In eigener Sache: Schulfach „Projektphilosophie“

APPROACH-Pilotkurs begann mit Epikur und Tom DeMarco

 

Am vergangenen Montag fiel am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef der Startschuss f√ľr einen Kurs, in welchem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit mir, dem Seminarleiter, Neuland betreten. Der Arbeitstitel APPROACH steht f√ľr „Applied Philosophy & Project Achievement“ und macht deutlich, worum es hierbei geht, n√§mlich um die Verkn√ľpfung von Ethik und praktischer Philosophie mit Methoden und Techniken des Projektmanagements. Das im Kurs Erlernte soll jeweils in konkrete Projektarbeit umgesetzt werden.

Unser bescheidenes Ziel ist es, mittelfristig ein neues Schulfach „Projektphilosophie“ zu etablieren. G√ľnther Au, Leiter des Hennefer Berufskollegs und Promotor des Projekts, h√§lt es f√ľr denkbar, dass nach erfolgreichem Verlauf des jetzigen Kurses im Sommer Forschungsmittel beantragt werden, um anschlie√üend auf wissenschaftlicher Basis Folgeprojekte zu diesem Thema durchzuf√ľhren.

Das Interesse am neuen Projekt war weit gr√∂√üer als wir erwartet hatten: Vierzig Sch√ľlerinnen und Sch√ľler aus acht Klassen unseres Kollegs hatten sich zur Teilnahme gemeldet. Zehn davon wurden f√ľr den Pilotkurs ausgew√§hlt, die anderen werden m√∂glicherweise bei Folgekursen mitmachen. Unter den ausgew√§hlten Teilnehmern sind Fachobersch√ľler im Alter von Anfang zwanzig, die Berufs- und Projekterfahrung mitbringen, sowie Teenager aus zwei- beziehungsweise dreij√§hrigen Oberstufenkursen, die neben dem Fachabitur auch eine berufliche Qualifikation im Bereich Informations- und Elektrotechnik anstreben.

Bei unserem ersten Treffen am Montag habe ich die aus meiner Sicht zentralen Begriffe des neuen Kurses vorgestellt. Sie alle leiten sich ab aus den lateinischen und griechischen Wurzeln der W√∂rter „Projekt“ („das, was nach vorn geworfen wird“) und „Philosophie“ („Liebe zur Weisheit“):

  • Zukunft
  • Gestalten
  • Liebe
  • Verg√§nglichkeit.

Starthilfe gaben zwei Experten, die sozusagen unsere beiden Stammdisziplinen verk√∂rpern: Tom DeMarco, der Verfechter eines modernen, ganzheitlichen Projektmanagements und Epikur, einer der gr√∂√üten Philosophen der griechischen Antike. Als Aufh√§nger diente eine kurze fiktive Szene: „Was ist ein gutes Leben?“ wird Epikur von einem seiner Sch√ľler gefragt. F√ľr Tom, der zuf√§llig vorbeikommt, ist die Antwort einfach: „Projekte gut – alles gut.“

Danach stand Epikurs „Brief an Menoikeus“ auf dem Programm, in welchem der Philosoph den oben erw√§hnten vier Begriffen auf den Grund geht. Er beginnt mit folgenden Worten:

Wer jung ist, soll nicht z√∂gern zu philosophieren, und wer alt ist, soll nicht m√ľde werden im Philosophieren. Denn f√ľr keinen ist es zu fr√ľh und f√ľr keinen zu sp√§t, sich um die Gesundheit der Seele zu k√ľmmern.

Meine jungen Mitstreiterinnen und Mitstreiter setzten sich intensiv mit dem Text auseinander. Es wurde nachgedacht, in Frage gestellt, kurz: philosophiert. Und es wurden erste Projektideen entwickelt. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Foto aus Wikimedia

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