Zeitenwende – Update Nov. 2018

Umfrage Emnid vom 10. Nov. 2018
(SPD 15%  GrĂŒne 22%)

 

GegenĂŒber den Infratest-Werten vom 18. Oktober (–> Artikel „Zeitenwende”) gibt es einige interessante VerĂ€nderungen:

  • Leichte Verluste bei AfD und FDP
  • CDU und CSU unverĂ€ndert (trotz der KandidatenkĂŒr AKK/Merz/Spahn fĂŒr den CDU-Parteivorsitz),
    und jetzt kommt’s:

 

Neue Nummer eins: die GRÜNEN (fast 2% mehr als CDU!)

Neue „Volkspartei“ (mehr als 35%): der Block ORANGE.

 

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Zeitenwende

Zahlen sind bisweilen brutaler als Worte. Hier sind die neuesten Umfrage-Werte von Infratest, bezogen auf ganz Deutschland:

 

Umfrage Infratest dimap vom 18. Okt. 2018
(SPD 14%  GrĂŒne 19%)

Den Einzelwert der GRÜNEN (19%) habe ich diesmal
als Teil des ORANGE-Blocks (Gesamtwert GrĂŒne-SPD) visualisiert.

 

Zum Vergleich:

Ergebnis der Bundestagswahl vom 24. Sept. 2017
(SPD 20,5%  GrĂŒne 8,9%)

 

Wenn man realistischerweise 35 Prozentpunkte als Minimalwert fĂŒr eine Volkspartei festlegt, dann mĂŒssen nun auch die letzten TraumtĂ€nzer und Schönredner begreifen:

Auf Bundesebene gibt es keine einzige Volkspartei mehr.

Und:

  • Nikolaus Blome hat Recht: Die GroKo ist ein Grab. In weniger als 13 Monaten haben CDU, SPD und CSU rund ein Viertel ihrer WĂ€hlerschaft verloren. Die Bezeichnung „Große Koalition“ ist eine Formulierung aus lĂ€ngst vergangenen Zeiten.
  • Die SPD, die Ă€lteste der deutschen Parteien, ist der HSV der Politik. Stand heute: Platz 4 – nach CDU, den GrĂŒnen und der AfD. FĂŒr ein BĂŒndnis mit den GRÜNEN (Projekt ORANGE) ist es vermutlich zu spĂ€t.
  • Die CSU liegt jetzt bundesweit unter 5 Prozent.
  • Die AfD ist inzwischen etabliert, aber das rasante Wachstum hat nachgelassen.
  • Die GRÜNEN sind die Partei der Stunde und der CDU dicht auf den Fersen. Sie sind möglicherweise demnĂ€chst die Nummer 1 in Deutschland.
  • Der „schwarze Block“, das BĂŒndnis CDU/CSU, steht nicht mehr unter Denkmalschutz. Immer lauter wird in der CDU die Frage gestellt: Was bringt uns dieses BĂŒndnis heute noch? Tatsache ist, im Wahl-Herbst 2017 erzielte die CDU allein einen besseren Wert (26,7%) als die „vereinigte Union“ bei der gestrigen Infratest-Umfrage (25%).
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Auf zu neuen Ufern …

… mit den altbekannten Gesichtern?

 

Es funktioniert nicht. Keine Begeisterung, kein Spirit, keine Aufbruchstimmung

  • in der Fußballnationalmannschaft mit Löw, MĂŒller und Boateng
  • beim FC Bayern mit Hoeneß, MĂŒller, Boateng, Robben und RibĂ©ry
  • in der CSU mit Seehofer, Söder und Dobrindt
  • in der SPD mit Nahles und Scholz
  • in der CDU mit Merkel und von der Leyen
    (immerhin: Kauder wurde inzwischen abgelöst).

Die aktuell markantesten Gegenbeispiele sind

  • Borussia Dortmund mit Favre, Kehl, Witsel und AlcĂĄcer
  • die GRÜNEN mit Robert Habeck, Annalena Baerbock und Katharina Schulze.

Politik und Fußball wurden und werden stets von Menschen geprĂ€gt. Neue Wörter bei unverĂ€ndertem Handeln der „ĂŒblichen VerdĂ€chtigen“ durchschaut man irgendwann als Etikettenschwindel. FĂŒr einen Neuanfang brauchst du unverbrauchte Frauen und MĂ€nner (vgl. Artikel „Neue Köpfe …“ vom 28.09.2018). Von Antoine de Saint-ExupĂ©ry stammt der Satz:

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht MĂ€nner zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die MĂ€nner die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Es reicht eben nicht, immer nur pragmatisch zu sein – du musst in der Lage sein, dich selbst und andere zu begeistern.

Und es reicht nicht, stĂ€ndig von „Projekten“ zu reden, beispielsweise vom „Projekt Europa“ (vgl. Artikel vom 18.09.2011 –> Denkfehler Nr. 1). Du musst in der Lage sein, in Projekten zu denken, echte Projekte zu machen und zum Erfolg zu fĂŒhren. Ich nenne es Projektintelligenz.

Um es mit Gertrude Stein („Rose is a rose is a rose is a rose“) zu sagen:
Ein Projekt ist ein Projekt ist ein Projekt.

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Bayernwahl 2018: Sieger Söder, Verlierer ORANGE …

… und die Bankrotteure: Merkel, Seehofer und Nahles

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber jetzt – nach der gestrigen Bayernwahl – sind die ORANGE-Charts, die ich Ihnen seit einiger Zeit prĂ€sentiere, fĂŒr mich sehr nĂŒtzlich.

Sie helfen mir, die Wahlergebnisse nĂŒchtern und sachlich-historisch einzuordnen – ungetrĂŒbt von Medien-Geschrei und eigenem Wunschdenken.

