Coaching

Mit Coaching ist es wie mit Design. So wie es zahlreiche Designdisziplinen gibt ‚Äď von Automobil- √ľber Mode- bis Webdesign ‚Äď, findet man auch beim Coaching v√∂llig unterschiedliche Methoden und Zielsetzungen.

Beautiful modern coach, isolated on white background

Trotz aller Unterschiede haben die diversen Coaching-Auspr√§gungen nat√ľrlich eine gemeinsame¬†sprachliche Wurzel, n√§mlich¬†„Coach‚ÄĚ, das englische Wort f√ľr Kutsche. Genaueres zur Herkunft des Begriffs „Coaching‚ÄĚ findet man z. B. bei¬†Novalis,¬†einem Anbieter von Beratungs- und Coaching-Ma√ünahmen.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 12.8.2018 gibt es zwei Artikel, in denen es um Coaching im weitesten Sinne geht, und zwar in insgesamt drei verschiedenen Anwendungsbereichen.

 

(1) Private Nachhilfestunden
(Motiv ‚ÄěAngst vor dem sozialen Abstieg
‚ÄĚ)

ABI. WAS NUN?

Das ist der Aufmacher der letzten FAS-Ausgabe. In dem Artikel von Katrin Hummel ist die Rede von

der Sorge der Eltern, dass es ihrem Kind sp√§ter mal schlechter gehen k√∂nnte als ihnen selbst. (…) Um dies zu verhindern, investieren die Deutschen knapp 900 Millionen Euro pro Jahr in private Nachhilfestunden.

 

(2) Studien- und Berufsberatung
(Motiv ‚ÄěOptimierung der Pers√∂nlichkeit
‚ÄĚ)

Schwerpunkt des Artikels ist jedoch die Phase nach dem Abitur:

Jedes Jahr stehen etliche der etwa 300 000 Abiturienten vor der großen Frage, was sie denn nun machen sollen. Hilflos, orientierungslos, planlos.

Katrin Hummel hat der D√ľsseldorfer Studienberaterin Ruth Wallraf eine Weile √ľber die Schulter geschaut. Frau Wallraf, eine ehemalige Investmentbankerin, f√ľhrt mit ihren jungen Klienten Begabungs- und Pers√∂nlichkeitstests durch, auf deren Basis sie ihnen dann Vorschl√§ge bez√ľglich der Wahl des Studien- oder Ausbildungsfachs macht.

 

(3) Mentales Coaching im Profi-Sport
(Motiv ‚Äě√Ąu√üerem Druck standhalten, eigenen Weg finden
‚ÄĚ)

Um ein ganz anderes Umfeld geht es in dem Artikel „Immer volle Pulle‚ÄĚ im Sport-Teil der FAS. Michael Eder setzt sich darin mit dem Fall Jan Ullrich auseinander. Quasi als Gegenentwurf zum dramatischen Absturz des prominenten Radprofis hat er das Leben von Magdalena Neuner gew√§hlt.

Mit 25 Jahren hat sie, ein „Liebling der Nation‚ÄĚ, ihre Karriere beendet. Dazu stellt der Autor ihr in einem Interview die Frage: „Sie haben auf viel Geld und viele Titel verzichtet, was war Ihnen wichtiger als das?‚ÄĚ

Mein Leben mit den Menschen zu leben, die ich liebe: mit meiner Familie, jetzt mit den Kindern, den Freunden.

Als entscheidend f√ľr ihre gesamte Karriere bezeichnet Frau Neuner die Zusammenarbeit mit ihrem Mentalcoach – f√ľr sie im R√ľckblick „wie ein Sechser im Lotto‚ÄĚ.

Manche st√ľrzen sich bei Problemen in Alkohol und Drogen, da ist es sicher die bessere Wahl, sich einen guten Mentalcoach zu suchen (…)

 

Fazit:

Streng genommen handelt es sich nur im letzten der obigen drei F√§lle um Coaching. Im Portal „Coaching-Report‚ÄĚ gibt es eine ausf√ľhrliche und √ľberpr√ľfbare Definition von Coaching. Gleich zu Beginn wird die Bedingung genannt, dass

Coach und Klient gleicherma√üen gefordert sind und auf gleicher ‚ÄěAugenh√∂he‚Äú zusammenarbeiten. Ein Beziehungsgef√§lle ist unerw√ľnscht. Dem Klienten wird keine Verantwortung abgenommen.

Dass diese Bedingung im oben genannten dritten Fall erf√ľllt ist, best√§tigt Magdalena Neuner im Interview eindeutig: Ihr Mentalcoach hat sie in ihrem Entscheidungsprozess begleitet, er war die „Kutsche‚ÄĚ, aber sie selbst hat stets entschieden, wohin die Reise gehen sollte.

Nachhilfestunden (Fall 1) wie auch Studien- und Berufsberatung (Fall 2) sind sicher wertvolle Dienstleistungen. Aber Studiencoaching im engeren Sinne ist etwas anderes.¬†Das, was Kurt-Ulrich Witt und ich seit einiger Zeit unter dem Label „Souver√§n studieren‚ÄĚ anbieten, geht in diese Richtung.

Unser Motto lautet: Studium als Projekt! Den jungen Menschen, die uns als Coach in Anspruch nehmen, stellen wir unsere Studien-, Berufs- und Lebenserfahrung zur Verf√ľgung – wie ein externer Projektcoach. Aber das Studium planen, steuern, meistern – das muss der Coachee selbst in die Hand nehmen.

Foto: Fotolia

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Peter Scholze – ein „Anarchist‚ÄĚ

… und neuer Hoffnungstr√§ger erh√§lt die Fields-Medaille.

 

Im Tennis gilt ein Wimbledon-Sieg als Gewinn der inoffiziellen Weltmeisterschaft – denn eine offizielle gibt es nicht.

√Ąhnlich ist es in der Mathematik. Dort wird die Fields-Medaille als inoffizieller Nobelpreis gehandelt, da der Preis im Fach Mathematik nicht verliehen wird.

