Pinkelstadt (Urinetown) Рein mitreißendes Musicalprojekt an der Uni Mainz

 

In letzter Zeit gab es in den Blog-Kommentaren f√ľr mich den ein oder anderen Wink mit dem Zaunpfahl. Meiner Kritik am Projektmanagement-Niveau vieler Schulen und Hochschulen und am h√§ufigen Missbrauch des Projektkompetenz-Begriffs wurde meistens zugestimmt, aber dies wurde bisweilen verkn√ľpft mit der Bitte: Zeig‘ uns positive Alternativen, statt nur zu kritisieren!

Ehe ich also in die Miesmacher-Schublade gerate, m√∂chte ich heute von einem solchen Beispiel berichten, von einem Hochschulprojekt, welches aus meiner Sicht hervorragend initiiert und geplant, mit Leidenschaft durchgef√ľhrt und mit einem Riesenerfolg abgeschlossen wurde.

 

 

Ort der Handlung: Mainzer Uni-Campus, Art des Projekts: Realisierung eines amerikanischen Musicals auf einer deutschen B√ľhne, Akteure: Studierende der Universit√§t Mainz, davon ¬†nur wenige mit dem Fach Musikwissenschaft oder Jazzgesang – die anderen studieren Geschichte, BWL, Englisch, Mathematik, Politik oder Zahnmedizin!

Ich selbst war bei der Premiere mit ihrer tollen Stimmung und standing ovations dabei und konnte mich anschließend mit einigen Sängerinnen und Sängern sowie den Projektleitern unterhalten. Ein Projektsteuerungs-Detail fand ich interessant: Jede Solo-Rolle war doppelt besetzt Рso wie man bei einem IT-Projekt die Server eines Rechnernetzwerks redundant auslegt.

Nun kommt es zwischen Servern ja relativ selten zu Konkurrenzk√§mpfen und Eifers√ľchteleien, aber erstaunlicherweise gab es diesbez√ľglich auch in der Pinkelstadt-Crew keine ernsten Probleme. Die Hauptdarsteller-Paare traten jeweils im Wechsel auf, es gab somit zwei Premieren, und wer gerade keinen Auftritt als Solist hatte, war nicht etwa f√ľr den entsprechenden Abend beurlaubt, sondern tanzte und sang dann im Ensemble mit. Hierdurch wurde – abgesehen vom Aspekt der Risikominimierung – gleicherma√üen Teamgeist und gesunder Ehrgeiz gef√∂rdert, eine Vorgehensweise, die vermutlich auch Joachim L√∂w gefallen w√ľrde.

Der Abend war f√ľr mich ebenso beeindruckend wie vergn√ľglich; ein wenig f√ľhlte ich mich erinnert an „Kinshasa Symphony„, wo ja auch von Amateuren und Semi-Profis erstaunliche Ergebnisse erzielt wurden.

 

 

Vielleicht haben die exzellenten Fotos von Philipp Masur sie neugierig gemacht – auf „Philipps Photography Blog“ gibt’s mehr davon. M√∂glicherweise hat auch der Titel des Musicals Ihr Interesse geweckt – ganz richtig, die Metaphern und der gesamte Plot sind sehr nahe an den elementaren Bed√ľrfnissen des Lebens, es geht nicht zimperlich zu auf der B√ľhne, aber auch niemals ordin√§r. Schauen Sie einmal rein auf Youtube, wo der Ausschnitt aus einer Auff√ľhrung in den USA pr√§sentiert wird. Details zur Musik und zur skurrilen Handlung finden Sie auf einer¬†Info-Seite der Stadt Mainz.

Ich vermute, den gr√∂√üten Gewinn aus dem Projekt haben diejenigen Akteure gezogen, die eher kopflastige F√§cher wie Politikwissenschaften oder Mathematik studieren – f√ľr sie war die Sache mit Sicherheit ein guter Ausgleichssport und ein besonderer Spa√ü. Die schlechte Nachricht: Leider sind inzwischen alle Mainzer Auff√ľhrungstermine vorbei.



1 Kommentar

  1. Peter Gottke —   28. Juni 2011, 19:56 Uhr

    Lieber Bernd!
    Es gibt sie also doch, die positiven Beispiele. Und du selber stehst doch auch mit deinen Projekten an der Schule und anderswo f√ľr die M√∂glichkeiten der Umsetzung von positiven Projektbeispielen. Projekte, die klar strukturiert sind, die einen Anfang und ein deutliches Ende haben … usw.
    Schade nur, dass du uns erst mit diesem Projekt an der Uni Mainz den Mund w√§sserig machst um anschlie√üend zu verk√ľnden, dass man da aber leider nicht mehr hin kann: Ausverkauft.
    Trotzdem: Toll, dass es solche Projekte gibt und Menschen, dei daran glauben und sie umsetzen.
    Peter Gottke

Kommentar schreiben
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.