 

Ergebnis der Bayernwahl vom 14.10.2018

(GrĂŒne 17,5%  SPD 9,7%)

 

Ergebnis der Bayernwahl vom 15.09.2013

(GrĂŒne 8,6%  SPD 20,6%)

 

Fazit:

  • Ja, die CSU hat in Bayern enorm viele WĂ€hler verloren, aber sie hat die Macht behalten. Der Sieger heißt Söder – mit Hilfe der Freien WĂ€hler kann er Landesvater bleiben.
  • Die CSU ist nicht – wie vielfach prognostiziert – bei 33-34% gelandet, sondern bei mehr als 37%. Damit bleibt sie in Bayern Volkspartei – die einzige in Deutschland.
  • Ja, die GrĂŒnen und die AfD haben stark dazu gewonnen, aber es reicht nicht fĂŒr einen Machtwechsel.
  • Im Wesentlichen hat es nur lager-interne Verschiebungen gegeben – von der CSU zur AfD und von der SPD zu den GRÜNEN.
  • CSU und AfD haben jetzt in der Summe fast genauso viele Prozentpunkte wie vor fĂŒnf Jahren: gut 47%.
  • Trotz des Erfolgs der GRÜNEN hat das rot-grĂŒne Lager (ORANGE) in der Summe an Bedeutung verloren, denn wĂ€hrend der CSU „nur“ knapp ein Viertel der WĂ€hlerschaft davongelaufen ist, war es bei der SPD mehr als die HĂ€lfte.
  • Was Bayern anbelangt, war das angebliche „große Beben“ nur ein mittelmĂ€ĂŸiges Rumpeln, ein Weckruf.
  • In Berlin werden in gut 14 Tagen – nach dem Doppelschlag Bayern/Hessen – vermutlich Köpfe rollen. Denn gestern gab es nicht nur einen Sieger Söder, Gewinner (GrĂŒne, AfD, FDP) und Verlierer (SPD), sondern auch drei Bankrotteure: die GroKo-Fetischisten Merkel, Seehofer und Nahles.

Und jetzt? Erbarmen, die Hesse komme.

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ORANGE in Bayern

Bisher habe ich das Projekt ORANGE nur auf der Bundesebene angesiedelt. Aber wie sĂ€he das aus, wenn es ein strategisches BĂŒndnis SPD-GrĂŒne in Bayern gĂ€be?

Ehrlicherweise mĂŒsste man ein solches bayerisches BĂŒndnis „GrĂŒne-SPD“ nennen, denn dort sind die GRÜNEN mittlerweile fast doppelt so stark wie die SPD. Hier der neueste Stand gemĂ€ĂŸ SPON-Umfrage und zum Vergleich die Ergebnisse der Landtagswahl 2013:

 

Ergebnis aktueller SPON-Wahltrend/SPIEGEL ONLINE (

Ergebnis der bayerischen Landtagswahl vom 15.09.2013

 

Man sieht:

  • In der Summe sind die Stimmen fĂŒr GrĂŒne und SPD fast konstant geblieben. Allerdings hat es eine enorme Verschiebung der Stimmen zugunsten der jĂŒngeren Partei gegeben *).
  • Bei CSU und AfD verhĂ€lt es sich ganz Ă€hnlich.

Und nicht vergessen: Das obere Diagramm veranschaulicht lediglich Prognose-Werte, das untere ein endgĂŒltiges Wahlergebnis. Schaunmermal …

 

*) Die SPD verliert fast die HĂ€lfte ihrer WĂ€hlerschaft (von 20,6% auf 11%), die GRÜNEN verbessern ihren Wert auf mehr als das Doppelte (von 8,6% auf 18,5%).
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Kurz vor den Wahlen in Bayern und Hessen: Update / Projekt ORANGE

Ich weiß, eine strategische Partnerschaft SPD-GrĂŒne (Projekt ORANGE) auf Bundesebene gibt es (noch) nicht. Trotzdem stehe ich zu dieser Idee, die ich nach der Bundestagswahl vor etwa einem Jahr ins Spiel gebracht habe.

FĂŒr mich ist sie nicht so utopisch, wie viele denken, sondern eine Option fĂŒr die Nach-Merkel-Zeit. FĂŒr utopisch halte ich eher das Wagenknecht-Projekt „Aufstehen“, von dem schon nach wenigen Monaten kaum noch jemand spricht.

Aber ein Ende des CDU/CSU-BĂŒndnisses könnte schon bald RealitĂ€t sein – je nach Ausgang der nĂ€chsten Landtagswahlen. Deshalb habe ich meine ORANGE-SĂ€ulendiagramme noch einmal aktualisiert. Hier sind sie – das neueste zuerst, das Ă€lteste (Bundestagswahl 2017) zuletzt:

 

Ergebnis aktueller SPON-Wahltrend/SPIEGEL ONLINE (

 

Ergebnis SPON-Wahltrend/SPIEGEL ONLINE (21.11.2017, 18:01)
(vgl. lap-land-Artikel vom 21. Nov. 2017)

 

 Ergebnis der Bundestagswahl vom 24.09.2017
(vgl. lap-land-Artikel vom 20. Nov. 2017)

Anmerkung: Die Werte fĂŒr CDU und CSU in den oberen beiden Charts wurden ermittelt, indem der jeweilige Gesamtwert CDU/CSU entsprechend dem VerhĂ€ltnis bei der Bundestagswahl 2017 aufgeteilt wurde.

 

Fazit:

  • Die AfD legt auf Bundesebene innerhalb eines Jahres um ein Drittel zu (das hat sich inzwischen herumgesprochen).
  • Was sich in den Medien bisher weniger herumgesprochen hat: Die Union (CDU plus CSU) hat ca. ein FĂŒnftel der WĂ€hlerschaft eingebĂŒĂŸt.
  • SPD-GrĂŒne haben etwa ein Zehntel mehr AnhĂ€nger, allerdings hat sich hierbei das Gewicht deutlich zugunsten der GRÜNEN verschoben.

KĂ€me also – nach dem Ende der jetzigen GroKo – ein BĂŒndnis SPD-GrĂŒne auf Bundesebene zustande, wĂŒrde es nach Neuwahlen wohl mit Abstand die meisten Abgeordneten stellen. Und mit BĂŒndnis meine ich ganz einfach, die Chefs von SPD und GrĂŒnen erklĂ€ren vor laufenden Kameras:

Wir lassen uns bei Koalitionsverhandlungen nicht auseinander dividieren. GrĂŒne und SPD werden entweder gemeinsam regieren oder gemeinsam in die Opposition gehen.