Peter Scholze ist ein besonderer Mensch. Selbst in der Weltelite der Fields-Medaillen-Gewinner ragt er heraus. In einem heute erschienenen SPIEGEL-Artikel vergleicht sein Doktorvater Michael Rapoport ihn in seiner Genialität mit Mozart.

Im selben Artikel¬†bezeichnet Peter Scholze „sich augenzwinkernd als ‚Anarchist’‚ÄĚ, aber auf¬†einer Website seiner alten Schule, des Heinrich-Hertz-Gymnasiums Berlin, hei√üt es:

Trotzdem war Peter kein in sich gekehrter (…) Sch√ľler ‚Äď sondern stets fr√∂hlich, humorvoll und offen. Seinen Mitsch√ľlern gegen√ľber zeigte er sich auch beim L√∂sen vergleichsweise einfacher Probleme immer hilfsbereit.¬†In unserer Schul-Rock-Band (eher Richtung Heavy Metal), deren Existenz wesentlich auf Peters Initiative zur√ľckging, war Peter der Bassist.

Aus zwei Gr√ľnden sehe ich in Peter Scholze einen Hoffnungstr√§ger des deutschen Bildungssystems:

  • In einer E-Mail an seine alte Schule hebt er die Bedeutung der¬†„Profilschulen in Berlin und der ehemaligen DDR‚ÄĚ hervor und schreibt, er „hoffe,¬†dass auch k√ľnftige Generationen von Sch√ľlern das Gl√ľck haben in einem Netzwerk von mathematisch und naturwissenschaftlich herausragenden Schulen unterrichtet zu werden‚ÄĚ.
    (Das hei√üt, Scholze ist aus Sicht eines durchschnittlichen deutschen Bildungsb√ľrokraten tats√§chlich ein Anarchist ūüėé.)
  • Obwohl er¬†inzwischen „Topangebote aus aller Welt bekommen hat“, wie es im SPIEGEL hei√üt, h√§lt er seiner Hochschule, der Universit√§t Bonn, die Treue.
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Scholze.jpg
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Hunde, wollt ihr ewig leben …

… so lautet der Titel eines deutschen Kriegsfilms aus den F√ľnfzigerjahren. Er geht zur√ľck auf einen Ausruf von Friedrich dem Gro√üen. Der¬†Preu√üenk√∂nig soll bei einer Schlacht fliehenden Soldaten seiner eigenen Truppe zugerufen haben:¬†‚ÄúIhr verfluchten Racker, wollt ihr denn ewig leben?‚ÄĚ Am Ende verloren die Preu√üen.

 

Nicht ganz so hart klingt der Titel einer Neuerscheinung im Verlag Antje Kunstmann. Aber der Text hat’s in sich.

 

Barbara Ehrenreich
Wollen wir ewig leben?
Die Wellness-Epidemie, die Gewissheit des Todes und unsere Illusion von Kontrolle
1. Auflage 2018

 

Die Autorin hat Physik studiert und in Biologie promoviert. Sie war zun√§chst wissenschaftlich t√§tig und verlegte sich dann auf investigativen Journalismus ¬†und das Schreiben von Bestsellern.¬†In ihrem neuen Buch deckt sie die skrupellosen Methoden des „medizinisch-industriellen Komplexes“ auf. Sie berichtet von Werbekampagnen f√ľr √ľberfl√ľssige Operationen und Behandlungsmethoden, die halbwegs gesunde Menschen erst richtig krank machen. Diese Berichte sind verbl√ľffend und ausf√ľhrlich, f√ľr mich bisweilen zu ausf√ľhrlich.

Noch verbl√ľffender f√ľr manch einen sind vermutlich die philosophischen Anmerkungen der Autorin:

  • Sie weigert sich, dem allgemeinen Wahn von der ewigen Jugend zu folgen. Mit circa siebzig Jahren hat sie beschlossen, dass sie jetzt alt genug zum Sterben ist. Die ihr noch verbleibenden Jahre will sie intensiv und mit Freude erleben, statt st√§ndig von einer Arztpraxis zur anderen zu pilgern. Und sie setzt noch einen drauf:
  • Statt uns zu beklagen, dass jeder von uns irgendwann sterben muss, sollten wir die Dinge genau andersherum betrachten. Das Leben eines Menschen ist nur ein Wimpernschlag in der Geschichte des Universums. Vor seiner Geburt gab es die Welt schon seit Milliarden von Jahren. Und √§hnlich wird es nach seinem Tod sein. Das hei√üt, unsere vor√ľbergehende Existenz ist nicht so bedeutend wie wir glauben.

Diese Gedanken erinnern mich an das Bild von der Wolke, mit dem¬†Thich Nhat Hanh¬†in seinem Buch „achtsam sprechen …“ versucht, uns mit unserer Verg√§nglichkeit zu vers√∂hnen: Eine Wolke wird nicht geboren und sie stirbt nicht. Sie entsteht und vergeht – als Teil eines umfassenden Prozesses. Genau so ist es mit jedem von uns.

Cover: Verlag Antje Kunstmann, https://www.kunstmann.de/buch/barbara_ehrenreich-wollen_wir_ewig_leben-9783956142345/t-0/
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Studiencoaching – warum?

