Facebook und Piratenpartei – Synchronsprung in den Abgrund

Synchronspringen ist sch√∂n anzuschauen. Vom Dreimeterbrett katapultieren die Athleten sich steil nach oben, dann st√ľrzen sie auf kunstvoll √§sthetische Weise in die Tiefe, alles in doppelter Ausf√ľhrung.¬†F√ľr einen B√∂rsianer ein absolut langweiliger Sport; er will zumindest die Option haben, Blut zu sehen. Ein Formel-1-Rennen hat da schon mehr zu bieten.¬†Aber stellen Sie sich vor, w√§hrend des Synchronspringens wird das Wasser aus dem Becken gelassen. Schon wird die Sache interessant f√ľr Spekulanten und sonstige Freunde von Nervenkitzel und Sensationsgier.

Was die deutsche Piratenpartei (siehe z. B. SPIEGEL-Artikel vom 22.8.: „Pl√∂tzlich uncool“) und die weltweit agierende Facebook Company (z. B. laut ZEIT-Artikel vom 22.8.: „Facebook beginnt zu nerven“) in letzter Zeit veranstalten, kommt der manipulierten Synchronsprung-Variante schon sehr nahe: Nach steilem Aufstieg der turbulente Absturz, w√§hrend das Wasser beziehungsweise die ganze hei√üe Luft allm√§hlich abgelassen wird – alles in doppelter Ausf√ľhrung. Nur, dass Herr Zuckerberg – anders als Herr Ponader – nicht vom Dreimeterbrett, sondern vom 300-m-Brett springt. Da hat man nat√ľrlich mehr davon, als Zuckerberg und als Zuschauer.

Letztere lassen sich in drei verschiedene Kategorien einteilen, und Sie selbst k√∂nnen entscheiden, zu welcher Sie geh√∂ren: Erstens die Beobachter, die alles nur √ľber die Medien verfolgen; zweitens die Kleinaktion√§re, die live dabeisein wollen und daf√ľr ihr Ticket geordert haben; schlie√ülich die Zocker, die fettes Geld auf Sieg oder auch Niederlage setzen.

Und dann gibt es die Leute, die kassieren. Bei den Piraten zum Beispiel die frisch gebackenen Landtagsabgeordneten, die nicht einsehen, dass sie auch nur einen Cent von Ihren Tantiemen an die chronisch leere Parteikasse abgeben sollen. Im Fall Facebook sind es die Insider-Jungs und -Mädels von Morgan Stanley und den anderen am Börsengang beteiligten Banken.

Es ist wie beim H√ľtchenspiel oder bei der Tour de France. Eigentlich wei√ü jeder, dass auf Teufel komm raus geblufft und getrickst wird. Trotzdem lassen sich immer wieder Millionen Einfaltspinsel und M√∂chtegern-Experten massenhaft das Geld aus der Tasche ziehen. Immerhin k√∂nnen sie sagen: Ich war dabei.

Ich war dabei, als Mark Zuckerberg vom 300-m-Brett sprang. Er hing mit seinem Kapuzenpulli an drei Fallschirmen, schwebte auf den Boden des inzwischen v√∂llig leeren Beckens herunter, schmiss Pulli und Fallschirme hinter sich und verschwand z√ľgig hinter einer vorher von niemandem bemerkte T√ľr in einem Tunnel.¬†Es war gro√üartig.

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Fotos: Wikimedia

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