Jetzt sind die anderen gefragt in Sachen Verantwortung fĂŒr Deutschland. Wir laden FDP, CDU und Linke zu GesprĂ€chen ein. Mit der CSU oder der AfD werden wir nicht koalieren. 

In diesem Fall wĂ€re eine Kanzlerin oder ein Kanzler aus den Reihen der SPD oder auch der GRÜNEN keine Utopie mehr. Die Alternative: Bundeskanzler Jens Spahn.

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KUNSTFLOW 2018 – Snapshot

 

 

Ein wenig Bammel hatte ich schon vor meinem Auftritt gestern Abend. Dr. Leon R. Tsvasman, der Erfinder und Regisseur des Projekts KUNSTFLOW, hatte mich kĂŒrzlich ĂŒberredet, bei seiner Veranstaltung im Rahmen des Bonn Festivals 2018 mitzumachen. Eigentlich wollte ich nur als Zuschauer dabeisein …

Schon die Location hat’s in sich. Der Innovation Point in Bonn, Kaiserstraße 1b, ist eine Mischung aus Waschsalon, Bar, CafĂ© und Kunst. Ich sitze also dort um 19:30 Uhr an der Bar. Klaus, der Barkeeper und nebenbei Waschsalon-Boss, serviert mir einen Cappuccino. Ich betrachte die Lichtinstallation im Eingangsbereich und hinter mir die lautlos an die Wand projizierten Videos von bisherigen KUNSTFLOW-Events. Meine Gitarre habe ich irgendwo zwischengelagert, ebenso mein Survival Pack – Texte, Notizen samt schwarzer Schneeschaufel, sprich NotenstĂ€nder (siehe Foto), die ich mir von einem befreundeten Bandleader und Musikproduzenten ausgeliehen habe.

Ich denke an nichts Böses. Aber mit der Zeit wĂ€chst meine innere Unruhe. Die Acts werden immer professioneller und besser – junge Frauen und MĂ€nner aus Italien, Indonesien und weiß der Kuckuck … erstklassige Stimmen, originelle Texte, ein GeschichtenerzĂ€hler, ein Blues-Veteran am Piano, ein Physiker/Poet. Wann bin ich endlich an der Reihe? HĂ€tte ich’s bloß schon hinter mir.

Ich spĂŒre den Druck – wie die Spieler des FC Bayern an diesem Abend, nachdem der BVB mit einem furiosen Sieg am Nachmittag vorgelegt hat. Und die Bayern haben die Hucke voll gekriegt, 0:3.

Leon, der Maß­t­re de Plai­sir, ist kein Moderator oder Manager. Er geht nie ans Mikrofon. Er ist ĂŒberall und nirgendwo, ein (fast) unsichtbarer Marionettenspieler. Und – so hat er’s mir eingeschĂ€rft – ich soll immer zu ihm schauen, irgendwann wird er mir das Zeichen fĂŒr meinen Einsatz geben. Irgendwann … KunstFLOW … alles fließt.

NatĂŒrlich hĂ€tte ich das Startzeichen fĂŒr mich fast nicht mitbekommen. Zum GlĂŒck stĂ¶ĂŸt einer der GĂ€ste mich an, da – Leon, ich glaube, der meint Dich. Am Ende habe ich mich ganz wacker geschlagen, glaube ich, nicht zuletzt dank kameradschaftlicher Hilfe des indonesischen Singer-Songwriters beim Aufbau des Equipments. Auftrag ausgefĂŒhrt – Crossover von Shakespeare ĂŒber Montaigne bis zu schwebenden Faltern, inklusive Crashkurs in Chaostheorie und Projektphilosophie. Es war mir eine Ehre, und es hat mĂ€chtig Spaß gemacht.

DemnÀchst mehr von Leon und seinem Bonner KUNSTFLOW-Projekt.

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Das Foto hat mein Freund Heinrich Derksen mit seinem Smartphone geschossen.
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Bonn Festival / Samstag, 6. Oktober

Am kommenden Samstag findet das 2. Bonn Festival statt.

 

 

Mit einem Ticket kommt man in 13 Locations der Stadt. Also:

10 Stunden – 13 Locations – 1  Preis !
Konzerte// Lesungen // PoetrySlam // Kurzfilm // Comedy // Party

 

Eines der 13 Projekte:

 

KUNSTFLOW FUSION & FLOW-IN

Beginn: 19:30 Uhr FLOW-IN // 20 Uhr KUNSTFLOW MIT HIGHLIGHTS
im Waschsalon Innovationpoint, Kaiserstrasse 1b, 53111 Bonn
(2 Min vom Bhf/Busbahnhof Bonn)
–> Tickets

  • Lichtinstallation / Singer-Songwriters / performed Poetry / Story Telling
  • live gesteuert von Dr. Leon R. Tsvasman, dem Urheber des Projekts
  • Weitere Informationen gibt es auf Facebook, u. a. zu einem
    Überraschungs-Act:

Die radikal nicht-lineare Performance von
😎 Bernd „Burnie” Scheurer
Projektphilosoph, Chaos-Experte und Blogger (lap-land.de)
Crossover von Shakespeare ĂŒber Montaigne bis zu schwebenden Faltern

Ich vermute, es wird ein spannender Abend.

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Neue Köpfe, neue Ideen, neue BĂŒndnisse

Reden wir einmal nicht von den politischen Ereignissen der letzten Wochen. Reden wir von der Zukunft.

 

 

 

 

 

Diese vier Köpfe – Ralph Brinkhaus (CDU), Annalena Baerbock und Robert Habeck (beide DIE GRÜNEN) sowie Franziska Giffey (SPD) – stehen fĂŒr frischen Wind und neue Möglichkeiten.

