Was ist f√ľr Sie ein Projekt, Herr Hofreiter?

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Gr√ľnen im Bundestag, hat SPIEGEL ONLINE ein Interview gegeben, das soeben erschienen ist. Darin gibt es die folgende Passage:

SPIEGEL ONLINE: (…) Kann Jamaika f√ľr Sie im Erfolgsfalle mehr werden, etwa ein neub√ľrgerliches Projekt?

Hofreiter: Nein, Jamaika ist kein Projekt. Es w√§re ein B√ľndnis auf Zeit, das sich keiner ausgesucht hat. Und die Gr√ľnen sind keine b√ľrgerliche Partei. Wir sehen uns als Stimme der progressiven Kr√§fte unserer Gesellschaft.

Zum einen f√§llt auf, wie scharf sich Herr Hofreiter von dem Begriff „b√ľrgerlich“ distanziert. Immerhin fordern die Gr√ľnen in ihrem „Programm 2017“ eine B√ľrgerversicherung¬†– das Wort wird sogar im Interview seitens Hofreiter erw√§hnt – und nicht eine Progressiven-Versicherung.

Noch interessanter finde ich, wie der gr√ľne Spitzenpolitiker mit dem Projekt-Begriff umgeht. F√ľr ihn ist ein Vorhaben, das man sich nicht selbst „ausgesucht“ hat, kein Projekt. Aber wer von uns kann sich sein Leben lang immer aussuchen, mit wem zusammen er auf ein Ziel hin arbeitet?

Und dann das „B√ľndnis auf Zeit“ – nach Hofreiters Auffassung das Gegenteil eines Projekts. Aber genau das sind K.-o.-Kriterien eines Projekts: die Einmaligkeit und die Deadline. Wer w√ľnscht sich schon eine Jamaika-Regierung bis in alle Ewigkeit?

Mir scheint, bei den Gr√ľnen gibt es Nachholbedarf bez√ľglich Projektkompetenz und Projektf√§higkeit. Im Projektgesch√§ft, auch im politischen, sind nicht nur Begeisterung und Idealismus gefragt, sondern eine gute Balance von Spirit und Pragma. Anders gesagt, zu viele „Hasen“ und „G√§nse“ im Projekt sind gef√§hrlich, du brauchst auch „F√ľchse“. Und vor allem: „Adler“. Ich denke, das wei√ü auch Anton „Toni“ Hofreiter.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anton_Toni_Hofreiter_3504.jpg?uselang=de
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