Vornehm geht die akademisierte Welt zugrunde

Das Problem:

Die Straßen sind gepflastert mit Akademikern, aber du findest keinen, der dir deine kaputte Heizung repariert.

 

Die Verursacher:

Zum einen Eltern, Lehrer und Berufsberater (!) der Agentur f√ľr Arbeit, die zu den jungen Leuten sagen: ‚ÄěWas, du willst ins Handwerk? Du k√∂nntest doch etwas Besseres machen!‚Äú
(So wird Christoph Theelen vom Zentralverband Sanit√§r Heizung Klima im FAZ-Artikel ‚ÄěAzubi f√ľr eine Woche‚Äú vom 15./16.12. zitiert.)

Zum anderen die Lobby des akademisch-administrativen Komplexes (AAK).¬†Sie ist inzwischen √§hnlich erfolgreich bei der Durchsetzung ihrer Interessen wie die Vertreter der beiden √§lteren Schwestern: der¬†milit√§risch-industrielle Komplex (MIK)¬†und der¬†medizinisch-industrielle Komplex (–> Barbara Ehrenreich: „Wollen wir ewig leben?‚ÄĚ)

 

Die Gr√ľnde:

Die Eltern der Gymnasiasten und Realsch√ľler, erst recht die Lehrerinnen und Lehrer an diesen Schulen haben oft nur schwammige und klischeehafte Vorstellungen von Aus- und Weiterbildung im Bereich IHK oder Handwerk. Der durchschnittliche Studienrat hat nie in einer Werkstatt, einem Restaurant oder einem Zahnlabor gearbeitet – das alles kennt er nur als Kunde, der bedient werden will.

Die meisten Sch√ľlerinnen und Sch√ľler folgen aus Bequemlichkeit dem Rat von Eltern und Lehrern und rei√üen sich nicht darum, schon mit 16 oder 18 Jahren in einem Betrieb zu arbeiten.

F√ľr den oben erw√§hnten AAK – also f√ľr Schulen, Hochschulen, Bildungsministerien und deren untergeordnete Beh√∂rden – geht es schlicht um: mehr Planstellen, mehr Geld, mehr Einfluss.

 

Die Folgen:

Die AAK-Lobby sorgt seit Jahrzehnten daf√ľr, dass durch entsprechende Gesetze und bildungspolitische Ma√ünahmen unsere Kinder und Jugendlichen immer l√§nger die Schul- und H√∂rsaal-B√§nke dr√ľcken.

Inzwischen gibt es bei uns fast 50.000 Professorinnen und Professoren an mehr als 400 Hochschulen mit insgesamt 18.000 (!) Studiengängen.

Fr√ľher wurde in Deutschland Jura, Maschinenbau oder Germanistik studiert, heute kann man einen Bachelor-, Master- und in manchen F√§llen einen Doktorgrad erwerben in:¬†Kosmetologie (bitte nicht verwechseln mit Kosmologie),¬†Sportmanagement,¬†Coffee Management,¬†Leadership in the Creative Industries,¬†Game Design etc. etc.

Auf der anderen Seite nehmen die Nachwuchs-Sorgen im Bereich Handwerk/IHK und der Fachkr√§ftemangel in unserem Land in bedrohlichem Ma√üe zu. Viele pl√§dieren inzwischen daf√ľr, diese Probleme durch verst√§rkte Einb√ľrgerung ausl√§ndischer Fachleute zu l√∂sen. Das hei√üt, statt die Ursachen der Probleme zu bek√§mpfen, kapituliert man vor dem Akademisierungswahn, den man als so gottgegeben hinnimmt wie einen Tsunami.

 

Ein kleiner Hoffnungsstrahl:

In Berlin gibt es seit kurzem das Unternehmen „One Week Experience“, welches Handwerksbetrieben dabei hilft, ihre Azubi-Stellen zu besetzen. Im Gegensatz zu den √ľblichen Sch√ľler-Pflichtpraktika geht man hier gezielt, individuell und flexibel vor. Details zu diesem v√∂llig neuen L√∂sungsansatz findet man im oben genannten FAZ-Artikel.



1 Kommentar

  1. Felix —   23. Dezember 2018, 23:09 Uhr

    In der Vergangenheit war es immer besser einen akademischen Beruf zu ergreifen als einen Handwerkslehre zu machen. Ich kann das sagen, weil ich beides habe.
    Zugegeben z.Zt. haben Handwerker Konjunktur. Meine alten Kameraden aus meiner Handwerkerzeit haben aber auch ganz andere Zeiten hinter sich: Mindestlohn, Leiharbeit, Arbeitslosigkeit.
    Ganz anders meine Freunde aus der Akademikerkohorte: Sie sitzen unk√ľndbar auf mindestens A13-Stellen, komme da was wolle.

    Der Akademikerbereich wird jetzt beim Staat entsprechend richtige aufgebl√§ht: Hebammen, Kinderg√§rtnerinnen, Fl√ľchtlingsbegleiter, …
    Da kann der angestellte Handwerk nur neidisch staunen.

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