Allerdings, das was DIE GRÜNEN und die FDP schon geschafft haben, nĂ€mlich eine personelle Erneuerung der Parteispitze, mĂŒssen andere Parteien erst noch leisten. Frau Giffey und Herr Brinkhaus sind also zunĂ€chst nur HoffnungstrĂ€ger ihrer jeweiligen Partei.

Auf die Dauer reicht es nicht, nur von „Erneuerung“ zu reden und im ĂŒbrigen alles beim Alten zu lassen – siehe Merkel, Seehofer, Nahles etc..

Und was viele vergessen: Immer nur zu jammern ĂŒber die große Zahl der im Bundestag vertretenen Parteien, hilft niemandem weiter. Denn durch diese Vielfalt gibt es auch wesentlich mehr Optionen fĂŒr BĂŒndnisse, d. h. Fraktionsgemeinschaften und Koalitionen.

Bei 7 Bundestags-Parteien gibt es theoretisch 21 (!) mögliche ZweierbĂŒndnisse, von den Dreier- oder ViererbĂŒndnissen ganz zu schweigen.

Selbst wenn man ein BĂŒndnis mit einer bestimmten Partei – z. B. der AfD oder der Linken – ausschließt, bleiben jeder Partei jede Menge Optionen.

Aber das Einzige, was wir in dieser öden GroKo-Zeit prĂ€sentiert bekommen, ist Schnee von vorgestern: die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU und das regierende DreierbĂŒndnis CDU-CSU-SPD.

Was in den Köpfen vieler Spitzenpolitiker fehlt, sind Phantasie und die Bereitschaft, sich von alten Denkmustern zu befreien. Und damit sind wir wieder beim Thema „neue Köpfe“.

P. S.: KĂŒrzlich habe ich in einem offenen Brief an Kevin KĂŒhnert (SPD) ein ZweierbĂŒndnis SPD-GrĂŒne (Projekt ORANGE) ins Spiel gebracht, als Basis fĂŒr eine neue Regierung „Kenia minus CSU”. Vom BĂŒro Kevin KĂŒhnert habe ich seitdem nichts gehört. Vom BĂŒro Annalena Baerbock erhielt ich inzwischen eine freundliche Mail zu diesem Thema. Mir scheint, die neuen Vorsitzenden der GrĂŒnen sind deutlich kreativer und flexibler im strategischen Denken als viele Spitzenpolitiker anderer Parteien.

 

Fotos:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ralph_Brinkhaus_2011.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Annalena_Baerbock_(cropped).jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Robert_Habeck_20090917-DSCF1973.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pressefoto_von_Franziska_Giffey_(cropped).jpg?uselang=de
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Nahles muss weg.

Ich will’s kurz machen. Noch vor wenigen Tagen hat Andrea Nahles beim Wahlkampfauftakt der hessischen SPD in Offenbach öffentlich betont: „Herr Maaßen muss gehen und ich sage Euch, er wird gehen.“ Nun stimmt sie der Beförderung des Verfassungsschutzchefs zum StaatssekretĂ€r zu und will dies der WĂ€hlerschaft und der SPD-Parteibasis als Erfolg verkaufen.

Das Problem lautet seit heute nicht mehr Seehofer, sondern Nahles.

Schon durch den von ihr betriebenen Wiedereintritt in die GroKo-AtmosphĂ€re hat Frau Nahles die Verzwergung der SPD dramatisch beschleunigt. Und nun reitet sie durch ihr dilettantisches und wĂŒrdeloses Verhalten in der Causa Maaßen die Partei, die sie eigentlich fĂŒhren soll, unbeirrbar und stur weiter in die Sch… . Deshalb

beantrage ich als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die sofortige

Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen Andrea Nahles.

BegrĂŒndung: ParteischĂ€digendes Verhalten und Wortbruch gegenĂŒber 440.000 Mitgliedern der SPD in der Sache Seehofer/Maaßen.

Ich habe soeben Jörn Kampmann, den Vorsitzenden meines SPD-Ortsvereins, ĂŒber meinen Antrag informiert und ihn gebeten, kurzfristig eine Vollversammlung unseres Ortsvereins einzuberufen, zwecks Abstimmung ĂŒber diesen Antrag.

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Offener Brief an Juso-Chef Kevin KĂŒhnert: Raus aus der GroKo und Start einer Fraktionsgemeinschaft SPD-GrĂŒne – jetzt.

Lieber Kevin,

nach langer Zeit gibt es endlich wieder einen Anlass, stolz auf die SPD zu sein. Und genau darum geht es: Selbstachtung und (!) Machtoption.

In der gestrigen Bundestagsdebatte haben Johannes Kahrs und Martin Schulz endlich Flagge gezeigt – gegen die Ewiggestrigen und Antidemokraten in unserem Land. Am selben Tag hast Du von der SPD-FĂŒhrung verlangt, die Koalition mit CDU/CSU aufzukĂŒndigen, falls der immer noch amtierende Verfassungsschutzchef nicht entlassen wird. Du hast dies als eine „Frage der Selbstachtung“ bezeichnet.

Deine Forderung nach Beendigung der GroKo ist goldrichtig und zum jetzigen Zeitpunkt absolut begrĂŒndbar. Aber ich fĂŒrchte, diese Forderung wird nicht reichen. Was die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler brauchen, ist ein echter Neuanfang, eine Perspektive fĂŒr die Zukunft. Mein Vorschlag:

Strategische Partnerschaft SPD-GrĂŒne,
erster Schritt: Bildung einer Fraktionsgemeinschaft im Bund,
Ziel: Diese neue Fraktion wird die stÀrkste im Bundestag
und stellt den Kanzler bzw. die Kanzlerin.

Vor fast einem Jahr habe ich dieses Projekt ORANGE in einem Blog-Artikel beschrieben, ausgehend vom Ergebnis der letzten Bundestagswahl:

 

 

Alles Weitere findest Du in meinem Artikel vom 20.11.2017.

 

Herzliche GrĂŒĂŸe und viel Erfolg!

