Generation Y – die Projektmenschen der Zukunft?

Im Prinzip ja, aber die Kehrseite heißt: Generation Chips


„Sind sie bereit, all die h√§sslichen Dinge zu tun?“ – so lautet der Titel des Interviews mit Anders Parment von der Stockholm Business School, welches ich heute Morgen auf SPIEGEL ONLINE gefunden habe. Es geht in diesem Artikel um die Vertreter der „Generation Y“, auch „Millenials“ genannt, womit die jungen M√§nner und Frauen gemeint sind, die nach 1980 geboren wurden und jetzt ein Alter von Mitte bis Ende zwanzig haben.

Der f√ľr mich entscheidende Satz des jungen Schweden kommt in seiner Antwort auf die dritte Interviewfrage; nach der Arbeitsmoral der „Ypsiloner“ gefragt, erkl√§rt Parment, dass sie „nicht nach der Stechuhr getaktet sind, sondern nach Projekten“.

Das klingt verhei√üungsvoll. Es ist Wasser auf die M√ľhlen all derer, die seit Jahren f√ľr ein st√§rkeres Projektdenken in Wirtschaft und Politik pl√§dieren. Man k√∂nnte meinen, nun bricht ein neues Zeitalter an – wenn die F√ľhrungspositionen erst einmal mit lauter Millenials besetzt sind, wird es kaum noch langweilige B√ľroarbeit geben, die Grenze zwischen Beruf und Freizeit wird verwischen, angesagt ist dann ein „metropolenhafter Lebensstil, bei dem man … im Caf√© arbeitet und gleichzeitig √ľber Facebook mit Freunden redet“. Kurz: Die Menschen k√∂nnen sich endlich selbst verwirklichen, Projekte und „Karriere machen und trotzdem viel Zeit mit der Familie verbringen“. Ein wahrhaft goldenes Zeitalter …

Vorsicht, sagt Anders Parment, der f√ľr sein Buch „Die Generation Y“¬†junge Leute aus zehn verschiedenen L√§ndern befragt hat. Er bezweifelt, dass der typische Ypsiloner in der Lage ist, die Verantwortung f√ľr ein Budget zu √ľbernehmen oder, falls notwendig, Mitarbeiter zu entlassen, das hei√üt „all die kleinen h√§sslichen Dinge zu tun“, die eben auch zum Job eines Managers geh√∂ren.

Ich f√ľge hinzu: Nicht jeder, der heute Mitte bis Ende zwanzig ist, geh√∂rt auch zu den Ypsilonern. Denen n√§mlich werden im betreffenden Wikipedia-Artikel die „Verlierer dieser Generation“ gegen√ľbergestellt, Markenzeichen „zu viel Medienkonsum und einseitige Ern√§hrung“ – die „Generation Chips“.

Dennoch, ich habe beschlossen, das halb volle Glas zu sehen: Offensichtlich gibt es jede Menge junge, intelligente Leute in s√§mtlichen L√§ndern der Erde, die etwas leisten wollen, sich dabei aber einsetzen f√ľr „Individualismus, Nachhaltigkeit, Toleranz“. Junge Leute, die keineswegs, wie h√§ufig beklagt wird, schlechter oder weniger lernen als etwa meine Generation; Ypsiloner lernen nur anders – „vernetzter, spontaner und auch sinnlicher“. Ich finde das v√∂llig in Ordnung.

Und ich f√ľhle mich durch dieses Parment-Interview best√§tigt in meiner Diagnose des derzeitigen Zustands der politischen Parteien und Institutionen, wie ich sie in meinem Artikel √ľber Westerwelle k√ľrzlich an dieser Stelle erl√§utert habe. Der schwedische Forscher sieht es √§hnlich: „Kein Wunder, … dass die Guten sich anderswo engagieren“. Allerdings birgt diese Verweigerungshaltung der „Guten“ gro√üe Risiken, denn – so gab Platon schon vor √ľber zweitausend Jahren zu bedenken – „wer zu klug ist, um sich in der Politik zu bet√§tigen, wird bestraft, indem er von denen regiert wird, die eigentlich zu dumm daf√ľr sind“. Apropos, zur Kompetenz unseres Immer-noch-Au√üenministers gibt es ein weiteres vernichtendes Urteil: Der Politik-Experte Christian Hacke h√§lt Westerwelle f√ľr den „borniertesten Au√üenminister seit von Ribbentrop“¬†und fordert ihn zum sofortigen R√ľcktritt auf.

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