Der K√∂lner Stadt-Anzeiger widmete sein Wochenend-Magazin vom 12./13. Mai den Themen ‚ÄúRatlos nach dem Abi‚Ä̬†und ‚ÄúStudiencoaching‚ÄĚ.¬†Darin ist zu lesen (w√∂rtliche Zitate in Kursivschrift):

  • Nur knapp ein Drittel unserer Sch√ľlerinnen und Sch√ľler hat (…) nach dem Abitur eine konkrete Vorstellung davon, wie der Weg in den Beruf aussehen soll.
  • Erst hetzen die Sch√ľler zum G8-Abitur, dann stehen sie vor einem Wust an Studienoptionen (Schlagzeile: Im Ausbildungsdschungel).
  • Zur Zeit gibt es in Deutschland rund 19.000 verschiedene Studieng√§ngedoppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
  • Wer aber zu viele Optionen habe, der werde entscheidungsunf√§hig – so der Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
  • ‚ÄúEltern nicht auf der H√∂he der Zeit‚ÄĚ: Hurrelmann beklagt die fehlende Abnabelung und mangelnde Selbst√§ndigkeit der jungen Leute, die sich zu sehr auf die Eltern verlassen. Ebenso bedauert er
  • dass viel zu wenige Abiturienten eine Karriere im Handwerk (…) ins Auge fassen.
  • Die durchschnittliche Quote der Studienabbrecher liegt z. B. an der Uni K√∂ln bei 30 Prozent, in Physik und Informatik bei 50 Prozent. Somit sei das systematische Beraten und Coachen zwar kostenintensiv, aber noch viel teurer sei es, wenn am Ende die Studienwahl nicht stimme.
  • Ein markantes Beispiel: Ein Abiturient hat mehrere Studieng√§nge geschmissen, die ganze Familie litt mit (…) Der junge Mann wird jetzt Schreiner und ist zum ersten Mal √ľberzeugt, am richtigen Platz zu sein.

Fazit:

  • Der Bedarf an Coachings w√§chst rasant.¬†Die Preisspanne ihrer Honorare (gemeint sind private Bildungscoachs) reicht von 100 Euro bis 2000 Euro.
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In eigener Sache: Scheurer & Witt – Studiencoaching

Wie schon vor einiger Zeit berichtet, sind mein Freund Prof. Kurt-Ulrich Witt und ich seit kurzem im Bereich Studiencoaching aktiv. Unser Motto lautet:

 

Souverän studieren
Traum – Ziel – Projekt

 

Die neue Seite souveraen-studieren.de ist seit heute Mittag online.

Unser neues Buch zu diesem Thema wird demnächst im Springer Verlag erscheinen.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Anfragen.¬†Alle, die noch f√ľr dieses Jahr einen Termin vereinbaren m√∂chten, bitten wir, sich m√∂glichst bald zu melden.

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Innehalten.

Krise als Chance. Der Augenblick einer großen Niederlage bietet die einmalige Gelegenheit, sich zu befreien Рvon alten Denkgewohnheiten, von Hybris oder Verzagtheit, von Geldgier, Fremdbestimmung und Selbsttäuschung.

Beeindruckend fand ich die Worte von Mats Hummels und Jogi L√∂w kurz nach dem heutigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft aus dem Fu√üball-WM-Turnier 2018. Hier wurde nichts besch√∂nigt, es war ein ehrlicher und mutiger R√ľckblick auf die Entwicklung der letzten Monate. Das verdient Respekt.

Ich denke an Thich Nhat Hanh. Einatmen, ausatmen, innehalten. Begeisterung ist wunderbar, aber wirklich gefordert ist jeder von uns erst in der Stunde der Verzweiflung. Plötzlich stellst Du Dir die Frage, was wirklich zählt in Deinem Leben. Was bedeuten Dir Geld, Ruhm, Tattoos, Klicks, Fans, Buddies?

Jede Krise ist eine Chance. Die Chinesen haben ein und dasselbe Schriftzeichen f√ľr die beiden Begriffe.

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Episch.

Fußball-WM 2018: La Mannschaft gewinnt gegen Schweden.
In Unterzahl. In letzter Minute.

 

In meinem vorletzten Artikel habe ich das deutsche Team hart kritisiert. Oder genauer, die Einstellung der deutschen Fußball-Millionäre im Spiel gegen Mexiko. Und ich denke, zu Recht.

Gestern im Spiel gegen Schweden war alles anders. Das war kein NIVEA-Ball, es war Fu√üball.¬†Thomas Hitzlsperger hat recht: Manchmal reicht die intrinsische Motivation nicht aus, um zum Erfolg zu kommen. Du musst einfach w√ľtend genug sein, w√ľtend auf Deine Kritiker, um zur H√∂chstleistung aufzulaufen.

Toni Kroos, der Held des gestrigen deutschen Fu√üballabends, meinte nach dem Spiel: Manche „daheim“ h√§tten sich ja schon gew√ľnscht, dass die deutsche Mannschaft beim Spiel gegen Schweden aus dem Turnier fliegen w√ľrde. Denen habe man es zeigen wollen.

Nein, Toni, gew√ľnscht haben wir daheim uns einfach, dass Ihr Jungs aus der Niederlage gegen Mexiko lernt. Dass Ihr wach werdet, Euch besinnt auf Eure St√§rken. Kritik kann dem Kritisierten helfen, wenn er bereit ist, zu lernen, zu arbeiten und zu k√§mpfen.

An Tagen wie diesen … tun mir die Menschen leid, die sich nichts aus Fu√üball machen. Was ist n√§her dran am Leben als Fu√üball? Was lehrt uns mehr √ľber uns, √ľber unsere √Ąngste, unsere Tr√§ume und √ľber unseren inneren Schweinehund?

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Die Vision einer Transatlantischen Konföderation

Die neue G7: Kanada, Frankreich, Deutschland, √Ėsterreich, Benelux

 

In den Zeiten von Xi, Trump und Putin tr√§umen viele US-Demokraten von der Nach-Trump-√Ąra, deren Beginn noch v√∂llig offen ist.¬†Demokraten in Deutschland sollten sich jetzt schleunigst Gedanken machen √ľber die Zeit nach Merkel. Sie wird vermutlich sehr bald beginnen.

Das letzte Treffen der Gruppe der Sieben (G7) hat gezeigt, dass dieses Format klinisch tot ist. Das liegt vor allem an Donald Trump, aber auch an Angela Merkel.

Die Geschichte ist ein unbestechlicher Richter. Die bisherigen großen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland waren Adenauer, Brandt und Рmit Abstrichen РKohl. Jeder von ihnen hatte ein großes Projekt: Aussöhnung mit dem Westen (Adenauer); Aussöhnung mit dem Osten (Brandt); Wiedervereinigung Deutschlands und Europas (Kohl). Alle anderen Kanzler waren Macher (Schmidt, Schröder) oder Zauderer/Verwalter (Erhard, Kiesinger, Merkel), sie waren keine Projektmenschen.