Bernhard M. Scheurer

 

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Nach Auschwitz und nach Chemnitz: mehr Geschichtsunterricht

Gestern Abend feierte der WDR das 30jĂ€hrige JubilĂ€um der Kabarett-Sendung Mitternachtsspitzen (–> WDR-Video). Bei ihrem Auftritt (1:00:22) erinnerte Carolin Kebekus  an ein anderes JubilĂ€um: Seit 100 Jahren gibt es in Deutschland das Frauenwahlrecht. Und sie machte auf ihre kompromisslos-derbe Art deutlich: Der Kampf der Frauen fĂŒr Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ist noch lange nicht zu Ende.

Als Beispiel brachte sie den Streit um den Paragraphen 219a, wonach es Ärztinnen und Ärzten immer noch untersagt ist, auf ihrer Website ĂŒber Schwangerschaftsabbruch zu informieren. Kebekus griff in diesem Zusammenhang Jens Spahn und den Papst frontal an und stellte die Frage:

Wieso soll ich mir als Frau von einem homosexuellen Gesundheitsminister oder von einem zölibatÀr lebenden Papst RatschlÀge zur Schwangerschaft geben lassen?

Das ist so, als ob ein blinder Veganer mir erklÀrt,
wie mein Mettbrötchen auszusehen hat.

Ich frage mich, wie viele Jugendliche sich gestern diese Sendung angeschaut haben. Und ich frage mich, wie viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler an weiterfĂŒhrenden Schulen in unserem Land darĂŒber informiert werden,

  • dass kurze Zeit nach EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts, nĂ€mlich von 1933 bis 1945, alle Freiheitsrechte und demokratischen Strukturen in Deutschland systematisch von einem totalitĂ€ren Regime zerschlagen wurden
  • dass dieses Regime vielen Millionen Menschen in Europa und der ganzen Welt Tod, Folter, Krieg und Zerstörung  gebracht hat
  • wie es heute noch in Saudi-Arabien, Iran oder der TĂŒrkei mit den Rechten der MĂ€dchen und Frauen aussieht
  • dass Demokratie und Freiheit tĂ€glich erkĂ€mpft beziehungsweise verteidigt werden mĂŒssen – sei es in Saudi-Arabien, Deutschland oder den USA.

Die NRW-Regierung hat kĂŒrzlich bekannt gegeben, dass es in Zukunft wesentlich mehr Unterrichtsstunden in den Schulen geben soll – in Mathematik, Naturwissenschaften und Englisch. Ich finde das prima. Aber wie sieht es aus mit Geschichte und Politik? Was lernen unsere Kinder aus der Katastrophe von Auschwitz vor mehr als siebzig Jahren und aus den erschreckenden VorfĂ€llen in Chemnitz vor einer Woche?

Wie sollen Menschen aus der Geschichte lernen, wenn sie in der Schule zu wenig oder zu schlechten Geschichtsunterricht erleben? So wie ich vor etlichen Jahren als SchĂŒler eines Kölner Gymnasiums, wo wir jahrelang einen Deutschnationalen und ehemaligen Major der deutschen Wehrmacht als Geschichtslehrer ertragen mussten, der viele, viele Stunden ĂŒber die alten Germanen oder Kaiser Barbarossa referierte, aber nie, nie, nie ĂŒber die GrĂ€ueltaten der Nazis.

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Querdenker, Quereinsteiger, Querulanten

Wieder einmal herrscht Lehrermangel, also werden an den Schulen verstĂ€rkt „Quereinsteiger” eingesetzt – LehrkrĂ€fte, die nicht den ĂŒblichen Weg gegangen sind: Schule, Abi, Studium, Referendariat, Schule. Es sind besondere Lehrerinnen und Lehrer – Menschen, die Erfahrungen aus dem außerschulischen Berufsleben mit ins Klassenzimmer bringen, wenn sie dort anfangen, Jugendliche auf die Arbeit in einem Betrieb vorzubereiten.

Aber die Sache wird von manchen auf den Kopf gestellt. FĂŒr sie sind Quereinsteiger Sonderlinge – Leute, die in einer Schule fehl am Platz sind. Das heißt, eine Quereinsteigerin gerĂ€t schnell in die Schublade „Querdenkerin, Querulantin”.

KĂŒrzlich gab es in der FAZ ein lĂ€ngst fĂ€lliges „Lob des quer einsteigenden Lehrers”. Darin heißt es:

Quereinsteiger haben Lebenserfahrung. Die bereitet sie in mancher Hinsicht besser als ein noch so grĂŒndliches Studium auf die Wirklichkeit an solchen Schulen vor. Wo Eltern Analphabeten sind. Oder ihre Kinder schlagen. Der Vater der Lehrerin nicht die Hand geben will.

Und weiter:

… statt die Novizen nur als Zumutung zu sehen, sollte man sie als Chance begreifen: Quereinsteiger haben einen ganz anderen Blick als Lehrer, die nie woanders waren. Sie bringen frischen Wind. Einen guten Lehrer vergisst man nie. Weil er einen fĂŒrs Leben prĂ€gt.

Wenn jedoch gleich zu Beginn des Artikels Franz Beckenbauer und Vitali Klitschko als Beispiele fĂŒr einen erfolgreichen Quereinstieg erwĂ€hnt werden, ist das aus meiner Sicht nicht besonders hilfreich .

Mir fĂ€llt ein wesentlich besserer exemplarischer Fall ein. Vor kurzem habe ich vom Tod meines Freundes Georg Schaletzki berichtet. Er ist den Königsweg gegangen. Nach Abschluss einer Ausbildung zum Elektroinstallateur hat er eine Fachoberschule in Köln-Deutz besucht, mit circa dreißig Jahren noch ein Studium absolviert und ist dann als Lehrer zu seiner alten Kölner Schule zurĂŒckgekehrt, wo er spĂ€ter zur erweiterten Schulleitung gehörte. Georg, das wird in dem von mir erwĂ€hnten YouTube-Video deutlich, war ein besonderer Mensch und zweifellos ein besonders guter Lehrer.

