverpool gerĂ€t nun in die Defensive.
– In der 49. Minute attackiert Ramos einen anderen Liverpooler SchlĂŒsselspieler: Im FĂŒnf-Meter-Raum rammt er dem gegnerischen Torwart Karius seinen Ellenbogen gegen den SchĂ€del. Karius geht zu Boden, greift sich an den Kopf, aber er beschwert sich nicht und spielt weiter (–> BILD). In der Folgezeit unterlaufen demselben Torwart zwei unfassbare Fehler, wodurch Madrid quasi zwei Tore geschenkt bekommt.
– Ergebnis: 3:1 fĂŒr Madrid. Matchwinner: Ramos. Abgezockter Strippenzieher: Real-Coach Zidane. Fazit: Eine Niederlage fĂŒr den Fußball, die Liverpooler sind durch brutale RegelverstĂ¶ĂŸe um den Sieg gebracht worden.

Welche der beiden Geschichten ist die wahre? Oder gibt es eine dritte?

Fotos: Wikimedia

*) Korrigiert am 27.5., 17:10 Uhr: Salahs Auswechslung erfolgte nicht in der zweiten Halbzeit, sondern in der 31. Minute; die Ellenbogen-Attacke spielte sich anschließend ab, in der 49. Minute.

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