Staunen

Man kann erstaunt sein ĂŒber die Schönheit der Natur, ebenso ĂŒber die Unermesslichkeit des Universums. Oder ĂŒber das Verhalten der Menschen.

 

Alles Abi oder was?

So lautet die Schlagzeile im KStA-Magazin vom 31.1.2018. Es geht darin um das „Scheitern nach der Sechsten“, also die Folgen eines verkorksten Wechsels von der Grundschule zum Gymnasium – wenn nĂ€mlich Eltern

die Empfehlungen der Grundschulen (…) in den Wind geschlagen und dabei das Wohl ihrer Kinder mit den eigenen Vorstellungen von Schule verwechselt haben.

Man staunt nicht schlecht, wenn man den Bericht einer Mutter liest:

Dass das Kind aufs Gymnasium geht, war so klar wie die Tatsache, dass es schwimmen lernte und lesen. Schließlich waren wir Eltern und all unsere Geschwister auch auf dem Gymnasium.

Da macht eine junge Frau ihr Abi am Gymnasium und hĂ€lt sich anschließend fĂŒr sehr gebildet. Aber sie weiß nicht oder will nichts davon wissen, dass manchmal Kinder von sehr klugen Menschen nur durchschnittlich begabt sind. Und dass es umgekehrt hochintelligente SchĂŒler gibt, deren Eltern nur die Hauptschule besucht haben. Es soll bisweilen auch vorkommen, dass VĂ€ter und MĂŒtter ihr Kind einfach lieben – unabhĂ€ngig davon, wie intelligent oder erfolgreich es ist.

 

Erstaunlich.

Diese „gebildete“ Frau wundert sich nun, dass ihr Sohn zum Schulversager geworden ist. Dass er von den MitschĂŒlern wegen seiner immer schlechteren Noten ausgelacht wird. Dass es kein „unbeschwertes Zusammensein“ mehr gibt in der Familie. Und dass der Junge seinen Eltern vorwirft:

Ihr interessiert euch nur dafĂŒr, ob ich gut in der Schule bin.
FĂŒr sonst nichts.

Was Mut macht in dem Zeitungsartikel, das sind neue DenkansÀtze. An der Kölner Königin-Luise-Schule beispielsweise werden die Neu-Gymnasiasten gezielt begleitet, wobei die Gymnasiallehrer eng zusammenarbeiten mit den ehemaligen Grundschullehrern!

Oder etwa die Entwicklung von Juliane (21), die auf der Realschule („fand ich sehr schön, denn die Schule war klein“) „ab der 6./7. Klasse unglaublich Gas gegeben und viel gelernt“ hat. Nach der 10. Klasse wechselte sie zum Gymnasium, nach dem Abi nahm sie eine Auszeit („vier Monate in Indonesien“) und beschloss dann, eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin zu machen.

Juliane wurde von ihren Eltern nicht zwangseingewiesen ins Gymnasium. Jetzt ist sie auf dem Königsweg. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich ĂŒberhaupt nicht.

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