Fotos:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:14-01-10-tbh-241-franz-beckenbauer.jpg?uselang=de
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Verleihung_Konrad-Adenauer-Preis_der_Stadt_Köln_2015_an_Vitali_Klitschko-7607.jpg?uselang=de
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Schule ohne Unterricht

Wie weltfremde BĂŒrokraten Kinder daran hindern, in Ruhe und mit Erfolg zu lernen

 

Vor einigen Jahren hat einer meiner Freunde als Mathelehrer versucht, an seiner Schule eine „algebrafreie Mathematik“ einzufĂŒhren. Nun, das ist gar nichts im Vergleich zu einer „Schule ohne Unterricht“.

 ***

Michael Rudolph, seit 2005 Hauptschul-Leiter, erklĂ€rt mit einem einzigen Satz, wofĂŒr man vor tausenden von Jahren die Schule erfunden hat*):

Der SchĂŒler muss etwas lernen können.

Und er weiß, dass dies nur möglich ist, wenn man fĂŒr entsprechende Rahmenbedingungen sorgt. Bevor er die Leitung der Friedrich-Bergius-Oberschule in Berlin ĂŒbernahm, hatte der Senat „die Schule so gut wie aufgegeben (…) , die SchĂŒler schwĂ€nzten, Gewalt war an der Tagesordnung. Rudolph kam als letzter Versuch. Innerhalb von vier Jahren war die Friedrich-Bergius-Oberschule ĂŒbernachgefragt – sie ist es bis heute“. Zwei der Maßnahmen des neuen Chefs: „ZuspĂ€t-Kommer mĂŒssen MĂŒll sammeln, wer sich mit dem Handy erwischen lĂ€sst, ist es fĂŒr vier Wochen los“. Ergebnis:

Überdurchschnittlich viele SchĂŒler schaffen den MSA**) (…)
Der Unterricht beginnt pĂŒnktlich, die LernatmosphĂ€re ist „angstfrei“. Das hat auch die letzte Schulinspektion festgestellt. 

Und jetzt kommt die Pointe:

Trotzdem ist die Friedrich-Bergius-Oberschule durchgefallen, sie sei eine „Schule mit erheblichem Entwicklungsbedarf“. Zu viel Frontalunterricht, zu wenig Gruppenarbeit, mĂ€kelten die SchulprĂŒfer. Rudolph ist fassungslos: „Die Leistung unserer SchĂŒler hat bei der Bewertung gar keine Rolle gespielt.“

Ja, warum auch sollte sich ein SchulprĂŒfer dafĂŒr interessieren, ob die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gut lesen, schreiben und rechnen können? Schnee von vorgestern, völlig uncool. Angesagt sind heute ganz andere „Projekte“.

„Mal gibt es verpflichtend jahrgangsĂŒbergreifendes Lernen fĂŒr alle, dann ist plötzlich der neueste Trend schreiben nach Gehör“, sagt Rudolph, „klappt es nicht, wird es rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Das sind Großversuche an Kindern.“

Solche kritischen Worte werden mit Sicherheit nicht gern vernommen von denen, die fĂŒr die tollen Großversuche verantwortlich sind. Und sie werden nur ein mĂŒdes, ĂŒberlegenes LĂ€cheln ĂŒbrig haben fĂŒr den verzweifelten Aufruf eines lang gedienten, engagierten Lehrers:

„Es muss in der Schule endlich wieder um guten Unterricht und um Erziehung gehen.“

 

*) Nicole Dolif: Es muss endlich wieder Unterricht geben, BILD, 26.08.2018
**) Mittlerer Schulabschluss
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Freundschaft

Zum Tod von Georg Schaletzki

 

Einer meiner besten Freunde ist gestorben. Als ich am heutigen Morgen die Nachricht von seinem Tod erhielt, war ich fassungslos.

Gerade in letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Thema Tod und VergĂ€nglichkeit beschĂ€ftigt. Aber ĂŒber das Sterben nachzudenken und zu schreiben, das ist eine Sache. Mit dem Tod eines Menschen fertig zu werden, der einem unsagbar vertraut war, mit dem man ĂŒber alles sprechen und ĂŒber vieles herzhaft lachen konnte, das ist eine ganz andere Sache.

Deshalb schreibe ich diesen Artikel. Um deutlich zu machen, Philosophieren ist kein intellektuelles Schattenboxen. Es ist harte Arbeit. FĂŒr jeden von uns.

Freundlich und Freundschaft stehen in der Projektphilosophie-Uhr an erster Stelle. Das war von Anfang an so, und es ist trotz einiger Überarbeitungen im Laufe der Jahre so geblieben. Ich trauere um einen unvergleichlichen Freund. Nie mehr werden wir zusammen im CafĂ© sitzen und reden, flachsen, lachen. Nie mehr werden wir uns zum Abschied umarmen. Ich will auch gar nicht Abschied nehmen, Georg. Deine lachenden Augen sind immer noch da.

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Coaching

Mit Coaching ist es wie mit Design. So wie es zahlreiche Designdisziplinen gibt – von Automobil- ĂŒber Mode- bis Webdesign –, findet man auch beim Coaching völlig unterschiedliche Methoden und Zielsetzungen.

Beautiful modern coach, isolated on white background

Trotz aller Unterschiede haben die diversen Coaching-AusprĂ€gungen natĂŒrlich eine gemeinsame sprachliche Wurzel, nĂ€mlich „Coach”, das englische Wort fĂŒr Kutsche. Genaueres zur Herkunft des Begriffs „Coaching” findet man z. B. bei Novalis, einem Anbieter von Beratungs- und Coaching-Maßnahmen.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 12.8.2018 gibt es zwei Artikel, in denen es um Coaching im weitesten Sinne geht, und zwar in insgesamt drei verschiedenen Anwendungsbereichen.

 

(1) Private Nachhilfestunden
(Motiv „Angst vor dem sozialen Abstieg
”)

ABI. WAS NUN?

Das ist der Aufmacher der letzten FAS-Ausgabe. In dem Artikel von Katrin Hummel ist die Rede von

der Sorge der Eltern, dass es ihrem Kind spĂ€ter mal schlechter gehen könnte als ihnen selbst. (…) Um dies zu verhindern, investieren die Deutschen knapp 900 Millionen Euro pro Jahr in private Nachhilfestunden.