H√∂chste Zeit f√ľr Aufbruchstimmung, f√ľr einen Neuanfang mit Macron und Trudeau. Hier ist meine Projektskizze f√ľr die Gr√ľndung eines neuen Bundesstaats (nicht Staatenbunds!) Transatlantische Konf√∂deration:

  • Gr√ľndungsstaaten:¬†Kanada, Frankreich, Deutschland, √Ėsterreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg
  • Hauptstadt: Luxemburg
  • Amtssprachen: Franz√∂sisch, Deutsch, Englisch
  • W√§hrung: Euro
  • Nationalflagge: Europafahne mit Ahornblatt
  • Pr√§sidialsystem nach franz√∂sischem Vorbild
  • Nukleare Streitmacht auf der Basis der Force de frappe
  • Anzahl Einwohner: zur Zeit ca. 220 Millionen
    (zum Vergleich: China ca. 1.400 Mio., USA 326 Mio., Russland 144 Mio.)
  • Fl√§che: ca. 11.100 Quadratkilometer
    (zum Vergleich: China 9.600, USA ca.  9.800, Russland 17.100)
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): zur Zeit ca. 9,1 Billionen US-Dollar
    (zum Vergleich: China 11,2; USA 18,6; Russland 1,3 (!))
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Deutscher Fußball bei der WM 2018: aufgeblasen, weich und schlapp.

Aus dem deutschen Fu√üball ist ein NIVEA-Ball geworden. Die ganze Welt lacht sich schlapp √ľber dieses Kindergepl√§nkel am Strand, das nichts mehr mit Profi-Fu√üball auf’m Platz zu tun hat.

Jogis Jungs sind nicht mehr unsere Jungs. Sie be√§ugen aufmerksam die Gaga-Frisuren, Tattoos und Tweets ihrer Gegner und vergessen die eigene Strategie und Taktik. Sie treffen sich mit ihrem Cheftrainer zum Werbe-Dreh f√ľr Gesichtscreme oder Bier und treffen das Tor nicht mehr. Sie lassen sich l√§chelnd mit einem Diktator fotografieren, der die Einigkeit von Muslimen und Christen, das Recht und die Freiheit mit F√ľ√üen tritt, und wenn vor dem Ansto√ü die Hymne unserer Republik gesungen wird, schweigen sie schon bei der ersten Textzeile mit finsterer Miene.

Immer mehr Fans wenden sich ab von den dreißigjährigen verwöhnten Kindern, die nur kassieren und nicht liefern. Die schon morgens um sieben Uhr keine Selbstachtung mehr haben und sich von jedem kaufen lassen, der genug zahlt.

Mir f√§llt hierzu die Anekdote von Mark Twain ein, der im reifen Alter bei einem Diner neben einer attraktiven jungen Frau sa√ü und sie beil√§ufig fragte: „W√ľrden Sie f√ľr eine Million Dollar mit mir schlafen?“ Nach kurzem Z√∂gern meinte sie: „Warum nicht?“ Darauf Twain: „W√ľrden Sie es auch f√ľr f√ľnf Dollar tun?“ Die entr√ľstete Antwort: „Was glauben Sie, wer ich bin?“ „Nun“, sagte der alte Herr, „diese Frage haben wir bereits gekl√§rt. Es geht nur noch um den Preis.“

P. S.: Die Alternative zum Fußball: Synchronschwimmen. Jogi-Dämmerung, Angie-Dämmerung.

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Da lachen ja die H√ľhner

Streikrecht f√ľr Beamte? Fehlanzeige.

 

Man stelle sich vor, Arbeiter und Angestellte, die gerade ihren Job verloren haben, gehen auf die Stra√üe und fordern: unk√ľndbare Arbeitsvertr√§ge sowie beim Erreichen der Altersgrenze eine monatliche Rente in H√∂he der Pension eines Oberregierungs- oder Oberstudienrats im Ruhestand.

Na, da lachen ja die H√ľhner. Aber das hier ist Realit√§t:

Das Bundesland Hessen nimmt 4200 Disziplinarverfahren gegen beamtete Lehrer wieder auf. Sie waren vor drei Jahren f√ľr mehr Geld und k√ľrzere Arbeitszeiten auf die Stra√üe gegangen, obwohl sie dies nicht durften.

So steht es in einem aktuellen¬†SPIEGEL-Artikel. Das hei√üt, die 4200 Staatsdiener kriegen jetzt „fiesen¬†√Ąrjer“, wie man in K√∂ln sagt. Denn das Bundesverfassungsgericht hat soeben das Streikverbot f√ľr Beamte best√§tigt (tagesschau.de).

In einem ntv-Kommentar heißt es:

Niemand will Lehrern verbieten, f√ľr ihre √úberzeugungen zu demonstrieren (…) Sie sollen es ja nur nicht w√§hrend der Unterrichtszeit machen. Soviel Loyalit√§t dem Staat, und im √úbrigen auch den B√ľrgern gegen√ľber, ist nicht zu viel verlangt. Wer im Staatsdienst arbeitet und anderer Ansicht ist, kann seinen Beamtenstatus im √úbrigen jederzeit aufgeben, in die freie Wirtschaft wechseln – und f√ľr faire L√∂hne streiken.

Und jetzt lachen weder H√ľhner noch Beamte, sondern die Arbeiter und Angestellten.

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Kluge Kinder sollten Akademiker als Eltern haben …

… andernfalls haben sie es schwerer als normal Begabte.

 

In „Zu viel Schule“ habe ich √ľber „Achtzehn beliebte Irrt√ľmer zum Thema Bildung“ geschrieben. Den Abschnitt √ľber den dritten Irrtum habe ich mit „Halo, Pygmalion & Co.“ √ľberschrieben.

Kurz gesagt laufen¬†Halo-Effekt und¬†Pygmalion-Effekt darauf hinaus, dass gut aussehende Kinder und ebenso die S√∂hne und T√∂chter von Akademikern von vielen Lehrpersonen bessere Schulnoten als andere Sch√ľler erhalten – f√ľr die gleiche Leistung.

