Staunen II – Blick zurück ohne Zorn

Nein, ich bin nicht zornig. Aber, ich sag‘ es mal auf Berlinerisch: Ick kieke, staune, wundre mir … (–> Wikipedia, YouTube).

Es geht heute um dasselbe Thema wie im vorangehenden Artikel – um Schule, Uni, Berufsbildung. Aber diesmal sind andere Akteure im Spiel.

 

Erstaunlich.

In der Berufsbildenden Schule (BBS) in Bad Neuenahr fand kĂĽrzlich wieder ein „Tag der offenen TĂĽr“ statt. Im Lokalblatt „Blick aktuell“ kann man lesen, wie vehement sich die jetzige BBS-Schulleiterin Gundi Kontakis fĂĽr die berufliche Bildung einsetzt und den „Zeitgeist“ kritisiert, „der die akademische Bildung gesellschaftlich in den Vordergrund rĂĽckt“.

Ich habe zwei Jahre an der BBS unterrichtet, noch bevor Frau Kontakis die Leitung ĂĽbernahm. 2016, also nach meiner Tätigkeit an dieser Schule, erschien mein neues Buch „Zu viel Schule, zu dumm fĂĽrs Leben“, in dem genau das steht, was die Leiterin der BBS heute sagt: Königsweg statt Akademisierungswahn. Allerdings geht es in meinem Buch auch um die Ursachen der deutschen Bildungsmisere: Beamtendenken, BĂĽrokratie, Kulturhoheit der Bundesländer.

Und wie sah damals, vor anderthalb Jahren, die UnterstĂĽtzung seitens BBS fĂĽr mein Projekt aus? Eine Autorenlesung im Dorint Hotel Bad Neuenahr wurde torpediert. Bei der IHK Koblenz, die sich fĂĽr mein Buch engagierte, wurde interveniert („Wie kommt die IHK dazu, ein solches Projekt zu fördern?”). Zu meiner Lesung kamen 0 (in Worten: Null) von mehr als hundert ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, obwohl etliche von ihnen mir Wochen vorher ihre Teilnahme zugesagt hatten. Erstaunlich.

 

Einmal Zwerg, immer Zwerg (O-Ton Markus Söder, CSU)

Noch erstaunlicher fand ich, dass trotz oder gerade wegen 😎 des Boykotts – ĂĽbrigens auch seitens anderer ortsansässiger Schulen – am Abend meiner Lesung die HĂĽtte rappelvoll war. Und während der Diskussion gab es nicht nur Zustimmung, sondern auch Kritik an einigen meiner Thesen. Wie schön, dass es Menschen gibt, die frei heraus ihre Meinung sagen. Die nicht vor jedem Wortbeitrag zunächst prĂĽfen: Was ist politisch korrekt? Woher weht gerade der Wind? Was ist die derzeitige Meinung meiner Chefs und Chef-Chefs? Menschen, die nicht gleich auf beleidigte Leberwurst machen, wenn sie sich ertappt fĂĽhlen von jemandem, der sich auskennt und der Klartext redet statt rumzueiern.

NatĂĽrlich konnte ich mir an jenem Abend einen Seitenhieb auf die Drahtzieher der Provinzposse in der „Metropole“ Bad Neuenahr nicht verkneifen. Das alles ist in ein paar Videos auf YouTube/lap-land dokumentiert, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, nicht nur im Ahrtal, sondern in Hamburg, MĂĽnchen, DĂĽsseldorf, Dortmund – ĂĽberall da, wo ich bei meinen Auftritten ein aufgeschlossenes Publikum und ernstzunehmende Gesprächspartner finde. Auf die ollen BBS-Kamellen blicke ich inzwischen kaum noch zurĂĽck. Wenn doch, wie jetzt aus gegebenem Anlass, dann ohne Zorn, aber mit einem Schmunzeln.

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