 

(2) Studien- und Berufsberatung
(Motiv „Optimierung der Persönlichkeit
”)

Schwerpunkt des Artikels ist jedoch die Phase nach dem Abitur:

Jedes Jahr stehen etliche der etwa 300 000 Abiturienten vor der großen Frage, was sie denn nun machen sollen. Hilflos, orientierungslos, planlos.

Katrin Hummel hat der DĂŒsseldorfer Studienberaterin Ruth Wallraf eine Weile ĂŒber die Schulter geschaut. Frau Wallraf, eine ehemalige Investmentbankerin, fĂŒhrt mit ihren jungen Klienten Begabungs- und Persönlichkeitstests durch, auf deren Basis sie ihnen dann VorschlĂ€ge bezĂŒglich der Wahl des Studien- oder Ausbildungsfachs macht.

 

(3) Mentales Coaching im Profi-Sport
(Motiv „Äußerem Druck standhalten, eigenen Weg finden
”)

Um ein ganz anderes Umfeld geht es in dem Artikel „Immer volle Pulle” im Sport-Teil der FAS. Michael Eder setzt sich darin mit dem Fall Jan Ullrich auseinander. Quasi als Gegenentwurf zum dramatischen Absturz des prominenten Radprofis hat er das Leben von Magdalena Neuner gewĂ€hlt.

Mit 25 Jahren hat sie, ein „Liebling der Nation”, ihre Karriere beendet. Dazu stellt der Autor ihr in einem Interview die Frage: „Sie haben auf viel Geld und viele Titel verzichtet, was war Ihnen wichtiger als das?”

Mein Leben mit den Menschen zu leben, die ich liebe: mit meiner Familie, jetzt mit den Kindern, den Freunden.

Als entscheidend fĂŒr ihre gesamte Karriere bezeichnet Frau Neuner die Zusammenarbeit mit ihrem Mentalcoach – fĂŒr sie im RĂŒckblick „wie ein Sechser im Lotto”.

Manche stĂŒrzen sich bei Problemen in Alkohol und Drogen, da ist es sicher die bessere Wahl, sich einen guten Mentalcoach zu suchen (…)

 

Fazit:

Streng genommen handelt es sich nur im letzten der obigen drei FĂ€lle um Coaching. Im Portal „Coaching-Report” gibt es eine ausfĂŒhrliche und ĂŒberprĂŒfbare Definition von Coaching. Gleich zu Beginn wird die Bedingung genannt, dass

Coach und Klient gleichermaßen gefordert sind und auf gleicher „Augenhöhe“ zusammenarbeiten. Ein BeziehungsgefĂ€lle ist unerwĂŒnscht. Dem Klienten wird keine Verantwortung abgenommen.

Dass diese Bedingung im oben genannten dritten Fall erfĂŒllt ist, bestĂ€tigt Magdalena Neuner im Interview eindeutig: Ihr Mentalcoach hat sie in ihrem Entscheidungsprozess begleitet, er war die „Kutsche”, aber sie selbst hat stets entschieden, wohin die Reise gehen sollte.

Nachhilfestunden (Fall 1) wie auch Studien- und Berufsberatung (Fall 2) sind sicher wertvolle Dienstleistungen. Aber Studiencoaching im engeren Sinne ist etwas anderes. Das, was Kurt-Ulrich Witt und ich seit einiger Zeit unter dem Label „SouverĂ€n studieren” anbieten, geht in diese Richtung.

Unser Motto lautet: Studium als Projekt! Den jungen Menschen, die uns als Coach in Anspruch nehmen, stellen wir unsere Studien-, Berufs- und Lebenserfahrung zur VerfĂŒgung – wie ein externer Projektcoach. Aber das Studium planen, steuern, meistern – das muss der Coachee selbst in die Hand nehmen.

Foto: Fotolia

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Peter Scholze – ein „Anarchist”

… und neuer HoffnungstrĂ€ger erhĂ€lt die Fields-Medaille.

 

Im Tennis gilt ein Wimbledon-Sieg als Gewinn der inoffiziellen Weltmeisterschaft – denn eine offizielle gibt es nicht.

Ähnlich ist es in der Mathematik. Dort wird die Fields-Medaille als inoffizieller Nobelpreis gehandelt, da der Preis im Fach Mathematik nicht verliehen wird.

Peter Scholze ist ein besonderer Mensch. Selbst in der Weltelite der Fields-Medaillen-Gewinner ragt er heraus. In einem heute erschienenen SPIEGEL-Artikel vergleicht sein Doktorvater Michael Rapoport ihn in seiner GenialitÀt mit Mozart.

Im selben Artikel bezeichnet Peter Scholze „sich augenzwinkernd als ‚Anarchist’”, aber auf einer Website seiner alten Schule, des Heinrich-Hertz-Gymnasiums Berlin, heißt es:

Trotzdem war Peter kein in sich gekehrter (…) SchĂŒler – sondern stets fröhlich, humorvoll und offen. Seinen MitschĂŒlern gegenĂŒber zeigte er sich auch beim Lösen vergleichsweise einfacher Probleme immer hilfsbereit. In unserer Schul-Rock-Band (eher Richtung Heavy Metal), deren Existenz wesentlich auf Peters Initiative zurĂŒckging, war Peter der Bassist.

Aus zwei GrĂŒnden sehe ich in Peter Scholze einen HoffnungstrĂ€ger des deutschen Bildungssystems:

  • In einer E-Mail an seine alte Schule hebt er die Bedeutung der „Profilschulen in Berlin und der ehemaligen DDR” hervor und schreibt, er „hoffe, dass auch kĂŒnftige Generationen von SchĂŒlern das GlĂŒck haben in einem Netzwerk von mathematisch und naturwissenschaftlich herausragenden Schulen unterrichtet zu werden”.
    (Das heißt, Scholze ist aus Sicht eines durchschnittlichen deutschen BildungsbĂŒrokraten tatsĂ€chlich ein Anarchist 😎.)
  • Obwohl er inzwischen „Topangebote aus aller Welt bekommen hat“, wie es im SPIEGEL heißt, hĂ€lt er seiner Hochschule, der UniversitĂ€t Bonn, die Treue.
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Scholze.jpg
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Hunde, wollt ihr ewig leben …

… so lautet der Titel eines deutschen Kriegsfilms aus den FĂŒnfzigerjahren. Er geht zurĂŒck auf einen Ausruf von Friedrich dem Großen. Der Preußenkönig soll bei einer Schlacht fliehenden Soldaten seiner eigenen Truppe zugerufen haben: “Ihr verfluchten Racker, wollt ihr denn ewig leben?” Am Ende verloren die Preußen.