Armin Himmelrath berichtet nun in seinem neuen SPIEGEL-Artikel von einer aktuellen Langzeitstudie, die zu verbl√ľffenden Resultaten gelangt ist:

Gymnasiasten, deren Eltern ein niedriges Bildungsniveau haben, fallen im Laufe ihrer Schulzeit immer weiter zur√ľck. Besonders gro√ü ist die Gefahr, wenn sie in der f√ľnften Klasse in Mathematik und Deutsch noch Einsen auf dem Zeugnis stehen hatten. Das ist das √ľberraschende Ergebnis einer noch unver√∂ffentlichten Langzeitstudie von Bildungsforschern (…).

Wie meistens bei solchen Studien lassen sich die genauen Ursachen des Problems nicht einwandfrei belegen. „Dennoch“, so hei√üt es in dem Artikel, „sollten Bildungspolitik und Lehrer nicht auf diese Ursachenanalyse warten, bevor sie reagieren (…) Wichtig sei es jetzt, auf die besonders guten F√ľnftkl√§ssler mit wenig bildungsstarkem Elternhaus ‚ein besonderes Augenmerk der Schul- und Bildungspolitik‘ zu legen“.

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Ramos РHeld oder Zerstörer?

Ein Nachtrag zu „Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten“ vom 27. Mai

 

In meinem Artikel vom 27.5. habe ich zwei verschiedene Sichtweisen auf ein und denselben Vorgang, nämlich das CL-Finale in Kiew am 26.5., beschrieben. Dabei ging es auch um zwei völlig entgegengesetzte Beurteilungen des Real-Madrid-Stars Sergio Ramos.

Die einen sehen in ihm einen Helden und Ausnahmefußballer. Die anderen Рund ich gestehe, dass ich zu ihnen gehöre Рsagen: Der Mann ist ein exzellenter Fußballer, aber ständig gehen mit ihm die Pferde durch; um ein Fußballmatch zu gewinnen, ist ihm jedes Mittel recht, vorzugsweise versteckte, brutale Fouls Рer wird zum Käfigkämpfer auf dem Fußballrasen.

Zu den Fakten: Laut Wikipedia ist Ramos

(…) auch f√ľr seine harte Spielweise und h√§ufige Fouls bekannt. Er h√§lt den Rekord f√ľr die meisten gelben Karten (222) und roten Karten (24) eines Spielers bei Real Madrid sowie f√ľr die meisten roten (19) und gelben Karten in der Primera Divisi√≥n (165) und spanischen Nationalmannschaft (21).

Vor weniger als einer Stunde wurde ein FOCUS-Artikel veröffentlicht. Danach

(…) lie√ü der FC Liverpool Torwart Loris Karius nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid auf eine Gehirnersch√ľtterung untersuchen.

Ergebnis: Der konsultierte Bostoner Spezialist f√ľr Kopfverletzungen hat festgestellt, dass Karius im CL-Finale durch den Ramos-Ellenbogensto√ü eine Gehirnersch√ľtterung erlitt. Anschlie√üend unterliefen dem Liverpooler Torwart bekanntlich die unfassbaren Fehler, die zu zwei Real-Toren f√ľhrten.

Ich glaube, jeder von uns muss sich fragen, auch mit Blick auf die Fußball-WM: Will ich Fußball oder Kampfsport sehen? Und: Bringen Spieler wie Ramos den Fußballsport voran oder zerstören sie ihn Рals Söldner derer, die mit immer größeren Geldsummen diese Sportart immer mehr pervertieren?

P. S.: Seitens FC Liverpool gibt es bisher keine offizielle Stellungnahme zum Fall Karius. Man kann vermuten, dass die Vereinsbosse stattdessen ihrem Mitarbeiter J√ľrgen Klopp deutliche Hinweise geben, wie er als Trainer in Zukunft seine Spieler zu „programmieren“ hat.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Russia-Spain_2017_(6).jpg?uselang=de
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achtsam sprechen, achtsam zuhören

Buchtipp: Thich Nhat Hanh / Bewusste Kommunikation

 

Es gibt B√ľcher, die ein Leben ver√§ndern k√∂nnen – unter der Voraussetzung, dass die Leserin, der Leser sich mit dem Autor auf die Reise macht, sich befreit von „Gewohnheitsenergie“, wie¬†Thich Nhat Hanh¬†es nennt.

 

Schon mehrfach habe ich √ľber den au√üergew√∂hnlichen M√∂nch aus Vietnam, sein Leben¬†und seine Botschaft an uns berichtet, zuletzt in einer Kurzbesprechung seines Ratgebers „Einfach sitzen‚ÄĚ.

Auch in seinem Buch¬†„achtsam sprechen, achtsam zuh√∂ren‚Ä̬†(O. W. Barth Verlag, 2014)¬†klingt vieles ungewohnt f√ľr die Ohren eines n√ľchtern-sachlichen Mitteleurop√§ers, manches wird er als Zumutung empfinden: „Dem inneren Kind zuh√∂ren‚ÄĚ, „tief hineinschauen‚ÄĚ, oder „Ich leide, bitte hilf mir‚ÄĚ ‚Äď solche Worte findet man eher selten bei Twitter, WhatsApp, FAZ oder SPIEGEL.¬†Und genau darum geht es.

Die ersten Sätze im vorliegende Buch lauten:

Nichts und niemand kann ohne Nahrung leben. Alles, was wir zu uns nehmen, wirkt entweder heilend oder es schadet uns.

Anschließend erklärt uns der Autor, dass jede Art von Kommunikation auch Nahrung ist. Und dass wir beim Zuhören, Sprechen und Schreiben ebenso achtsam sein sollten wie beim Essen und Trinken.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf gesunde Ernährung achten, ist ein solcher Einstieg ins Thema Kommunikation ein kluger Schachzug. Denn so achtlos sich viele von uns noch vor wenigen Jahren ernährt haben, so dumm ist heute oft unser Verhalten in Gesprächen, Telefonaten und beim Schreiben von E-Mails Рim beruflichen wie auch im familiären Umfeld.