 

Nicht ganz so hart klingt der Titel einer Neuerscheinung im Verlag Antje Kunstmann. Aber der Text hat’s in sich.

 

Barbara Ehrenreich
Wollen wir ewig leben?
Die Wellness-Epidemie, die Gewissheit des Todes und unsere Illusion von Kontrolle
1. Auflage 2018

 

Die Autorin hat Physik studiert und in Biologie promoviert. Sie war zunĂ€chst wissenschaftlich tĂ€tig und verlegte sich dann auf investigativen Journalismus  und das Schreiben von Bestsellern. In ihrem neuen Buch deckt sie die skrupellosen Methoden des „medizinisch-industriellen Komplexes“ auf. Sie berichtet von Werbekampagnen fĂŒr ĂŒberflĂŒssige Operationen und Behandlungsmethoden, die halbwegs gesunde Menschen erst richtig krank machen. Diese Berichte sind verblĂŒffend und ausfĂŒhrlich, fĂŒr mich bisweilen zu ausfĂŒhrlich.

Noch verblĂŒffender fĂŒr manch einen sind vermutlich die philosophischen Anmerkungen der Autorin:

  • Sie weigert sich, dem allgemeinen Wahn von der ewigen Jugend zu folgen. Mit circa siebzig Jahren hat sie beschlossen, dass sie jetzt alt genug zum Sterben ist. Die ihr noch verbleibenden Jahre will sie intensiv und mit Freude erleben, statt stĂ€ndig von einer Arztpraxis zur anderen zu pilgern. Und sie setzt noch einen drauf:
  • Statt uns zu beklagen, dass jeder von uns irgendwann sterben muss, sollten wir die Dinge genau andersherum betrachten. Das Leben eines Menschen ist nur ein Wimpernschlag in der Geschichte des Universums. Vor seiner Geburt gab es die Welt schon seit Milliarden von Jahren. Und Ă€hnlich wird es nach seinem Tod sein. Das heißt, unsere vorĂŒbergehende Existenz ist nicht so bedeutend wie wir glauben.

Diese Gedanken erinnern mich an das Bild von der Wolke, mit dem Thich Nhat Hanh in seinem Buch „achtsam sprechen …“ versucht, uns mit unserer VergĂ€nglichkeit zu versöhnen: Eine Wolke wird nicht geboren und sie stirbt nicht. Sie entsteht und vergeht – als Teil eines umfassenden Prozesses. Genau so ist es mit jedem von uns.

Cover: Verlag Antje Kunstmann, https://www.kunstmann.de/buch/barbara_ehrenreich-wollen_wir_ewig_leben-9783956142345/t-0/
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Studiencoaching – warum?

Der Kölner Stadt-Anzeiger widmete sein Wochenend-Magazin vom 12./13. Mai den Themen “Ratlos nach dem Abi” und “Studiencoaching”. Darin ist zu lesen (wörtliche Zitate in Kursivschrift):

  • Nur knapp ein Drittel unserer SchĂŒlerinnen und SchĂŒler hat (…) nach dem Abitur eine konkrete Vorstellung davon, wie der Weg in den Beruf aussehen soll.
  • Erst hetzen die SchĂŒler zum G8-Abitur, dann stehen sie vor einem Wust an Studienoptionen (Schlagzeile: Im Ausbildungsdschungel).
  • Zur Zeit gibt es in Deutschland rund 19.000 verschiedene StudiengĂ€ngedoppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
  • Wer aber zu viele Optionen habe, der werde entscheidungsunfĂ€hig – so der Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
  • “Eltern nicht auf der Höhe der Zeit”: Hurrelmann beklagt die fehlende Abnabelung und mangelnde SelbstĂ€ndigkeit der jungen Leute, die sich zu sehr auf die Eltern verlassen. Ebenso bedauert er
  • dass viel zu wenige Abiturienten eine Karriere im Handwerk (…) ins Auge fassen.
  • Die durchschnittliche Quote der Studienabbrecher liegt z. B. an der Uni Köln bei 30 Prozent, in Physik und Informatik bei 50 Prozent. Somit sei das systematische Beraten und Coachen zwar kostenintensiv, aber noch viel teurer sei es, wenn am Ende die Studienwahl nicht stimme.
  • Ein markantes Beispiel: Ein Abiturient hat mehrere StudiengĂ€nge geschmissen, die ganze Familie litt mit (…) Der junge Mann wird jetzt Schreiner und ist zum ersten Mal ĂŒberzeugt, am richtigen Platz zu sein.

Fazit:

  • Der Bedarf an Coachings wĂ€chst rasant. Die Preisspanne ihrer Honorare (gemeint sind private Bildungscoachs) reicht von 100 Euro bis 2000 Euro.
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In eigener Sache: Scheurer & Witt – Studiencoaching

Wie schon vor einiger Zeit berichtet, sind mein Freund Prof. Kurt-Ulrich Witt und ich seit kurzem im Bereich Studiencoaching aktiv. Unser Motto lautet:

 

SouverÀn studieren
Traum – Ziel – Projekt

 

Die neue Seite souveraen-studieren.de ist seit heute Mittag online.

Unser neues Buch zu diesem Thema wird demnÀchst im Springer Verlag erscheinen.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Anfragen. Alle, die noch fĂŒr dieses Jahr einen Termin vereinbaren möchten, bitten wir, sich möglichst bald zu melden.

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