Thich Nhat Hanh h√§lt uns in seinem Buch den Spiegel vor, aber er beschreibt auch handfeste Methoden, mit denen wir zu mehr Verst√§ndnis f√ľr das Leiden anderer gelangen, zu mehr Freundlichkeit und weniger Ichbezogenheit.

Liebe lap-land-Fans, ich habe dieses Buch in den letzten Tagen mit Bedacht und mit viel Freude gelesen, während eines Kurzurlaubs in Versailles. Und ich habe beschlossen, einiges in meinem Leben zu ändern. Dabei habe ich mir selbst Рwie von Thich Nhat Hanh empfohlen Рeine Deadline gesetzt, als es beispielsweise um das Schreiben eines versöhnlichen Briefs ging.

Buchcover: Verlagsgruppe Droemer Knaur; https://www.droemer-knaur.de/buch/7985395/achtsam-sprechen-achtsam-zuhoeren
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Zwei Endspiele, zwei Wahrheiten

Was ist Wahrheit? Eine spannende und sperrige Frage – f√ľr Philosophen, Richter und betrogene Ehepartner, Freunde, Politiker.¬†Wer es sich einfach machen will, sagt, es gibt keine. Zumindest nicht die eine. Wer skrupellos ist, behauptet st√§ndig irgendetwas und eine Stunde oder einen Tag sp√§ter das Gegenteil, ohne sich jemals f√ľr seine L√ľgen zu entschuldigen.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Liverpool gegen Real Madrid.
– Die Engl√§nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der √Ągypter Salah ist der gef√§hrlichste St√ľrmer des Liverpooler Teams.
РIn der 31. Minute*) muss Salah nach einem Zweikampf mit dem Real-Kapitän Ramos ausgewechselt werden. Liverpool gerät nun in die Defensive.
– In der Folgezeit unterlaufen dem Liverpooler Torwart Karius zwei unfassbare Fehler. Von dem zweiten Fehler profitiert Torsch√ľtze Bale, der erst nach einer Stunde eingewechselt worden ist; schon vorher hat er ein Traumtor erzielt.
– Ergebnis: 3:1 f√ľr Madrid. Matchwinner: Bale. Tragische Helden: Liverpools Torwart Karius und sein Trainer Klopp. Fazit: Ein gro√üartiger Fu√üballabend, die individuelle Klasse der Madrilenen hat sich durchgesetzt.

Kiew, 26. Mai 2018, Endspiel der UEFA Champions League. Real Madrid gegen Liverpool.
– Die Engl√§nder beginnen „extrem aggressiv und angriffslustig“ (Kicker) und bereiten den Madrilenen enorme Probleme. Der √Ągypter Salah ist der gef√§hrlichste St√ľrmer des Liverpooler Teams.
– Real-Kapit√§n Ramos erkennt, dass dieses Spiel mit fu√üballerischen Mitteln f√ľr Madrid nicht zu gewinnen ist. In der 31. Minute*) rei√üt er Salah durch eine filmreife Kung-Fu-Einlage so zu Boden, dass dieser ausgewechselt werden muss. Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt sehen in der Wiederholung diesen brutalen Regelversto√ü, aber es gibt nicht einmal die gelbe Karte f√ľr Ramos.¬†Liverpool ger√§t nun in die Defensive.
– In der 49. Minute attackiert Ramos einen anderen Liverpooler Schl√ľsselspieler:¬†Im F√ľnf-Meter-Raum¬†rammt er dem gegnerischen Torwart Karius seinen Ellenbogen gegen den Sch√§del. Karius geht zu Boden, greift sich an den Kopf, aber er beschwert sich nicht und spielt weiter (–> BILD). In der Folgezeit unterlaufen demselben Torwart zwei unfassbare Fehler, wodurch Madrid quasi zwei Tore geschenkt bekommt.
– Ergebnis: 3:1 f√ľr Madrid. Matchwinner: Ramos. Abgezockter Strippenzieher: Real-Coach Zidane. Fazit: Eine Niederlage f√ľr den Fu√üball, die Liverpooler sind durch brutale Regelverst√∂√üe um den Sieg gebracht worden.

Welche der beiden Geschichten ist die wahre? Oder gibt es eine dritte?

Fotos: Wikimedia

*) Korrigiert am 27.5., 17:10 Uhr: Salahs Auswechslung erfolgte nicht in der zweiten Halbzeit, sondern in der 31. Minute; die Ellenbogen-Attacke spielte sich anschließend ab, in der 49. Minute.

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Projektphilosophie-Uhr 2018

In meinem Artikel vom 21. Mai war vom Heiligen Geist die Rede. Wie dort angek√ľndigt, habe ich die Projektphilosophie-Uhr (2012) inzwischen ein wenig √ľberarbeitet.

Hier ist die Projektphilosophie-Uhr 2018 (durch Anklicken erhalten Sie die vergrößerte Grafik als pdf-Datei):

 

 

Gegen√ľber 2012 gibt es im Inneren der Uhr, dem hellgrauen Zifferblatt, keinen Unterschied. Die Eigenschaften „freundlich (1), zuverl√§ssig (2) …“, angelehnt an die Tugenden des Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik,¬†bleiben also erhalten.

Geändert haben sich einige Begriffe außerhalb des Zifferblatts:

  • „richtige Mitte“ statt „Goldene Mitte“ (3):
    Dadurch sollen Missverst√§ndnisse vermieden werden; Aristoteles‘ zentraler Begriff „Mesotes“ wird √ľblicherweise mit „richtige Mitte“ √ľbersetzt.
  • „Herzensg√ľte“ statt „Liebe“ (4):
    Beim Schreiben des Royal-Wedding-Artikels vom 21.5. bin ich zu der √úberzeugung gelangt: Liebe und Tod sind Begriffe, die sich¬†nicht in eine Liste von zw√∂lf Tugenden einordnen lassen. Man k√∂nnte sie allenfalls in der Mitte der Uhr in Klammern hinter „Gelingendes Leben“ setzen.
  • „Selbstachtung“ statt „Ehre“ (7):
    Auch hier will ich Missverständnisse vermeiden, beispielsweise durch die Assoziation Ehre-Ehrenmord.
  • VERSTAND statt GEIST (als Komplement zu K√ĖRPER und SEELE):
    Meine Sch√ľler haben mich immer wieder gefragt: Was ist denn der Unterschied zwischen Geist und Seele, wieso √ľberhaupt zwei verschiedene Begriffe zur Abgrenzung von „K√∂rper“?
    Durch das Wort VERSTAND wird die Sache vermutlich klarer.¬†Denn¬†bei GEIST denken manche an den Heiligen Geist¬†und an Spiritualit√§t, womit wir schon nahe beim Begriff der SEELE sind; bei VERSTAND jedoch geht es ums Denken, um Logos, wof√ľr im Christentum Gott bzw. Gottvater steht. √úbrigens, die Bez√ľge VERSTAND-Logos-Vater, SEELE-Spiritus-Heiliger Geist, K√ĖRPER-Leib Christi liegen auf der Hand.

Falls ich mit solchen √úberlegungen die religi√∂sen Gef√ľhle einer Leserin oder eines Lesers verletzt haben sollte, so tut mir das leid, es war nicht meine Absicht. Ich denke, Achtsamkeit (3) schlie√üt nicht aus,¬†zum Nachdenken anzuregen und sich f√ľr die Freiheit (10) des Denkens (12) einzusetzen.

Freies, unverkrampftes Denken hat viel mit Humor (9) zu tun. Und Humor braucht jeder von uns, um immer wieder die Balance von Körper, Verstand und Seele zu finden.

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In eigener Sache: Das Kommentieren …

… in lap-land wird auf Grund der neuen Datenschutzrichtlinien in K√ľrze wieder nach dem urspr√ľnglichen Modus ablaufen, d. h. ohne dauerhaftes Speichern pers√∂nlicher Daten. Wir bitten um Verst√§ndnis f√ľr diese pragmatische Entscheidung.

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Möge der Heilige Geist mit dir sein

Meghan und Harry, Liebe und Tod

 

Pfingstsamstag 2018: Royal Wedding in Windsor Castle. Überraschender Höhepunkt ist die feurige Predigt des US-Bischofs Michael Bruce Curry. Sie ist charismatisch, historisch, revolutionär.

Mag sein, dass der Bischof etwas zu lang gesprochen hat. Aber auf den Gesichtern der¬†versammelten Hochzeitsg√§ste – Prominente aus aller Welt, k√∂nigliche Familie, die Top 100 des britischen Hochadels – sieht man keine Langeweile, sondern Erstaunen, Irritation, Entsetzen. Einige sind belustigt, viele vom Donner ger√ľhrt. Und die Braut, eine geschiedene, emanzipierte US-Schauspielerin, zeigt ein wissendes L√§cheln.

Ja, was machst du in einer solchen Situation als Mitglied des House of Lords? Wenn dieser farbige Prediger zun√§chst √ľber Liebe und Tod, pl√∂tzlich jedoch √ľber Sklaverei, Hunger und Armut spricht? Du kannst nicht weglaufen. Du musst h√ľbsch sitzenbleiben und dir das anh√∂ren. Zwischenrufe nicht erw√ľnscht. Dies ist eine Kirche, kein Parlament oder Club.

Ich vermute, das Problem ist, dass in einer westlich-materialistischen Gesellschaft die meisten Menschen keinen blassen Schimmer von Pfingsten haben – deshalb sind sie v√∂llig √ľberrascht von einer solchen Predigt. Halloween, Star Wars? Gut. Ramadan? Schon mal geh√∂rt. Aber was zum Teufel bedeutet Pfingsten? Heiliger Geist, Dreifaltigkeit,¬†Zungenrede, Charisma? Hm.

Die christliche Idee der Dreifaltigkeit wurde √ľber Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert, kritisiert und missverstanden. Mir fallen¬†Projektphilosophie-Uhr¬†und K√∂rper-Geist-Seele ein. Demn√§chst mehr davon.

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Ein Schlag ins Gesicht des deutschen Schulsystems

Deutscher Schulpreis 2018

 

Seit 2006 vergibt die Robert-Bosch-Stiftung den Deutschen Schulpreis. In diesem Jahr erhielt ihn das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald, die Laudatio hielt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Wenn Sie den betreffenden SPIEGEL-Artikel oder auch die Berichte in der S√ľddeutschen Zeitung oder der ZEIT lesen, wird Ihnen schnell klar: Diese ausgezeichnete evangelische Privatschule in Greifswald ist das exakte Gegenteil einer „normalen“ √∂ffentlichen Schule in Deutschland. In Greifswald gibt es

  • praktisch keine Teilung Grundschule / weiterf√ľhrende Schule und somit keine Schulwechsel-Probleme; im Prinzip haben wir hier eine Volksschule √† la Finnland, wie ich sie in meinem Buch „Zu viel Schule“ vor zwei Jahren gefordert habe
  • kaum Frontalunterricht, stattdessen – √§hnlich wie in Montessori-Schulen – viel freies, selbstbestimmtes Lernen sowie jahrgangs√ľbergreifende Lerngruppen
  • keine Zensuren (Ziffernoten) bis zur neunten Klasse und
  • funktionierende Inklusion.
  • In einer Sch√ľlerfirma lernen die Sch√ľler „den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt ‚Wohnungstraining‘ wird in einer angemieteten Wohnung f√ľr die eigene Selbstst√§ndigkeit ge√ľbt“ (ZEIT, 14.5.2018).

Benjamin Skladny, der Leiter der Martinschule, wird im SPIEGEL folgendermaßen zitiert:

Es ist bei uns grunds√§tzlich anders als das gesamte Schulsystem in Deutschland, das ich f√ľr fast unreformierbar halte.

Fassen wir zusammen:

  • Die beste deutsche Schule ist die Martinschule¬†in Greifswald.
  • Greifswald ist ein Teil von Deutschland.
  • Die Martinschule ist kein Teil des deutschen Schulsystems.
    Daraus folgt:
  • Die beste deutsche Schule befindet sich in Deutschland,
    jedoch nicht innerhalb des deutschen Schulsystems.
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Die W√ľrde des Menschen

Buchtipp: „Sterbefasten“ von Christiane zur¬†Nieden

 

Lassen Sie uns √ľbers Sterben reden“ lautet der Titel einer neuen BILD-Serie. Ja, was machst du als Sensationsreporter, wenn es kaum noch ein Tabu gibt, das man brechen kann? Du nimmst das letzte, den Tod.

Das ist die Sensation: Jeder von uns wird sterben, ob es ihm nun gerade passt oder nicht. Aber welche M√∂glichkeiten gibt es in unserem Kulturkreis √ľberhaupt noch, in W√ľrde sein Leben enden zu lassen? Wom√∂glich sogar in dem Haus oder der Wohnung, wo man gelebt hat und alt geworden ist?

In einer Zeit der Apparatemedizin und des „Wegschlie√üens“ von alten, hilflosen Menschen ist das w√ľrdelose Sterben l√§ngst zur Norm geworden. Doch es gibt eine Alternative, die vermutlich nur wenigen bekannt ist. Christiane zur Nieden beschreibt sie in ihrem Buch „Sterbefasten“ (Mabuse-Verlag, 2. Auflage 2017). Im Kapitel „Begriff und Geschichte“ hei√üt es:

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Fl√ľssigkeit*) ist so alt wie die Menschheit selbst. (…) Es wird von alten, gebrechlichen Pr√§rie-Indianern berichtet, die sich mit klarem Verstand von ihrem Stamm verabschiedeten, um alleine zur√ľckzubleiben, wenn dieser aufbrach, um neue Weidegr√ľnde zu suchen. Auch im Jainismus (…) ist das Selbstt√∂ten durch Fasten bis zum Tode als einzige Selbstt√∂tungsform erlaubt.

Das Buch ist vor allem deshalb so authentisch und stellenweise ergreifend, weil die Autorin in den ersten Kapiteln die letzten Lebenswochen ihrer eigenen Mutter beschreibt, die sich f√ľr diese selbstbestimmte, nat√ľrliche Art des Sterbens entschieden hat. Es liegt auf der Hand, dass dies kein leichter Weg ist. Er ist eine immense Herausforderung f√ľr die Menschen, die den Sterbenden auf diesem Weg begleiten. Aber zugleich ist er eine gro√üe Chance in Richtung gelingendes Leben und gelingender Prozess des Sterbens.

*) In der Palliativmedizin ist die g√§ngige Abk√ľrzung hierf√ľr:¬†FVNF.
Buchcover: Mabuse-Verlag, https://www.mabuse-verlag.de/Mabuse-Verlag/Produkte//Mabuse-Verlag/Unsere-Buecher/Ratgeber-Erfahrungsberichte/Sterbefasten/id/b1f649c9-41f2-c3af-1293-145fb5428843
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Blick in den R√ľckspiegel

Zwei Todesf√§lle in der Gro√üfamilie innerhalb weniger Tage – da kommen aus verschiedenen Ecken vielf√§ltige Erinnerungen an die Oberfl√§che des Bewusstseins. Es sind nicht nur sch√∂ne Dinge, an die du dich erinnerst. In die Trauer – vor allem die Trauer √ľber das Unwiederbringliche fr√∂hlicher Stunden – mischt sich hier und da nachwirkender √Ąrger √ľber erlittene Kr√§nkungen und dann das Bedauern √ľber Fehler, die du selbst gemacht hast. Jetzt ist es zu sp√§t, um noch irgendetwas zu kl√§ren oder um Verzeihung zu bitten.

Du blickst in den R√ľckspiegel. Du denkst nicht nur an die, die vor einigen Tagen gestorben sind, sondern an viele andere. An Menschen, die dir die liebsten waren und mit denen du nie mehr zusammen essen und trinken, reden, lachen und singen kannst.

youtube abspiel button  Looking back over my shoulder

Heute habe ich mir diesen Song, den ich sehr sch√§tze, noch einmal angeh√∂rt. Mehr als sonst haben mich diesmal Musik und Text ber√ľhrt.¬†But it’s enough to make a grown man cry …¬†Everyday, it’s a losing battle¬†Just to smile and hold my head up high …

In den R√ľckspiegel schaute wenige Jahre vor seinem Tod auch¬†Dilgo Khyentse, einer der bedeutendsten buddhistischen Meister des vorigen Jahrhunderts und¬†ehemaliger Lehrer des Dalai Lama, am Ende einer seiner Belehrungen. Sein Sch√ľler Sogyal Rinpoche hat die Szene f√ľr uns festgehalten*).

„Wir alle schauten auf zu diesem g√ľtig leuchtenden Berg von einem Mann, der gleichzeitig Gelehrter, Poet und Mystiker war … Er machte eine Pause und blickte in die Ferne:

Ich bin nun achtundsiebzig Jahre alt und habe in meinem Leben so viel gesehen. So viele junge Menschen sind gestorben, so viele Menschen in meinem Alter und so viele, die √§lter waren als ich. So viele Menschen, die an der Spitze standen, sind tief gefallen. So viele Menschen, die unten waren, sind an die Spitze aufgestiegen. So viele L√§nder haben sich ver√§ndert. Es hat soviel Aufruhr und Katastrophen gegeben, so viele Kriege und Seuchen (…) Und doch sind all diese Ver√§nderungen nicht wirklicher als ein Traum. Wenn du tief genug schaust, erkennst du, dass nichts dauerhaft und best√§ndig ist, nichts – nicht einmal das kleinste H√§rchen auf deinem K√∂rper. Und das ist keine blo√üe Theorie, sondern etwas, was du wirklich selbst erkennen und mit deinen eigenen Augen sehen kannst.‚ÄĚ

*) Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, O. W. Barth Verlag, 1995, S. 42
Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dilgo_Khyence_rinpoche.jpg?uselang=de
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